Evangelische Kirchengemeinde Mendig feierte Gemeindefest
Gute Laune trotzt schlechtem Wetter
Mendig. Leider war es vom Wetter her der erste richtige Herbsttag, Nieselregen, kühl und ungewohnt trübe. Doch die Besucher des Gemeindefestes ließen sich nicht davon abhalten, gemeinsam ein abwechslungsreiches Programm unter dem Motto „Viele Wege führen nach Mendig“ zu genießen. Bereits kurz nach dem Festgottesdienst, bei dem die Kirche wieder einmal viel zu klein war, spielte die Schützenkapelle Mendig auf. Unterm Zeltdach im Freien saßen die Musiker zwar im Trockenen, es war aber ungemütlich kalt. Die meisten Finger wurden jedoch durch das lebendige, leidenschaftliche Spiel erwärmt, so wie auch die Herzen der Zuhörer. Diese stärkten sich durch kräftige Speisen und Getränke, unter anderem wurden leckere russische Schaschlik-Fleischspieße auf dem Grill zubereitet. An der Kirche waren Stände der Frauenhilfe und der Kindernothilfe aufgebaut. Die Frauenhilfe der evangelischen Kirche bot Wein und Sekt an und sammelte für Kinder der Flutopfer vom Sommer-Hochwasser. Jürgen Klaus machte auf die Arbeit der Kindernothilfe aufmerksam und verkaufte für den guten Zweck dekorative von ihm selbst hergestellte Futter- und Bruthäuschen für Vögel und Insekten. Das Kinderprogramm litt am meisten unter dem Wetter, es musste in die Jugendräume des Gemeindehauses verlegt werden. Einzig die kleine Hüpf- und Rutschburg der Pfadfinder Mendig konnte zeitweise vor dem Gemeindehaus genutzt werden. Der MGV Mendig brachte im Gemeindehaus einen kurzen Ausschnitt seiner schönsten geselligen Lieder dar. Das Mendiger Steinmetzlied durfte natürlich nicht fehlen. Darüber freuten sich nicht nur Verbandsbürgermeister Jörg Lempertz und die Beigeordneten der Stadt Mendig, viele der Zuhörer spürten darin die Verbundenheit zu ihrer Heimat, bzw. oft auch neuen Heimat. Denn die meisten der evangelischen Gemeindemitglieder sind irgendwann zugezogen. In seiner Predigt hatte Pfarrer Beetschen bereits ausgeführt, dass die Gemeinde durch die Herrenhuter Brauer im 19. Jh. gegründet wurde. Im 20. Jh. kamen zunächst die im Zweiten Weltkrieg vertriebenen Familien, dann die Familien der Bundeswehrsoldaten und später die Aussiedler hinzu. Heute sind von den ca. 1.800 Evangelischen in Mendig etwa ein Drittel über die Bundeswehr und ein Drittel als Spätaussiedler gekommen, der Rest hat auf andere Weise den Weg nach Mendig gefunden. Der Festvortrag von Wolfgang Palm „Geschichte der Aussiedler von den Anfängen bis heute“ befasste sich mit den Wegen der Deutschen von der Auswanderung in den Osten zur Zeit Katharinas der Großen bis zur Rückwanderungswelle nach Wegfall des Eisernen Vorhangs. Viele der Zuhörer konnten Teile ihres eigenen Schicksals entdecken. Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag in der Kirche von den Geschwistern Schlaf, die an Keyboard und Saxofon das ererbte Talent ihres Vaters unter Beweis stellten. Zwei weitere musikalische Programmpunkte unterhielten die Kaffeegäste im Gemeindehaus. Das Vocalensemble BelCanto Mendig e.V. machte das Publikum neugierig auf sein kommendes Konzert am 29. September „Melodien der Welt“. „Tea fort, wo“ aus England, Zucker und Kaffee aus Deutschland, Mitternachtsblues für alle Wanderer und als Zugabe lud, der Chor „Über den Wolken“ zur Reise ein, die Zuhörer waren begeistert. Der Mandolinenclub Wanderlust setzte einen beschwingten Schlusspunkt unter das abwechslungsreiche Programm. Lieder aus Russland und Italien machten die Sehnsucht nach der weiten Welt perfekt. Sicher waren jetzt alle Heimat- und auch Fernwehgefühle geweckt. Beseelt von der Musik, den anregenden Gesprächen, der guten Atmosphäre und nicht zuletzt, gesättigt vom leckeren Kuchen der Frauenhilfe, traten die Gäste am frühen Abend den Heimweg an. Vergessen war das schlechte Wetter.
Farbenfrohe selbst gebastelte Vogelhäuschen wurden zugunsten der Kindernothilfe verkauft.
