Dokumentation zur Geschichte der Meckenheimer und Rheinbacher Juden
Ihre Namen werden bleiben
Dietmar Pertz stellt im Himmeroder Hof zahlreichen Interessenten das neue Buch vor
Rheinbach/Meckenheim. „Remember… Never Forget“ - Diese Aufforderung, „Erinnere Dich, vergiss niemals“, stand im Raum. Rheinbach Stadtarchivar Dietmar Pertz hatte gerade das neue Buch „Ihre Namen werden bleiben“ in eindrucksvollen Worten vorgestellt, viele Interessenten folgten den Ausführungen. Pertz hatte mit Ingrid Sönnert, seiner Meckenheimer Kollegin, diese Ausarbeitung über das Leben und die Friedhöfe der Juden in den beiden Nachbarstädten verfasst, am Dienstagabend musste sich die Historikerin aber aus Krankheitsgründen entschuldigen, so dass der Rheinbacher Autor nun beide Parts übernahm. Auf einer Medaille des jüdischen Staates von 2003 ist das „Remember… Never Forget“ eingraviert, und dieses Erinnern gab Pertz allen Zuhörern am Ende seines anschaulichen Vortrags mit auf den Weg. Die Gedenkmünze erinnert an Selmchen Rolef aus Rheinbach, die von den Nazis deportiert und in Minsk 1942 ermordet wurde. Sie lebten hier, trieben Handel, hatten Geschäfte, engagierten sich in der Politik, waren Nachbarn und Freunde - und die Juden in den beiden Städten Rheinbach und Meckenheim waren dennoch wie ihre Glaubensfreunde in anderen Städten Spielball der Mächtigen, wurden beneidet und verfolgt, schließlich von den Nazis zum Verlassen des Landes getrieben oder ermordet.
Die Geschichte der Juden
Dietmar Pertz schilderte in deutlichen Worten die Geschichte der Juden vom Mittelalter bis heute. In Meckenheim ist jüdisches Leben erstmals im 16. Jahrhundert belegt. 1608 hat Ingrid Sönnert in Akten entdeckt, dass „in der Herrligkeit Meckenheim untergesessenen Judden Hirzten und Levi“ sich über ihre christlichen Nachbarn beschwerten. Das Urteil: Bei weiteren Streitereien habe der Schuldige 25 Goldgulden zu zahlen, der Jude jedoch habe „den Flecken zu räumen“. Ihm wurde der Geleitbrief entzogen, ein Papier, für das der Jude an seinen Fürsten zahlen musste, um sich überhaupt in dessen Gebiet aufhalten zu können. „Schon damals gab es eine Judenverfolgung, da spielte der Aberglaube eine Rolle, die Juden würden andere Menschen vergiften, der wirtschaftliche Konkurrenzgedanke stand aber im Vordergrund“, berichtete Pertz. Der König hatte das Recht über die Juden, die wiederum durften für ihre Geldgeschäfte 15 bis 25 Prozent Zinsen berechnen. Für den Fürsten ein lohnendes Geschäft, da er bei den Juden abkassierte.
Die Geschichte der Region
Die Juden zog es immer mehr in die Städte. Ihre Geschichte ist auch die Geschichte der ganzen Region und findet sich in dem lesenswerten Buch wieder. Der Leser erfährt mehr über die Erstürmung Rheinbachs durch den Prinzen von Nassau 1673, die Auswirkungen der französischen Besetzung im 18. Jahrhundert, die wechselhaften Herrscherverhältnisse, Judenpolitik, ihre Ausbeutung, und, und, und. 1345 wurde der erste Jude in Rheinbach aktenkundig. Der Amtmann bestimmt: „Zur Unterstützung seiner Bautätigkeit gibt der Erzbischof dem Probst den in Rheinbach ansässigen Juden Joseph von Ahrweiler mit Weib und Gesinde, damit er dort unter erzbischöflichem Schutz und Geleit sein Vermögen zum Besten des Erzstifts vermehre. Außer diesem Joseph darf der Probst keine weiteren Juden halten.“ Nicht gerade eine Hochschätzung des Joseph von Ahrweiler, vielmehr wurde der Jude geduldet, um mit seinem Fleiß und seiner Geschäftstüchtigkeit den Beutel der Kirche zu füllen. Das Auf und Ab der jüdischen Gemeinden in den beiden Städten ließ Dietmar Pertz Revue passieren. Er sprach einzelne Juden an, die sich in den Orten ansiedelten, berichtete von dem großen Brand in Rheinbach, der 1942 auch die Synagoge zerstörte. Schließlich mündete der zunehmende Antisemitismus im schrecklichen Holocaust. 1933 wurden die Juden aus dem öffentlichen Dienst verbannt, es folgten die Entjudung der Wirtschaft, schließlich endete die Verfolgung in Deportation und Ermordung. Pertz ging in seinem Vortrag auf diesen schrecklichen Abschnitt jüdischer Geschichte in Rheinbach und Meckenheim nicht so detailliert ein, da es einige andere Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt und er auch nicht im Mittelpunkt des aktuellen Buches stehe.
Kontakt zu den Überlebenden in aller Welt
Nach dem Krieg nahm Meckenheim Kontakt zu den Überlebenden in aller Welt auf, es kam zu sehr emotionalen Treffen in der Stadt. Die Friedhöfe wurden zu Gedenkstätten, die teilweise abtransportierten Steine wurden wieder aufgestellt. In Meckenheim an der Dechant-Kreiten-Straße sowie in Rheinbach an der Bahn und in Ipplendorf erinnern die jüdischen Friedhöfe an die ehemals hier lebenden Gemeinden und ihren Untergang. Weitere Mahnmale kamen hinzu, so in Rheinbach an der Schweigelstraße und im Rathausinnenhof. Wer mehr über die Geschichte der Juden in seiner Heimat erfahren will, findet die vom Rhein-Sieg-Kreis unterstützte Publikation in allen Buchhandlungen der Region oder bei den Stadtarchiven. Wer das Buch aufschlägt, vertieft sich auf knapp 200 Seiten schnell in eine umfangreiche Chronologie des jüdischen Lebens, zudem gibt es viele Reproduktionen historischer Bilder, Skizzen und Pläne, zudem sehr anschauliche Beschreibungen der noch vorhandenen Grabsteine.
Rheinbachs Stadtarchivar Dietmar Pertz präsentiert das Buch und schildert viele Ereignisse aus der Zeit jüdischen Lebens in Rheinbach und Meckenheim.
