Allgemeine Berichte | 09.10.2013

„Saalü“ machte Station im Mendiger Hotel-Restaurant Deutsches Haus

Kabarett, Musik, Kleinkunst, Tanz und „Mennijer Geschichte“

87-jähriges Mendiger Urgestein Hedwig Klöppel war der schlagfertige Star des Heimatabends

Beim „großen Politiker-Check“ erwies Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel sich als äußerst schlagfertig.SF

Mendig. Der Mittelpunkt jedes Saalü!-Abends ist das Dorf bzw. die Kleinstadt und bei jedem Auftritt erfindet Saalü sich neu. Jeder Abend ist ein Gesamtkunstwerk aus Kabarett, Musik, Kleinkunst und den großen und kleinen Wundern, die in jedem Dorf und jeder Kleinstadt zu finden sind. Nicht nur Theater, Orchester und Gesangvereine glänzen bei Saalü! – das Dorf/die Stadt selbst mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft wird von den Saalü!-Bühnenprofis unter die Lupe genommen. Dafür schickt Saalü! dieses Jahr drei Dorfinspektoren vom Ministerium des Innern, für Sport, Spaß und Infrastruktur: Abteilungsleiter Müller („Der Bürgermeisterflüsterer“) ist zuständig für das Chefgespräch. Herr Welte, sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, ist leidenschaftlicher Dorfdatensammler. Was er nicht in seinen Akten findet, hat er im Kopf. Irgendwo. Zur Not fragt er sein Klemmbrett oder die anwesenden Einheimischen. Frau Drops hat sich im Laufe ihres nun doch schon 30-jährigen Praktikums in vielen und vielseitigen Fortbildungen unglaubliche Fähigkeiten angeeignet: Lachtherapie. Zumumba. Tanzcrashkurs. Gesangs-Rambazotti. Alles im Einsatz und im Dienst für den Dorf - TÜV. Saalü! machte Station im Saal Schubach des Mendiger Hotel-Restaurants Deutsches Haus.  Die drei neugierigen „Inspektoren“ unterzogen sowohl Niedermendig als auch Obermendig einer eingehenden Prüfung, dem sogenannten „Orts-TÜV“ und erlebten dabei - ebenso wie das Publikum - so manche Überraschung.

Großer Politiker-Check

Ob es sich um das Stadtgespräch mit Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel handelte, der sich beim „großen Politiker-Check als ausgesprochen schlagfertig und humorvoll erwies und die ihm gestellte Aufgabe, in einem Satz die Stadt Mendig treffend zu beschreiben, mit Bravour löste („Geboren aus Asche, Vulkanen, Feuer und Stein kannst Du, Mendig, die Heimat geselliger Menschen sein; die schufen in Urzeiten mit fleißiger Hand diese Stadt am Laacher See als Perle im Pellenzland“) oder um die „Saalinspektion, in deren Verlauf die Inspektoren die Geschichte des  „Saal Schubach“ des Deutschen Hauses Revue passieren ließen – für die Besucher, bei denen es sich zum Teil um „Zugereiste“ handelte, war der gesamte Abend ebenso informativ und unterhaltsam, wie für die Mendiger Urgesteine, die sich zum Teil in die Zeit ihrer Kindheit versetzt fühlten. Während Karin´s Tanzgruppe und die „Mennijer Mädche mit choreographischen Meisterleistungen aufwarteten, bewiesen der Brauerchor und die Singgemeinschaft Schlich (beide unter der hervorragenden Leitung von Anita Reuter), dass die Vulkanstadt auch über musikalische Talente verfügt, die sich durchaus hören lassen können.

„Helden packen aus“

Ebenso wie im dritten Stadtgespräch mit Timo Schubach und Ernst Simons „Helden packen aus“ fühlten die Zuschauer sich auch beim zweiten Stadtgespräch mit Werner Geilen und Hedwig Klöppel bestens unterhalten, wobei das 87-jährige Mendiger Urgestein Hedwig Klöppel sich nicht nur als eine humorvolle Gesprächspartnerin erwies, die ihre Anekdoten in Mennijer Platt zum Besten gab und etwas kompliziertere Zusammenhänge fast automatisch in „huudeutsch“ erläuterte.

Als sie im Anschluss des Gesprächs im Outfit eines Junggesellenfähnrichs von anno dazumal Fahnen schwenkend in den Saal marschierte und ihre schauspielerischen Ambitionen mit dem früheren Gassenhauer „Bippekönig Baltes, siwwen Joar in de Buchs jeschiss un dat soll nit stinken..?“ krönte, geriet das Publikum völlig aus dem Häuschen und zollte der temperamentvollen Schwiegermutter von Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel einen nicht enden wollenden Beifall.  Da weder Ortsinspektor Herr Müller noch sein „Assistänzer“ Herr Welte den spektakulären Auftritt der quirligen Seniorin zu stoppen vermochten, konnte das für den Abend vorgesehene Zeitfenster nicht mehr eingehalten werden, was jedoch niemanden weiter störte. Jedoch nicht nur Hedwig Klöppel stellte an diesem Abend ihre mitunter ungewollte kabarettistische Begabung unter Beweis. Die drei hochkarätigen Schauspieler und Kabarettisten Mark Welte, Charla Drops und Wolfgang Müller bereicherten den Abend mit professionellen musikalischen, komödiantischen und zum Teil artistisch anmutenden Bewegungen, die sich hören und sehen lassen konnten. Kein Wunder – verfügen doch alle drei jeweils über eine auf hohem Niveau angesiedelte Vita. Während Mark Welte sich auch als Autor zahlreicher Fernseh-Shows, wie zum Beispiel: „Mensch Markus“, „Ladykracher“ und „Freitag Nacht News“ sowie als Lieblingsautor von Anke Engelke einen Namen machte, gab der in Bingen am Rhein geborene Schauspieler und Pianist Wolfgang Müller sich als Kabarettist am Düsseldorfer KOM(M)MÖDCHEN unter Lore Lorentz die Ehre. Die Urkomödiantin mit der Ausdruckskraft eines Stummfilmstars, Charla Drops, ist dagegen sowohl im Kölner Karneval als auch im Bonner „Haus der Springmaus“ keine Unbekannte. Ihr Markenzeichen ist der avantgardistische grotesk-exzentrische Tanz mit unvergleichlicher Mimik und stets wechselnden Rollen. Gemeinsam mit den Mendiger Künstlern und Originalen gelang es den drei Protagonisten, dem anwesenden Publikum einen unvergesslichen Abend zu präsentieren.

Das Stadtgespräch mit Werner Geilen und Hedwig Klöppel war ebenso amüsant wie informativ.

Das Stadtgespräch mit Werner Geilen und Hedwig Klöppel war ebenso amüsant wie informativ.

Während der Therapie gegen ihre Landdepression brillierte die ewige Praktikantin Frau Drops (Charla Drops) mit einer unvergleichlichen Mimik.

Während der Therapie gegen ihre Landdepression brillierte die ewige Praktikantin Frau Drops (Charla Drops) mit einer unvergleichlichen Mimik.

Beim „großen Politiker-Check“ erwies Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel sich als äußerst schlagfertig.Fotos: SF

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