Hans Astor stellte seinen neuen Krimi „Blutige Gleise“ in Form einer "lebendigen" Lesung vor
Dem brutalen Serientäter auf der Spur
Mendig/Brohltal. Nachdem zahlreiche Krimifans gespannt auf das neueste Werk des Mendiger Autors Hans Astor gewartet hatten, stellte dieser kürzlich den historischen Eifelkrimi „Blutige Gleise“ in Form einer Lesung der besonderen Art vor. Zum Auftakt der 20. Mendiger Musik- und Kulturtage „Ars Vulcanica“ erlebten an diesem Abend etwa 120 Mitreisende eine Fahrt mit dem Vulkan-Express von Niederzissen über Oberzissen zum Bahnhof Engeln, die sie sicher nicht so schnell wieder vergessen werden.
Spannende Reise ins Wilhelminische Zeitalter
Ebenso wie bei „Felsen, Bier und Spekulanten“ werden die Leser auch in dem siebenten Buch von Hans Astor wieder in das Wilhelminische Zeitalter entführt, in dem sie auch einigen Protagonisten aus diesem nicht weniger spannenden Krimi begegnen. In diesem Zusammenhang sei jedoch erwähnt, dass es sich bei „Blutige Gleise“ nicht etwa um eine Fortsetzung von "Felsen, Bier und Spekulanten" handelt, sondern um einen in sich geschlossenen historischen Eifelkrimi.
Zum Inhalt des Buches: Nur selten waren die Zeiten im preußischen Rheinland so unruhig wie in den Tagen des Jahres 1878. Ein brutaler Serientäter hält die Gemüter der Bevölkerung in Atem, da entlang der Trasse der rheinischen Eisenbahnstrecke einige „Frauenzimmer“ durch die Hand eines geheimnisvollen Mörders zu Tode kommen. Während die Opfer immer wieder auf die gleiche bestialische Art regelrecht abgeschlachtet werden, finden die Ermittler keine Hinweise, die sie auf die Spur des blutrünstigen Täters führen könnten. Die preußische „Criminaldirektion“ in „Coblenz“ gerät in arge Bedrängnis, da die Gazetten bereits unverhohlen die Fähigkeiten der „Criminalbeamten“ anzweifeln. Die Lage scheint aussichtslos. Aber irgendwann macht auch der gewiefteste Verbrecher seinen ersten entscheidenden Fehler - und schon wendet sich das Blatt. Selbstverständlich standen Mord und Totschlag auch im Focus der lebendigen Lesung, wobei als Ort des Geschehens die romantische Strecke der Brohltal Eisenbahn ausgewählt wurde - denn wo könnte man die Wilhelminische Zeit besser aufleben lassen als auf dieser historischen Schmalspurstrecke?
Nachdem die Teilnehmer der Veranstaltung noch nichts Böses ahnend um 19 Uhr am Bahnhof in Niederzissen den Zug bestiegen hatten, verzögerte sich die Abfahrt um wenige Minuten. Hans Astor informierte die erstaunten Reisenden dahin gehend, dass noch zwei Beamte der preußischen Kriminalkommission zusteigen würden. Nach einer kurzen Bahnfahrt wurde der Grund für die Verzögerung der Abfahrt am nächsten Bahnhof in Oberzissen deutlich. Auf den Gleisen lag eine weibliche Leiche (Anne Dernbach), die zwar sehr dekorativ in ihrem Blut auf den Gleisen lag, dabei jedoch bei näherem Hinschauen erschreckend „echt“ aussah. Hier waren bereits die beiden Gendarmen (Frank Neideck und Thomas Paulsen) vor Ort, um gemeinsam mit Kommissar Roth (Nazif Selcuk) und Inspektor Frieder Meyner (Sebastian Kaiser) den Tatort nach Beweisstücken abzusuchen. Derweil warteten die Reisenden ungeduldig darauf, ihre Fahrt zum Bahnhof Engeln fortsetzen zu dürfen. Diese wurde allerdings durch diverse Vernehmungen verdächtiger Personen und Passkontrollen, die von Kommissar Roth und Inspektor Meyner akribisch durchgeführt wurden, erschwert.
Anika Reuter lockerte die Stimmung musikalisch auf
Am Bahnhof Engeln angekommen, fühlte sich bereits jeder Mitreisende in die Wilhelminische Gründerzeit zurückversetzt und befand sich somit inmitten der Handlung von „Blutige Gleise“. Während Hans Astor - wie bereits an den Bahnhöfen Niederzissen und Oberzissen - auch hier wieder einige Passagen aus seinem Buch vorlas und damit das gespannte Publikum in Atem hielt, wurde die Stimmung durch die hinreißende musikalische Darbietung („Kriminal Tango“, „Mecky Messer“) der Mendiger Mezzosopranistin Anita Reuter zunächst ein wenig aufgelockert. Umso gruseliger muteten die mitunter makabren Szenen an, die - wenn auch mit einem Augenzwinkern - von einigen bekannten Personen aus Mendig, die bereits an einigen „lebendigen“ Buchvorstellung von Hans Astor mitgewirkt hatten, überzeugend gespielt wurden. Ob es sich dabei um den pfiffigen Pastor aus Wehr (Pastor Ralf Birkenheier aus Mendig) handelte, der dem ermittelnden Inspektor von Trepken (Nico Junglas) nicht nur Interessantes zu berichten wusste, sondern dem „Piefke“ aus Berlin auch „eine gehörige Lektion in rheinischer Trinkkultur“ erteilte, oder um die ebenfalls ermittelnden Beamten, Commissar Roth und Inspektor Meyner, die vor lauter Eifer gar nicht merkten, dass sie mit einem äußerst tatverdächtigen Mörder (René Krämer) an einem Tisch saßen.
Eine derart spannende und gleichzeitig unterhaltsame Buchvorstellung wie von „Blutige Gleise“ dürfte für viele Zuschauer ein wohl einmaliges Erlebnis gewesen sein. Diese Meinung vertraten auch der erste Beigeordnete der VG Mendig, Joachim Plitzko, und der erste Beigeordnete der VG Brohltal, Richard Keuler, die sich mit je einem Grußwort bei dem Autor Hans Astor für den kurzweiligen Abend bedankten. Auch die Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil hatte es sich nicht nehmen lassen, an der Buchvorstellung teilzunehmen, zumal das Brohltal zu ihrem Wahlkreis zählt. „Es hat mir richtig Spaß gemacht, das neueste Werk von Hans Astor zu lesen“, so die in Andernach wohnende Politikerin.
Verleger Arnd Spitzlei (Görres-Druckerei und Verlag GmbH) versprach den Hans-Astor-Fans, dass der Autor bereits an einem neuen Buch arbeite, welches nicht mehr allzu lange auf sein Erscheinen warten werde.
Der Mendiger Autor Hans Astor stimmte die 120 Mitreisenden bereits am Niederzissener Bahnhof auf die Handlung von „Blutige Gleise“ ein.
Bereits nach wenigen Minuten mussten die Fahrgäste am Oberzissener Bahnhof wieder aussteigen, da auf den Gleisen eine weibliche Leiche lag.
Der Dorfpfarrer gab dem Berliner Kommissar nicht nur gute Tipps, sondern erteilte ihm auch „eine gehörige Lektion in rheinischer Trinkkultur“.
