Mayener Freundschaftskreis des Friedensdorfes informierte
Hilfe für Kinder, denen sonst keiner hilft
Mayen. Kinder sind von Kriegen und kriegerischen Konflikten häufig am meisten betroffen. Dies sogar noch viele Jahre oder Jahrzehnte nach dem Ende der Auseinandersetzungen, weil beispielsweise ausgelegte Minen praktisch kein Verfallsdatum haben. In ihren vielfach sehr armen Heimatländern kann verletzten Kindern oft nicht die nötige medizinische Hilfe geboten werden, die eine menschenwürdige Zukunft oder gar das Überleben selbst ermöglicht. 1967 gründeten engagierte Menschen in Oberhausen die Bürgerinitiative Aktion Friedensdorf. Finanzkräftige Firmen stellten Gelände zur Verfügung, sorgten für die Buchführung und stellten Baumaterialien. In Handarbeit und zahllosen ehrenamtlichen Arbeitsstunden arbeiteten Jugendliche aus aller Welt, Mitglieder der britischen Rheinarmee, der Bundeswehr und der Bereitschaftspolizei Hand in Hand. Es entstand das Friedensdorf und damit Unterkünfte für Kinder, die nach der Behandlung weitere Betreuung während der Rehabilitation benötigten. 1995 zog die Hauptverwaltung des Dorfes nach Dinslaken, kaum zwei Kilometer vom Ursprung entfernt. Heute betreut das Friedensdorf in Oberhausen und Dinslaken als Friedensdorf International etwa 1.000 Kinder pro Jahr. Das heißt, sie werden von der Einrichtung nach Deutschland geholt, es wird eine medizinische Versorgung organisiert, die Betreuung während des Krankenhausaufenthaltes und der Rehabilitation sichergestellt sowie der Rücktransport zurück zu ihren Familien in ihre Heimat geregelt.
Freundeskreis auch in Mayen
Schon seit 1992 gehört das St. Elisabeth Krankenhaus in Mayen zu den Häusern im Bundesgebiet, die regelmäßig kostenlos Kinder des Friedensdorfes zur medizinischen Behandlung aufnehmen. Aus diesem Grunde haben sich 1996 ehrenamtliche Helfer über die evangelische Kirchengemeinde Mayen zu einem Betreuerkreis Mayen zusammen gefunden, der später zu einem Freundeskreis des Friedensdorfes wurde. Zu den Initiatoren gehörten Marlis Knappe und ihr Ehemann Werner, die beide bis heute im Freundeskreis aktiv sind.
Die Helfer und Helferinnen kümmern sich um die Kinder im Krankenhaus. Regelmäßige Besuche der kleinen Patienten gehören ebenso dazu wie die Ausstattung der Kinder mit Kleidung oder Hygieneartikeln, weil sie oft mit nicht mehr als der Kleidung auf dem Leib in Deutschland ankommen. Im Mittelpunkt aber stehen der liebevolle Umgang mit den Kindern, die oft unter großem Heimweh leiden, kleine Spaziergänge oder die ersten Gehversuche nach einer Operation.
Wenn nötig, organisieren die Betreuer auch ehrenamtliche Übersetzer, die in der ersten Zeit die Verständigung mit dem Kind erleichtern. In den Jahren seines Bestehens hat der Freundeskreis Mayen mittlerweile schon über 30 Mädchen und Jungen vorwiegend aus Afghanistan, Angola und Georgien umsorgt.
Finanzierung in erster Linie durch Spenden
Die Arbeit des Friedensdorfes finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Förderer aber in erster Linie durch Spenden. Auch in dieser Beziehung sind die mittlerweile zahlreich im Bundesgebiet gegründeten Freundeskreise aktiv. „Wir hätten in diesem Jahr gerne einen Stand beim Adventsmarkt in der Genovevaburg gemacht“ berichtet Frau Knappe „aber leider waren wir mit der Anmeldung deutlich zu spät und bedauern das sehr.“
Pfarrer Thorsten Hertel kündigte an, dass im kommenden Jahr eine Fahrt zum Friedensdorf stattfinden wird. Einen Termin konnte er aber noch nicht nennen. Nach dem Erntedankfest arbeitet der Freundeskreis wieder an seiner Paketaktion für arme Menschen. Mit den Paketen werden die letzten Lücken in den gecharterten Flugzeugen gefüllt, die Kinder ins Friedensdorf holen oder in ihre Heimatländer zurück bringen. Gerne hofft der Freundeskreis auf Lebensmittelspenden, die allerdings unverderblich sein sollten und noch eine Mindesthaltbarkeit von einem Jahr aufweisen. Die Lebensmittel können bei der evangelischen Kirchengemeinde abgegeben werden, freundlicherweise wegen der begrenzten Lagermöglichkeit aber erst nach dem Erntedankfest.
Solange es keinen Frieden in der Welt gibt, solange wird ein Friedensdorf nötig sein und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die diese Idee unterstützen.
Marlis Knappe freute sich über die Anwesenheit von Firmling Lisa Weiss bei der Versammlung des Freundschaftskreises. Im Rahmen einer Projektarbeit der Firmlinge wird Lisa bei der Betreuung eines aktuell im Mayener Krankenhaus befindlichen Kindes helfen und später ihren Mitfirmlingen über die Arbeit des Freundeskreises und des Friedensdorfes berichten.
