CDU gründet „MiU“ in Meckenheim
Hochkarätige Podiumsdiskussion
Meckenheim. Menschen mit Migrationshintergrund und gar Muslime in der CDU, das ist eine Sache, die auf den ersten Blick noch immer vielen als fremd gilt. Dass sich auch die CDU von den mitunter noch immer vorherrschenden Klischees längst wegentwickelt hat, wurde am vergangenen Freitag in Meckenheim deutlich. Dort wurde die „MiU Meckenheim“ gegründet, was für „Migranten in der Union“ steht. Geplant war eine Podiumsdiskussion mit der ehemaligen Präsidentin des Deutschen Bundestags, Prof. Dr. Rita Süssmuth, die jedoch rund eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung kurzfristig wegen einer Erkrankung absagen musste.
Umso mehr freute sich die stellvertretende Vorsitzende der CDU Meckenheim, Katja Kroeger, neben der Landtagsabgeordneten Ilka von Boeselager den Vorsitzenden des Landesnetzwerks Integration in der CDU Rheinland-Pfalz, Yunus Emre, und Bürgermeister Bert Spilles begrüßen zu können. Die Moderation des Abends hatte Lolita Mohan übernommen, die aus Indien stammt und in Bonn Jura studiert. Diese konnte dann auf dem Podium auch den aus Polen stammenden Dr. Andrzey Wojzik sowie das Mitglied des Europäischen Parlaments, Axel Voss, begrüßen. Aus Meckenheim konnte Cemal Tayfur in die Veranstaltung einführen und seinen Weg in die CDU erläutern. Er ist vor acht Jahren erstmals auf einem Neujahrskongress der Partei gewesen, und nach zehn Minuten sei jemand auf ihn zugekommen und habe ihn willkommen geheißen, damit war die heutige Abgeordnete Ilka von Boeselager gemeint. Auch Moderatorin Lolita Mohan berichtete, dass sie im Alter von fünf Jahren nach Deutschland gekommen sei, und sie verwies auf die Notwendigkeit von Migration nach Deutschland, nicht nur vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, sondern auch des sich abzeichnenden Pflegenotstands. So stellte sie direkt zu Beginn die Frage in die Runde, was denn überhaupt unter einer Willkommenskultur zu verstehen sei. Yunus Emre griff dies auf und betonte, dass dies vor allem ein gemeinsames „Wir-Gefühl“ sein müsse. Willkommenskultur könne nicht von Behörden gemacht werden, sondern sei eine sehr emotionale Sache, die Teilhabe und auch bürgerschaftliches Engagement bedeute.
In die gleiche Richtung argumentierte Bürgermeister Bert Spilles, der betonte, dass Städte und Gemeinde viel tun könnten, denn der Schlüssel zu erfolgreicher Integration liege bei den Gemeinden, er verwies dabei auch auf die wichtige Aufgabe der Vereine. MdL Ilka von Boeselager betonte, dass rund 25 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen einen Migrationshintergrund haben, jeder habe ein persönliches Schicksal. Sie betonte, dass Menschen mit Migrationshintergrund auch eine Bereicherung der Kulturen bedeuteten, was in beide Richtungen gelte.
Axel Voss erläuterte dazu die Positionen der EU und der verschiedenen Programme, ging aber auch auf die juristischen Fallstricke ein. Ebenso führte er die Unterschiede zwischen gewollter Einwanderung sowie dem Asylrecht auf. Auf Nachfrage erklärte er, dass er Deutschland als eines der attraktivsten Länder innerhalb der EU sehe für Migranten, es sei denn, diese hätten einen englischsprachigen Hintergrund. Sein Fazit: „Deutschland hat was.“
Auf den Umstand, dass Integration nicht nur eine Willkommenskultur für diejenigen sei, die hierher kommen, sondern dass auch die nicht vergessen werden dürften, die hier sind, darauf machte Dr. Andreas Wojcik aufmerksam.
Das Thema Teilhabe und Kultur zog sich dabei wie ein roter Faden durch den gesamten Abend. Yunus Emre forderte sehr leidenschaftlich auf, sich politisch in den Parteien in Deutschland zu engagieren. Er erklärte, dass Parteien an sich nichts ändern würden, nur die Menschen in den Parteien änderten etwas, wenn sie sich engagierten.
Axel Voss betonte, dass es keinerlei Berührungsängste in der CDU gebe und dass die CDU eine Wertepartei und auch für Menschen anderer oder gar keiner Religion offen sei. Yunus Emre sah die CDU auch für Menschen mit muslimischem Glauben als richtige Partei, weil die CDU von ihrem Parteiprogramm für Werte stehe. Er erinnerte daran, dass die CDU seinerzeit bewusst gegründet wurde, um auch in Deutschland die Schranken zwischen Katholiken und Protestanten in einer Partei zu überwinden. Seine drei Schlüsselbegriffe für eine gelungene Willkommenskultur sind Offenheit, Chancengleichheit sowie Sprache und Bildung.
Bürgermeister Bert Spilles erläuterte dann seinen Meckenheimer Weg. Hier habe man bewusst bei seinem Amtsantritt den Dialog auch mit Menschen mit Migrationshintergrund gesucht. Gemeinsam wurde die Hauptschule gefördert, und mit Hilfe von Zusatz- und Förderunterricht kann heute jeder Hauptschulabgänger in Meckenheim entweder eine weiterführende Schule besuchen oder eine Ausbildungsstelle antreten. Dies bedeutete aber eine Kultur für mehr Vertrauen in Meckenheim.
„Es zählt die Zukunft, nicht die Herkunft“, so fasste es die souveräne Moderatorin Lolita Mohan am Schluss der Veranstaltung zusammen, nachdem noch zahlreiche Fragen aus dem Publikum beantwortet wurden. Der Dank der CDU galt besonders den zahlreichen Frauen, die ein hervorragendes und köstliches kurdisches Buffet aufgebaut hatten, das auch gerne angenommen wurde.
Bei einem kurdischen Buffet ließen es sich die CDU-ler schmecken.
