Einbrüche um über 50 Prozent gestiegen
Polizei steht dem Rat Rede und Antwort und empfiehlt den Notruf bei ungewöhnlichen Beobachtungen
Meckenheim. Die enorm gestiegenen Einbruchszahlen aus dem vergangenen Jahr und die große Verunsicherung der Meckenheimer waren der Grund, warum fraktionsübergreifend eine Einladung des Meckenheimer Rates bei der Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa landete. Zwar konnte sie selbst die Einladung aus Krankheitsgründen nicht wahrnehmen, schickte jedoch ihre Stellvertreterin die leitende Kriminaldirektorin Gerlinde Hewer-Brösch und den leitenden Polizeidirektor Helmut Pfau. Auch wenn die Kriminalitätsstatistik in den Bereichen Raub oder schwere und gefährliche Körperverletzung sich deutlich entspannt habe, bereiten der Kriminaldirektorin die Einbruchszahlen in Meckenheim Sorgen. Während bundesweit im vergangenen Jahr ein Anstieg von rund 20 Prozent zu verzeichnen sei, falle dieser in Meckenheim deutlich höher aus. Auf Nachfrage konkretisierte Hewer-Brösch, dass die Zahlen in der Apfelstadt deutlich über 50 Prozent angestiegen seien. Viele Faktoren wie zum Beispiel unübersichtliche Wohnverhältnisse oder auch die Nähe zur Autobahn spielten dabei eine Rolle. Besonders erfreut zeigte sich die stellvertretende Polizeipräsidentin angesichts dieser ernüchternden Zahlen jedoch über die Entwicklung im Januar dieses Jahres. In der ersten Kalenderwoche habe es noch elf Wohnungseinbrüche in Meckenheim gegeben – das entspreche den Zahlen der Vormonate. Danach jedoch seien es stetig weniger geworden. Zunächst fünf, denn drei und auch in der vierten Kalenderwoche wurden drei Einbrüche gemeldet und in der fünften Kalenderwoche sei kein Einbruch in Meckenheim gemeldet worden. Immer wieder wiederholte Hewer-Brösch, dass sehr häufig der aufmerksame Nachbar der Schlüssel zum Erfolg sei. 110 sei die richtige Nummer, wenn man wie auch immer geartete auffällige Beobachtungen im Wohnumfeld mache, forderte sie die Meckenheimer auf, sich sofort zu melden. Brigitte Kuchta, SPD-Fraktionsvorsitzende kritisierte ebenso wie andere Ratsmitglieder, dass sich viele Bürger jedoch von den wachhabenden Polizisten nicht ernst genommen fühlten. Darauf wiederum reagierte Pfau sehr empfindlich: „Ich akzeptiere ein solches Verhalten überhaupt nicht, wenn es denn so gewesen ist“, stellte er klar. Die Mitarbeiter seien angehalten, alle Hinweise sehr ernst zu nehmen. „Wir versuchen die Einstellung der Kollegen dahin zu bringen, dass solche Anrufe absolute Priorität haben“. Vorsorglich entschuldigte sich Pfau für mögliche falsche Reaktionen seiner Mitarbeiter und appellierte an die Meckenheimer: „Lassen Sie nicht nach, ihre Beobachtungen zu melden.“ Die aktuellen Festnahmen seien nur eine Gruppierung, die Polizei geheb jedoch davon aus, dass in Meckenheim mehrere Gruppen am Werk seien. Die Polizei habe im letzten Jahr einen Schwerpunkt ihrer Arbeit in Meckenheim gehabt. So zum Beispiel bei der Opfernachsorge, in Form von vermehrten Kontrollen, den Aktions- und Präventionstagen mit dem Polizeimobil sowie durch Befragungen im Umfeld eines Einbruchs, von denen sich die Polizei besondere Hinweise erhoffe. Wochenlange Ermittlungen hätten nun aktuell zum Erfolg geführt und die Festnahme möglich gemacht. Die Polizei hoffe, dass es hier auch zu einer Verurteilung komme, denn bei den Tätern gelte noch das Jugendstrafrecht. Auch die Sicherung des Hauses lohne sich. Im Sommer sei es bei 53 Prozent der Taten beim Einbruchsversuch geblieben, weil das Haus gut gesichert war. Helmut Pfau erläuterte nochmals die Struktur der Polizei. Ihm seien rund 700 Beamte unterstellt. Dazu zählten die Bereitschaftspolizei und der Wachdienst. Im Meckenheimer Bezirksdienst arbeiteten drei Beamte. Die Wache sei von sechs bis 22 Uhr besetzt. In der Nacht gelte Außendienst vor Innendienst, sonst seien die Beamten dazu da, um die Wache zu bewachen, das bewirke wenig. Rund um die Uhr werde zudem Streife gefahren. Hier habe man eher Rheinbacher Personal nach Meckenheim verlagert und nicht umgekehrt. Dennoch schränkte er ein, dass es nicht erwiesen sei, dass Streifenpolizisten Straftäter von ihren Taten abhalten können, denn oftmals warte der Täter, bis die Streife wieder weg sei. Dennoch sei die Präsenz von Polizei in den Straßen sehr wichtig, sie verbessere nicht nur das Sicherheitsgefühl der Bürger, sondern könne vor allem Gelegenheitstäter durchaus abschrecken.
AT
