Frauen-Union Meckenheim spürte bei einem Rundgang durch Bonn dem Frauenleben früherer Zeiten nach
Von den „Matronen“ zu den Müttern der Verfassung
Meckenheim/Bonn. „Matrone“ ist heute kein Kompliment, aber in vorchristlicher Zeit stellten sich die Menschen unter diesem Begriff Göttinnen vor, von denen sie Schutz und Fruchtbarkeit erflehten. Unter dem Bonner Münster sind 50 Steine gefunden worden, auf denen zumeist ein Frauentrio dargestellt ist. „Auch zu Hause hatten die Menschen früher Altäre, die den Matronen gewidmet waren“, erklärte Dr. Susanne Wilking den Teilnehmerinnen einer Führung „auf den Spuren der Bonnerinnen“, zu der die Frauen-Union Meckenheim eingeladen hatte. An vier Stationen - dem Münster, der Remigiuskirche, im Hofgarten und am Alten Zoll - erläuterte die Historikerin von der Arbeitsgemeinschaft Frauengeschichte exemplarisch, wie Frauen in der Region früher lebten.
Im Mittelalter waren die Beginen, ein Laienstift für Frauen, in Bonn in sechs Konventen vertreten. Sie verstanden sich als unabhängige religiöse Gemeinschaft, lebten zölibatär, waren aber trotz ihrer Tracht keine Nonnen. Anfangs stammten sie eher aus wohlhabenden Schichten, später nahmen sie auch Frauen aus Handwerker- und Bauernfamilien auf. „Wichtig war, dass die Frauen etwas mitbrachten, sei es Geld, seien es handwerkliche Fähigkeiten.“ Da die Beginen unabhängig lebten, waren sie der Kirche mitunter ein Dorn im Auge. Ende des 14. Jahrhunderts wurden die Konvente aufgelöst.
Vor der Universität berichtete die Referentin über die „Bonner Gebäranstalt“, die 1820 dort in der zweiten Etage eingerichtet wurde. „Bis dahin war alles, was mit Geburt zusammenhing, Frauensache“, so Dr. Wilking. Sehr zum Missfallen der Hebammen, die bis dahin städtisch organisiert und hoch angesehen waren, griffen nun die männlichen Ärzte ein. Hintergrund war die hohe Säuglingssterblichkeit, allerdings wurde das in der „Gebäranstalt“ nur sehr allmählich besser. In einer Unterlage von 1830 findet sich der Hinweis, dass lediglich bei 8 von 16 Geburten Mutter und Kind beide überlebt hatten. Die ersten Patientinnen in der „Gebäranstalt“ waren sogenannte „gefallene“ Mädchen, die auf kostenlose Geburtshilfe angewiesen waren.
Dass die Beueler Wäscherinnen die Erfinderinnen der Weiberfastnacht waren, erfuhren die Frauen am Alten Zoll beim Blick auf die andere Rheinseite. „Im 19. Jahrhundert gab es dort über 40 Wäschereibetriebe“, erklärte Susanne Wilking. Die Arbeit war hart, jedoch verhalf sie den Frauen zu Selbstbewusstsein. Ihre Männer holten und lieferten die Wäsche - und trugen mitunter den Lohn in die Kneipe, ein Thema, das die Wäscherinnen in ihren Karnevalssitzungen „in der Bütt“ aufgriffen.
Der letzte Teil der Führung war den Müttern des Grundgesetzes gewidmet, jenen vier Frauen, die teils mit erheblichem Druck dafür sorgten, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Anne Viehmann, Vorstandsmitglied der Frauen-Union Meckenheim, fasste zusammen: „Frauen mussten und müssen wirklich zusammenhalten, damit sie weiterkommen.“
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