Allgemeine Berichte | 13.05.2014

Sängerbund konzertierte mit neuem Dirigenten und prima Solisten

Musikalische Neuorientierung gelungen

Die Phalanx der Solisten des Chorkonzerts. V.links: Jürgen Rieser (musikalischer Leiter), Horst Schäfer (Tenor), Beate Michel (Pianistin), Anita Reuter (Mezzosopran), Raffaela Milles (Sopran).FA

Bad Breisig. Musikalisch wehte ein frischer Wind durch die Sängerhalle des Oberbreisiger Männerchors. Zwar war der MGV „Sängerbund“ von dem überaus anerkannten und verehrten Chordirektor Werner Lohner über die letzten fünf Jahrzehnte musikalisch von Erfolg zu Erfolg geführt worden, doch nach dessen altersbedingtem Abschied musste sich der Chor neu orientieren - und das ist ihm mit dem seit etwa acht Monaten am Dirigentenpult stehenden Jürgen Rieser aus Mendig hervorragend gelungen. Jürgen Rieser, der gelernte Kirchenmusiker, längst erfolgreicher Leiter bekannter Chöre, ist einst aus der Schule Lohners hervorgegangen; er gehört jedoch einer neuen Generation an und hat Repertoire des MGV „Sängerbund“ neu ausgerichtet bzw. aktualisiert. Wolfgang Geilhausen vom MGV-Vorstand führte durch das Programm des Konzertes und moderierte zwischen den einzelnen Vorträgen. Er fand zudem lobende Worte für den neuen Chef. Dessen nette Art im Umgang mit den Sängern, die Führungsstärke, die Dynamik und das musikalische Können des jungen Chorleiters hätten in den wenigen Monaten seiner Tätigkeit viel bewegt. So sei die über die Jahre zurückgegangene Zahl der Sänger wieder etwas gewachsen. Einige Mitglieder, die sich vom aktiven Singen bereits zurückgezogen hatten, waren in den Chor zurückgekehrt. Der Chorleiter stellte - ähnlich den Gepflogenheiten bei großen Sportereignissen - die 30 Aktiven namentlich vor und ließ sie einzeln „einlaufen“. Die Phalanx der Solisten des Konzerts wurde allerdings im Zusammenhang mit ihren rundweg vorzüglichen Darbietungen präsentiert, so die tolle Mezzosopranistin Anita Reuter, die rockig singende blutjunge Sopranistin Raffaela Milles, der strahlende Tenor Horst Schäfer und die routinierte Klavier-Begleiterin Beate Michel - sie alle demonstrierten im Lauf des Abends ihre Klasse. Das Konzert begann mit der von Bernhard Weber in schwierige Harmonien gesetzte Hommage an den Rhein: „O Rhein, du heiliger Strom…“ Diese Komposition gehört schon lange zum Repertoire des „Sängerbunds“ - entsprechend perfekt erklang sie auch unter dem Dirigat von Jürgen Lieser. Ganz andere Empfindungen weckten die folgenden drei volksliedhaften, jedoch in der Umsetzung anspruchsvollen Arrangements. Zunächst das Scherzlied über chaotische Vorgänge „Im Schnützelputzhäusel“ von Rolf Lukowsky, dann das Lied über den Ärger, den die „Drei Gäns‘ im Haberstroh“ dem Bauern machten, beobachtet und vertont von Wilhelm Heinrich, und schließlich das Medley einer Folge fröhlicher Marschlieder: „Horch, was kommt von draußen rein“, „Das Leben bringt groß Freud“, „Ein Jäger aus Kurpfalz“, „Als wir neulich in Regensburg waren“ und schließlich „Muss i denn …“, alles mit viel musikalischem Geschick ineinander verwoben von Herbert Grunwald. Da hüpfte so manches Wanderer-Herz. Völlig anders klingt Franz Schuberts Lied: „An die Musik“ mit Worten des Freundes Franz von Schober, ein Beispiel des unermüdlichen Lieder-Komponierens des stets Wiener Vorzeige-Romantikers. Für Anita Reuter eine Gelegenheit, die große Strahlkraft ihrer voluminösen Mezzosopran-Stimme und eine Probe ihres dramatischen Temperaments nachzuweisen. Für die begleitende Pianistin Beate Michel sind die von Schubert in Noten gesetzten anspruchsvollen, über der Basspartie gesetzten Akkorde kein wirkliches Problem - auch sie ist eine veritable Könnerin ihres Fachs. Volkstümlich wird das Konzert bei den Anleihen aus dem Bereich der leider heute so vernachlässigten Operette. Theo Mackeben hat Millöckers „Madam Dubarry“ durch Neubearbeitung zum Erfolg geführt. Das Lied der königlichen Mätresse „Ich schenk mein Herz nur dem allein, dem ich das Höchste könnte sein…“ gibt der Solistin die Chance, sich stimmlich und darstellerisch zu bewähren. Das Gleiche gilt für die musikalische Klarstellung „Ich bin eine anständige Frau“, das kesse Lied der Valencienne aus Franz Lehárs Operette „Die lustiger Witwe“. Längst fordert Anita Reuter mit ihrer tollen Stimme und dem gekonnten Vortrag den Szenenapplaus des Publikums heraus. Von der Operette zur Oper: Das Plenum der Sänger interpretiert den Jägerchor aus dem „Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Anita Reuter gemeinsam mit dem prächtigen Tenor Horst Schäfer prosten sich zu im Trinklied Violetta / Alfred aus „La Traviata“ von Guiseppe Verdi. Das Publikum reagiert - Verdi wusste, wie man Leute begeistert. Natürlich auch bei Verdi’s Gefangenenchor aus „Nabucco“, da summt so mancher Musikfreund sogar mit. Der zweite Teil des Konzerts ist modernen Melodien unter den populären vorbehalten. Zunächst die mit dem Oscar gekrönte Filmmelodie aus „Die Rose“. Der Chor trägt die Melodie, aber der wahre Star ist die 19-jährige Sopranistin Raffaela Milles, die mit ihrem gekonnten Solo die Darbietung veredelt. Jetzt folgen die Ausschnitte aus bekannten Musicals. Schön klingt der Chor samt Soli (Anita Reuter und Horst Schäfer) „Wunderbar“ aus „Kiss me, Kate“ von Cole Porter. Aus „Elisabeth“ von Michael Kunze gleich mehrere Lieder der Sissi, ebenfalls von beiden Künstlern interpretiert. In der Folge drei Anleihen beim „Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber. Sie bieten Bewährungsmöglichkeit für Chor und Solisten, unter anderem für den musikalischen Leiter Jürgen Rieser, der sich auch als bemerkenswerter Bariton im Duett mit Anita Reuter präsentiert. Ein Höhepunkt „Gabriellas Sang“ aus dem schwedischen Film „Wie im Himmel“. Da ist die junge Sopranistin Raffaela Milles als Ergänzung zu dem Chor stimmlich und darstellerisch im Element. Standing Ovations. Nun muss noch ein großes Finale her, und dies wird mit Johannes Kalpers‘ eindrucksvollem Hymnus „Musik ist meine Welt“ geboten. Chor und alle Solisten sind eingespannt. Sie werden mit einem großen Begeisterungssturm so belohnt, dass sie den Vortrag wiederholen müssen. Am Ende des tollen Konzerts gibt es viel Komplimente und großes Dankeschön durch Bürgermeister Weidenbach, geschmückt mit Blumengebinde für die Solisten und den musikalischen Chef. Aber auch „Altmeister“ Werner Lohner ist nicht vergessen. Er wurde „Ehrendirigent“ und ein entsprechendes Dokument als Bildband.

Liebesduett aus „Phantom der Oper“: Jürgen Rieser und Anita Reuter.

Liebesduett aus „Phantom der Oper“: Jürgen Rieser und Anita Reuter.

Die Phalanx der Solisten des Chorkonzerts. V.links: Jürgen Rieser (musikalischer Leiter), Horst Schäfer (Tenor), Beate Michel (Pianistin), Anita Reuter (Mezzosopran), Raffaela Milles (Sopran).Fotos: FA

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