Allgemeine Berichte | 21.05.2013

Dokumentation zur Geschichte der Meckenheimer und Rheinbacher Juden

Ihre Namen werden bleiben

Dietmar Pertz stellt im Himmeroder Hof zahlreichen Interessenten das neue Buch vor

Idyllisch liegt der jüdische Friedhof in Meckenheim an der Dechant-Kreiten-Straße. Dort stehen sehr gut erhaltene und nicht lesbare Stein. WM

Rheinbach/Meckenheim. „Remember… Never Forget“ - Diese Aufforderung, „Erinnere Dich, vergiss niemals“, stand im Raum. Rheinbach Stadtarchivar Dietmar Pertz hatte gerade das neue Buch „Ihre Namen werden bleiben“ in eindrucksvollen Worten vorgestellt, viele Interessenten folgten den Ausführungen. Pertz hatte mit Ingrid Sönnert, seiner Meckenheimer Kollegin, diese Ausarbeitung über das Leben und die Friedhöfe der Juden in den beiden Nachbarstädten verfasst, am Dienstagabend musste sich die Historikerin aber aus Krankheitsgründen entschuldigen, so dass der Rheinbacher Autor nun beide Parts übernahm. Auf einer Medaille des jüdischen Staates von 2003 ist das „Remember… Never Forget“ eingraviert, und dieses Erinnern gab Pertz allen Zuhörern am Ende seines anschaulichen Vortrags mit auf den Weg. Die Gedenkmünze erinnert an Selmchen Rolef aus Rheinbach, die von den Nazis deportiert und in Minsk 1942 ermordet wurde. Sie lebten hier, trieben Handel, hatten Geschäfte, engagierten sich in der Politik, waren Nachbarn und Freunde - und die Juden in den beiden Städten Rheinbach und Meckenheim waren dennoch wie ihre Glaubensfreunde in anderen Städten Spielball der Mächtigen, wurden beneidet und verfolgt, schließlich von den Nazis zum Verlassen des Landes getrieben oder ermordet.

Die Geschichte der Juden

Dietmar Pertz schilderte in deutlichen Worten die Geschichte der Juden vom Mittelalter bis heute. In Meckenheim ist jüdisches Leben erstmals im 16. Jahrhundert belegt. 1608 hat Ingrid Sönnert in Akten entdeckt, dass „in der Herrligkeit Meckenheim untergesessenen Judden Hirzten und Levi“ sich über ihre christlichen Nachbarn beschwerten. Das Urteil: Bei weiteren Streitereien habe der Schuldige 25 Goldgulden zu zahlen, der Jude jedoch habe „den Flecken zu räumen“. Ihm wurde der Geleitbrief entzogen, ein Papier, für das der Jude an seinen Fürsten zahlen musste, um sich überhaupt in dessen Gebiet aufhalten zu können. „Schon damals gab es eine Judenverfolgung, da spielte der Aberglaube eine Rolle, die Juden würden andere Menschen vergiften, der wirtschaftliche Konkurrenzgedanke stand aber im Vordergrund“, berichtete Pertz. Der König hatte das Recht über die Juden, die wiederum durften für ihre Geldgeschäfte 15 bis 25 Prozent Zinsen berechnen. Für den Fürsten ein lohnendes Geschäft, da er bei den Juden abkassierte.

Die Geschichte der Region

Die Juden zog es immer mehr in die Städte. Ihre Geschichte ist auch die Geschichte der ganzen Region und findet sich in dem lesenswerten Buch wieder. Der Leser erfährt mehr über die Erstürmung Rheinbachs durch den Prinzen von Nassau 1673, die Auswirkungen der französischen Besetzung im 18. Jahrhundert, die wechselhaften Herrscherverhältnisse, Judenpolitik, ihre Ausbeutung, und, und, und. 1345 wurde der erste Jude in Rheinbach aktenkundig. Der Amtmann bestimmt: „Zur Unterstützung seiner Bautätigkeit gibt der Erzbischof dem Probst den in Rheinbach ansässigen Juden Joseph von Ahrweiler mit Weib und Gesinde, damit er dort unter erzbischöflichem Schutz und Geleit sein Vermögen zum Besten des Erzstifts vermehre. Außer diesem Joseph darf der Probst keine weiteren Juden halten.“ Nicht gerade eine Hochschätzung des Joseph von Ahrweiler, vielmehr wurde der Jude geduldet, um mit seinem Fleiß und seiner Geschäftstüchtigkeit den Beutel der Kirche zu füllen. Das Auf und Ab der jüdischen Gemeinden in den beiden Städten ließ Dietmar Pertz Revue passieren. Er sprach einzelne Juden an, die sich in den Orten ansiedelten, berichtete von dem großen Brand in Rheinbach, der 1942 auch die Synagoge zerstörte. Schließlich mündete der zunehmende Antisemitismus im schrecklichen Holocaust. 1933 wurden die Juden aus dem öffentlichen Dienst verbannt, es folgten die Entjudung der Wirtschaft, schließlich endete die Verfolgung in Deportation und Ermordung. Pertz ging in seinem Vortrag auf diesen schrecklichen Abschnitt jüdischer Geschichte in Rheinbach und Meckenheim nicht so detailliert ein, da es einige andere Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt und er auch nicht im Mittelpunkt des aktuellen Buches stehe.

Kontakt zu den Überlebenden in aller Welt

Nach dem Krieg nahm Meckenheim Kontakt zu den Überlebenden in aller Welt auf, es kam zu sehr emotionalen Treffen in der Stadt. Die Friedhöfe wurden zu Gedenkstätten, die teilweise abtransportierten Steine wurden wieder aufgestellt. In Meckenheim an der Dechant-Kreiten-Straße sowie in Rheinbach an der Bahn und in Ipplendorf erinnern die jüdischen Friedhöfe an die ehemals hier lebenden Gemeinden und ihren Untergang. Weitere Mahnmale kamen hinzu, so in Rheinbach an der Schweigelstraße und im Rathausinnenhof. Wer mehr über die Geschichte der Juden in seiner Heimat erfahren will, findet die vom Rhein-Sieg-Kreis unterstützte Publikation in allen Buchhandlungen der Region oder bei den Stadtarchiven. Wer das Buch aufschlägt, vertieft sich auf knapp 200 Seiten schnell in eine umfangreiche Chronologie des jüdischen Lebens, zudem gibt es viele Reproduktionen historischer Bilder, Skizzen und Pläne, zudem sehr anschauliche Beschreibungen der noch vorhandenen Grabsteine.

Rheinbachs Stadtarchivar Dietmar Pertz präsentiert das Buch und schildert viele Ereignisse aus der Zeit jüdischen Lebens in Rheinbach und Meckenheim.

Rheinbachs Stadtarchivar Dietmar Pertz präsentiert das Buch und schildert viele Ereignisse aus der Zeit jüdischen Lebens in Rheinbach und Meckenheim.

Idyllisch liegt der jüdische Friedhof in Meckenheim an der Dechant-Kreiten-Straße. Dort stehen sehr gut erhaltene und nicht lesbare Stein. Fotos: WM

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Karl Frings: Mit ihrer Gegendarstellung schildern sie in bemerkenswerter Weise, womit sich die Gemeinde nach ihrem Zuzug 2009 alles beschäftigen musste. Letztendlich nur um Ihr Ziel, die Beseitigung, der Linde zu erreichen.
  • Matthias Klinkner: Unsere Jubiläumsveranstaltung konnte mit einer Rekordanzahl an Finishern (1.351 in allen Läufen) abschließen; auch Dank Eures erneuten Einsatzes. Ich wünsche weiterhin sportlichen Erfolg.

Kolping-Auszeit im Vogelsbergdorf in Herbstein

  • Michael X: Das Titelbild ist sehr interessant. Wer hat es auf den Kopf gestellt?
Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Anzeige Muttertag
Stellenanzeige Schneiderin
Maikirmes in Grafschaft-Oeverich, 14. – 18.05.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Empfohlene Artikel
Symbolbild.  Foto: ROB
22

Meckenheim/Region. In den vergangenen Tagen registrierte die Polizei drei Fälle betrügerischer Spendensammlungen. Die bislang unbekannten Täter sprachen auf Parkplätzen vor Supermärkten gezielt Passanten an, um unter einem Vorwand Geld zu erlangen. Dabei gaben sie an, Spenden für soziale Einrichtungen oder persönliche Notlagen zu sammeln.

Weiterlesen

Symbolbild.
22

Bonn. Die Eröffnung des Freibads Rüngsdorf verzögert sich um einige Tage, da noch ausstehende Wasserproben im Panoramabad Rüngsdorf erforderlich sind. Erst nach der Freigabe der Becken kann die Badesaison am Donnerstag, dem 21. Mai 2026, beginnen. Ursprünglich war die Eröffnung für Montag, den 18. Mai, vorgesehen. Die weiteren Freibäder in der Region behalten ihre geplanten Eröffnungstermine bei:...

Weiterlesen

Symbolbild.
236

Die dritte Maiwoche bringt Bewegung in viele Lebensbereiche. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und mit dem nahenden Sommer wächst bei vielen der Wunsch nach Veränderung, Leichtigkeit und neuen Impulsen. Während einige Sternzeichen neuen Schwung in der Liebe erleben, müssen andere Geduld beweisen oder alte Themen klären. Auch beruflich stehen wichtige Entscheidungen an. Kleine Erfolge sorgen für Motivation, gleichzeitig verlangen manche Situationen einen kühlen Kopf.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die neuen Mülleimer in der Göbelstraße.
7

Allgemeine Berichte

Mayen erstrahlt in neuem Glanz

Mayen. In der Stadt Mayen schreitet die Verschönerung und Vereinheitlichung des Stadtbildes weiter voran. Ein bedeutender Fortschritt wurde kürzlich erzielt: Im Rahmen des Bundesförderprogramms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ sind die Mülleimer im gesamten Stadtgebiet ausgetauscht worden. Die neue Ausstattung verleiht der Innenstadt nicht nur ein moderneres und einheitlicheres Erscheinungsbild, sondern sorgt auch für eine spürbare Verbesserung der Sauberkeit und Aufenthaltsqualität.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: privat
592

Das „Vatertags-Bier“ scheint nicht jedem bekommen zu sein...

14.05: Eskalation an Vatertag: Streit, Schläge und Verletzungen

Region. Am Donnerstag, dem 14. Mai, fanden anlässlich des Vatertags zahlreiche Veranstaltungen statt, so auch im Kreis Euskirchen. Im Tagesverlauf sowie in den Abendstunden kam es dabei zu mehreren körperlichen Auseinandersetzungen.

Weiterlesen

So soll das Flut-Denkmal in Bad Neuenahr-Ahrweiler aussehen. Foto: privat
194

Weder sei die Finanzierung sichergestellt, noch sei die Einreichung notwendiger Genehmigungsanträge nachgewiesen worden.

Flutopfer-Denkmal: Laut Stadt hält Verein Zusagen nicht ein

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Irritiert reagiert die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler auf jüngste Presseberichte zum Projekt „DenkAHR“, das als Anlauf- und Gedenkstelle für Flutbetroffene durch den Verein DenkAHR e.V. umgesetzt werden soll. In der Presse ließ sich der Initiator des Projektes Jochen E. Diedenhofen mit der Aussage zitieren, er erwarte von Seiten der Verwaltung die Freigabe und die für die Realisierung des Projektes erforderlichen Unterlagen.

Weiterlesen

Wir helfen im Trauerfall
Dauerauftrag 2026
Werksverkauf Anhausen
Anzeige Uhren Vintage
Imageanzeige
Kooperationsgeschäft - Anzeige Muttertag
Maikirmes in Grafschaft-Oeverich, 14. – 18.05.26
Stellenanzeige  Sozialverwaltung / Bauverwaltung
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Anlagenmechaniker
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Anzeige Filiale Andernach
Angebotsanzeige + PR (Mai 2026)
Media-Auftrag 2026/27
Sommernacht im Pfarrhof Dieblich
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#