Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit in Meckenheim
„Einigkeit und Recht und Freiheit…“
Beeindruckende Dokumente aus der jüngsten Geschichte
Meckenheim. Seit vielen Jahren ist es eine lieb gewordene Tradition in der Stadt Meckenheim, am 3. Oktober eine Feierstunde zu gestalten und an die Ereignisse von 1989 und 1990 zu erinnern. Bürgermeister Bert Spilles hatte dazu alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Meckenheim eingeladen. Ca. 130 Personen sind der Einladung in die Aula der evangelischen Grundschule gefolgt, darunter auch die beiden Ehrenbürger Erika Meyer zu Drewer und Albert Graen. Die stellv. Bürgermeister Heidi Wiens und Michael Sperling nahmen in der ersten Reihe Platz. Neben Persönlichkeiten aus der Politik, den Fraktionen und des Rates waren sowohl Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz, als auch die Vizelandräte Silke Josten-Schneider und Oliver Baron zur Feier erschienen.
Vortrag von Bürgermeister Spilles
Der Festvortrag von Bürgermeister Spilles knüpfte an die Ereignisse rund um den 9. November 1989 an. Eindrucksvoll schilderte Spilles die Sensationsmeldung von damals: „Die Mauer ist offen.“ Er beschrieb noch einmal die friedliche Revolution von 1989 und 1990. Den Fall der Mauer bezeichnete er als ein Drama von welthistorischer Bedeutung. Er rief den Anwesenden noch einmal ins Gedächtnis, was 40 Jahre Teilung und 28 Jahre menschenverachtender Mauer mit den Menschen damals gemacht haben: Familien wurden auseinandergerissen und ganze Landstriche verödeten. Der Bürgermeister schilderte, wie 1953 die Arbeiteraufstände im Osten Deutschlands mit Panzern niedergewalzt wurden und trotzdem die Wiedervereinigung im Jahr 1989 nicht mehr aufgehalten werden konnte.
Demokratie und Freiheit bewahren
Mit Blick auf die Gegenwart hob Spilles hervor, dass es gerade im Hinblick auf die Krisen zurzeit, etwa in der Ukraine und im Nahen Osten, wichtig ist, Demokratie und Freiheit zu bewahren und für sie einzustehen. Mit der deutschen Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit…“, die von allen Gästen mitgesungen wurde, endete die Feierstunde mit anschließendem kleinen Umtrunk. Für die musikalische Umrahmung sorgte Waldemar Kinas am Klavier.
Bemerkenswerte Ausstellung
Die Veranstaltung wurde zusätzlich angereichert durch die bemerkenswerte Ausstellung von Raimund Schink. Wie er berichtete, sammelt er seit seinem 5. Lebensjahr Briefmarken, zeitgenössische Dokumente, Zeitungsartikel und Gedenkmünzen aus der jüngsten Vergangenheit bzw. seit Ende des 2. Weltkriegs. Da gab es z.B. einen Zeitungsausschnitt vom Juni 1989 mit dem Artikel: Gorbatschow begeistert Bundesbürger oder ein Protokoll von Willi Stoph mit dem Inhalt: zeitweilige Übergangsregelung. Daneben ein Zeitungsausschnitt mit der Überschrift: Niemand hat die Absicht, eine Mauer errichten. Wie Raimund Schink erzählte, hat er nur 25 Prozent seiner gesammelten Dokumente ausgestellt.
Ein Wermutstropfen ist die Tatsache, dass nur wenige Menschen den Tag der Deutschen Einheit noch zu würdigen wissen. Wie eine Umfrage vom Haus der Geschichte ermitteln konnte, nehmen nur noch 3 Prozent der Bevölkerung an offiziellen Veranstaltungen teil. Die gleiche Umfrage ergab, dass 46 Prozent es vorziehen, an diesem Tag länger zu schlafen und sich zu einem Picknick zu treffen. Trotzdem ist es gut, dass die Mauer gefallen ist, man unbeschwert nach Ost und West reisen und auch sonstige Annehmlichkeiten genießen kann.
Bürgermeister Bert Spilles hielt die Festrede zum Tag der Deutschen Einheit.Fotos: Stein
Eine zensierte und angehaltene Postsendung aus dem Jahr 1971 von West nach Ost.
