„Privathaushalte können Bienensterben nicht stoppen“
Leserbrief zum Artikel „Bienen füttern“, Blick aktuell, Nr. 17/2014, Seite 4
Zurzeit hört und liest man immer mal wieder Berichte vom Bienensterben, so wie auch in „Blick aktuell“ 17/2014. Dort wird zum aktiven Bienenschutz aufgerufen.
Eigentlich eine gute Sache, nur besteht aktiver Bienenschutz nicht nur in der Anpflanzung bienenfreundlicher Pflanzen durch Privatpersonen. Wie wäre es, endlich die massenhafte Verbreitung von Bienengiften in der modernen Landwirtschaft (Monokulturen) europaweit zu verhindern? Verboten sind diese Gifte ja schon, nur gibt es in den letzten Jahren einen deutlichen Zuwachs an „Notfallsituationszulassungen“.
Das Bienensterben betrifft fast ausschließlich die besonders wichtigen Wildbienen, die mit den Monokulturen überhaupt nicht zurecht kommen und nicht die in Ihrem Artikel erwähnten „Nutzbienen“. 90 Prozent der Blüten und Pflanzen werden durch die Wildbienen bestäubt, doch schon seit Jahrzehnten wird von Politik und Imkern versucht, diese durch Zuchtbienen zu ersetzen. Zuchtbienen (Apis Mellifera Carnica) waren schon vor dem Zweiten Weltkrieg als „leistungsfähig“ eingestuft und bringen Imkern mehr Profit.
Zudem ist es schon ziemlich perfide, auf der einen Seite den Appell „Bienen füttern“ an Privatgartenbesitzer zu richten, auf der anderen Seite die Bienen aus Profitgründen aber oft des gesamten Honigs zu berauben, um sie nachher mit billigem Zuckerwasser abzuspeisen.
Es bleibt zu hoffen, dass Politik (kompletter Verzicht auf Bienengifte), Imker (keine Zuchtbienen mehr) und die Agrarwirtschaft (zurück zur ökologischen Landwirtschaft) ihre Hausaufgaben machen und nicht immer nur an ihren eigenen kurzfristigen Profit zu denken. Privathaushalte und eine „App“ können dieses enorm wichtige Problem sicher nicht lösen. Schuld am Bienensterben sind sicher nicht die Privathaushalte und auch nicht der Klimawandel, schuld sind allein die Profitgier der chemischen Industrie und das jahrzehntelange Fehlverhalten der Imker.
Christian Klischies,
Meckenheim
