Vortrag „Alkohol im Jugendalter“ in der Realschule Plus in Mendig.
„Eltern haben großen Einfluss auf den Alkoholkonsum ihrer Kinder“
Erziehende sollen Kinder ernst nehmen und mit ihnen im Gespräch bleiben
Mendig. Zum Vortrag „Alkohol im Jugendalter“ begrüßte Rektor Christian Waters interessierte Eltern und Fachkräfte in der Realschule Plus in Mendig. Caritas-Mitarbeiterin Natalie Pauls von der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle für Abhängige in Mayen, verdeutlichte gleich zu Beginn, dass das Thema Sucht junge und ältere Menschen gleichermaßen betrifft: „Im Jahr 2013 waren in unserer Beratungsstelle 63 Prozent der Klienten zwischen 40 und 60 Jahre alt.“ Schulsozialarbeiterin Beate Ternes, Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr , hatte den Abend in Kooperation mit der Realschule plus und Fachoberschule und der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz organisiert und dankte Kreisjugendpfleger Reinhard Dinges, der Dr. Hans-Jürgen Hallmann, Koordinator der Suchtvorbeugung NRW bei der Ginko Stiftung für Prävention in Mülheim an der Ruhr, für diesen Abend gewonnen hatte. Fachwissen, Augenmaß und Humor zeichneten den Vortragenden aus, der auch Begriffe wie „Koma saufen“ kritisch unter die Lupe nahm: „Den Begriff hat der Spiegel erfunden. Die Jugendlichen wollen natürlich nicht im Krankenhaus landen.“ Auch räumte er mit dem Vorurteil auf, Jugendliche seien die exzessivsten Trinker, finden sich unter den 50 bis 60-Jährigen doch die meisten Menschen mit Alkoholproblemen. Tatsächlich hat die Statistische Bundeszentrale festgestellt, dass der Alkoholkonsum unter Jugendlichen eher abnimmt. Jedoch wird das exzessive Trinken bestimmter Gruppen immer sichtbarer. Diese negativen Beispiele und eine aggressive Alkoholwerbung können Kinder verführen. Vor allem Jugendliche in der Pubertät sind gefährdet. Sie genießen das Gruppenerlebnis und wollen mithalten. Dr. Hans-Jürgen Hallmann: „Alkohol senkt die Hemmschwelle, riskante Verhaltensweisen werden ausgelebt. Nach der Pubertät hört das wieder auf. Aber wenn Alkohol als Bewältigungsstrategie eingesetzt wird, also das Erleben des Feierns als Entlastung, besteht die Gefahr, in die Sucht hineingezogen zu werden.“ Menschen dieses Alters besitzen noch nicht die zum Alkoholabbau nötigen Enzyme. Seelische und körperliche Schädigungen können die Folge sein. „Kinder und Jugendliche vertragen Alkohol schlecht.
Je früher Alkohol getrunken wird, desto größer ist die Gefahr von Alkoholproblemen. Mit dem Konsum sollte so spät wie möglich begonnen werden“, betonte der Referent, der im Weiteren den großen Einfluss der Eltern auf das Trinkverhalten ihrer Kinder hervorhob: „Unser Einfluss ist größer, als wir denken. Sie haben Einfluss und ihre Kinder hören auf sie.“ Eltern sollten Interesse zeigen, was ihr Kind in der Freizeit tut und wo es hingeht.
Gleichgültigkeit ist Gift für die kindliche Seele. Hans-Jürgen Hallmann: „Es geht auch darum, dass Eltern Grenzen aufzeigen. Ohne Grenzen sagt sich das Kind, ist doch eh egal, keiner interessiert sich für mich. Natürlich wird gegen die Regeln verstoßen, aber Regeln sind wichtig. Vertrauen sie ihrem Kind und halten sie sich grundsätzlich gesprächsbereit. Es muss normal sein, sich zu unterhalten. Die Kinder besitzen Stärken, ihre Probleme selbst zu lösen. Aber manchmal, wenn sie irgendwas hindert, brauchen sie einen Ansporn.“ Wichtig sei es auch, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern was unternehmen, etwa Kino, Sport oder Abenteuer. Bei regelmäßigem Alkoholmissbrauch sollten die Eltern Unterstützung suchen, riet der Referent. Kommt ein Kind alkoholisiert nach Hause, ist seine Gesundheit wichtiger als das Gespräch. Ein verständnisvolles Gespräch sollte erst am nächsten Morgen erfolgen, wenn das Kind seinen Rausch ausgeschlafen hat. Bei dieser Unterredung sollten alle Beteiligten Ruhe und Zeit mitbringen. „Machen sie ihrem Kind die Grenzen klar“, so Dr. Hallmann, der außerdem empfahl: „Geht ihr Kind angemessen und verantwortungsvoll mit Alkohol um, ist eine Belohnung fällig.“ In jedem Fall ist es wichtig, Kinder ernst zu nehmen und auch über das eigene Glas Wein mit ihnen zu sprechen.
Ein realistischer Vortrag, der aufzeigte, wie Eltern und Erzieher angemessen auf jugendlichen Alkoholkonsum reagieren. Schließlich sprach Dr. Hans-Jürgen Hallmann als Wissenschaftler und als wissender Familienvater.
