Themen | 12.04.2025

Zu bisherigen und noch erforderlichen Maßnahmen

Bürgerinitiative informiert zum Bahnlärmschutz

In der Bahnhofstraße erinnert ein Schild an den Beginn der Errichtung weiterer Lärmschutzwände in Weißenthurm am 24. Februar 2018

Weißenthurm. Mit Blick auf die Zukunft mahnt die Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“ an, dass auch für das Untere Mittelrheintal von Koblenz bis Bonn drei klare Erkenntnisse gelten:

1.Gemäß der Verkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums vom 24.10.2024, wird zukünftig der Straßengüterverkehr um 34% und der Schienengüterverkehr um 35% zunehmen.

2.Bund und Bahn sperren sich weiterhin dagegen, den sogenannten »Bestandsschutz« für die Bahntrassen im Mittelrheintal aufzuheben. Für die von Bahnemissionen wie Lärm, Erschütterungen und Feinstaub betroffenen Kommunen und Bahnanwohner bedeutet dies, dass sie auch in Zukunft keinen Rechtsanspruch auf Bahnlärmschutz haben und diesbezüglich „Bittsteller“ für freiwillige Lärmschutzmaßnahmen seitens der Bahn bleiben.

3.Die Bundesregierung und die Deutsche Bahn AG haben am 15. September 2023 in Frankfurt am Main das Programm zur „Generalsanierung“ vorgelegt. Zwischen 2024 und 2030 sollen über 4.000 Streckenkilometer der bedeutendsten und verkehrsreichsten Eisenbahntrassen in Deutschland während mehrmonatiger Vollsperrungen grundlegend instandgesetzt werden. Schwerpunkte sind unter anderem kapazitätssteigernde Maßnahmen. Daneben erfolgt die Digitalisierung des Schienennetzes mit dem deutschlandweiten Zug-Kontroll-System/„European Train Control System“ (ETCS), um so bis zu 30 Prozent mehr Kapazität auf dem bestehenden Netz zu schaffen.

Zunahme des Schienengüterverkehrs

Die Weißenthurmer Bürgerinitiative hat schon früh erkannt und immer wieder darauf hingewiesen, dass vor diesem Hintergrund mit einer erheblichen Zunahme des Schienengüterverkehrs auch im Mittelrheintal gerechnet werden muss. Sie konnte nach Auswertung der Messstellen des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) in Andernach und Lahnstein diesbezüglich nachweisen, dass statt derzeit durchschnittlich ca. 200 Zugdurchfahrten auf jeder Rheinseite täglich, bereits heute bis zu 400 Zugdurchfahrten im Mittelrheintal möglich sind. Züge im drei bis fünf Minutentakt sind daher nach erfolgter Generalsanierung und Abschluss der Digitalisierung der Bahntrassen nach 2028 keine Fiktion mehr, sondern voraussehbare Konsequenz und bittere Realität.

Glücklicherweise wurde bereits 2014 in Weißenthurm aufgrund des gemeinsamen Engagements der Bürgerinitiative mit der Verbandsgemeinde und Stadt Weißenthurm und auf Vorschlag und im Auftrag der Deutschen Bahn AG/DB Netz AG (heute DB InfraGO AG), eine Machbarkeitsuntersuchung hinsichtlich zusätzlicher Maßnahmen zur Lärmminderung der Bahnstrecke durchgeführt. Der Ergebnisbericht trägt das Datum 04.09.2014.

Dies führte nach einer ca. dreijährigen Planungs- und Vorbereitungsphase, ab 2018 zur Errichtung von ca. zwei Kilometern Lärmschutzwänden und drei Kilometern Schienenstegdämpfer an beiden Hauptgleisen im Stadtbereich. Zahlreiche Bahnanwohner bestätigen inzwischen, dass sich diese Lärmschutzmaßnahmen bestens bewähren und sich die Wohnqualität deutlich verbessert hat.

Erneuerung Eisenbahnbrücke

Wie seitens der DB InfraGO AG geplant, erfolgt derzeit die Erneuerung der Eisenbahnbrücke über die Alte B9 am nördlichen Stadtausgang von Weißenthurm. Danach sollen im Zeitraum 01. April bis 30. Mai 2025 in diesem Bereich beiderseits der Bahntrasse, die aus der Machbarkeitsuntersuchung von 2014 noch ausstehenden Lärmschutzwände errichtet werden. Entsprechende Vorarbeiten erfolgen bereits.

In Weißenthurm sind mit Fertigstellung der Errichtung dieser Lärmschutzwände, die von der Bürgerinitiative erwirkten Lärmschutzmaßnahmen abgeschlossen. Damit hat die Bürgerinitiative ihr 2011 gestecktes Ziel nach mehr als zwölf Jahren nachhaltiger und harter Arbeit – auch mit kommunaler Unterstützung und erfolgreicher Kooperation mit der DB Netz AG / DB InfraGO AG - erreicht: Die Schaffung von deutlich mehr Lärmschutz in Weißenthurm und die Verbesserung der Lebensqualität für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Doch es gibt noch einiges zu tun: So weist Papen darauf hin, dass 2014 in der Machbarkeitsuntersuchung leider keine Lärmschutzwände für die Bereiche Neustraße, Langfuhr und Dammstraße seitens des Ingenieurbüros Wölfel als erforderlich erachtet wurden, obwohl dies seinerzeit gegenüber den Vertretern des Ingenieurbüros, als auch den Vertreter der DB Netz AG (heute DB InfraGO AG) von der Bürgerinitiative, gemeinsam mit den Bürgermeistern der Verbandsgemeinde und Stadt Weißenthurm, bei Besprechungen und Ortsbegehungen, mit allem Nachdruck als zwingend nötig gefordert wurde. Alle diesbezüglichen jahrelangen gemeinsamen Bemühungen, so zum Beispiel mit zwei Anträgen der VG Weißenthurm in 2021 und 2022 an die DB Netz AG, waren trotz des guten Willens der DB Netz AG, letztendlich wegen nicht bereitgestellter Finanzmittel und Unterstützungsbereitschaft durch das Eisenbahn-Bundesamt, bisher nicht erfolgreich.

Grund zur Hoffnung

Nach Ansicht der Bürgerinitiative besteht jedoch weiterhin Anlass zur Hoffnung: Im ersten Halbjahr 2028 ist seitens der Deutschen Bahn AG / DB InfraGO AG die Generalsanierung der linken Bahntrasse von Köln bis Mainz mit dem Umbau zum Hochleistungsnetz geplant. Gemäß mehrfacher Zusicherung des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für Rheinland-Pfalz, Hessen und das Saarland Dr. Klaus Vornhusen und Mitgliedern der DB Netz AG, ist dabei von der Bahn beabsichtigt, zeitgleich mit der Generalsanierung und im Rahmen des Möglichen, weitere freiwillige Lärmschutzmaßnahmen wie Lärmschutzwände, Schienenstegdämpfer oder Schienenschmiereinrichtungen zu realisieren.

Daher kommt es nach Auffassung der Bürgerinitiative im Vorfeld der Generalsanierung in Weißenthurm ohne Zeitverzug darauf an, die Errichtung der noch fehlenden Lärmschutzwände jetzt zu erwirken. Dies sei auch deshalb von entscheidender Bedeutung, weil sich nach der linksrheinischen Generalsanierung im ersten Halbjahr 2028, für lange Zeit keine erneute Chance für weiteren Bahnlärmschutz mehr ergeben könnte.

Intensiver Austausch

Bereits am 12. März 2025 fand diesbezüglich ein Gespräch von Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weißenthurm Thomas Przybylla und den Vorsitzenden der Bürgerinitiative statt. Im Ergebnis wurden unter anderem sehr zeitnahe Gespräche mit Vertretern der DB AG beziehungsweise der DB InfraGO AG geplant, um die noch ausstehenden und dringend erforderlichen Lärmschutzwände, möglichst noch im Rahmen der Generalsanierung in drei Jahren zu erwirken. Auch mit dem Bürgermeister der Stadt Weißenthurm Johannes Juchem, steht die Bürgerinitiative zum gleichen Thema in Kontakt.

„Die Zeit drängt, denn aufgrund der zu erwartenden Zunahme des Schienengüterverkehrs, benötigen wir kurzfristig mehr Lärmschutzmaßnahmen in den Kommunen vor Ort und mittelfristig Güterzugtrassen für den europäischen Schienengüter-Transitverkehr außerhalb des engen Mittelrheintals. Es wäre sehr zu wünschen, zielführend und erfolgversprechend, wenn sich die vom Bahnlärm betroffenen Landkreise und Kommunen des Mittelrheintals in diesem Sinne solidarisieren, um sich gemeinsam und geschlossen durch nachhaltiges Engagement für mehr Schutz vor Bahnemissionen und somit auch für die Lebensqualität, Gesundheit und Zukunft der Menschen in der Region einsetzen. Geschieht dies nicht, wird auch das Untere Mittelrheintal von Koblenz bis Bonn in vielen Bereichen (insbesondere in den historisch gewachsenen Ortskernen) durch den zunehmenden Schienengüterverkehr weiteren massiven Schaden nehmen - mit dann unumkehrbaren Konsequenzen für die ganze Region,“ so Rolf Papen abschließend.

Pressemitteilung der Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“

Ein Vorbote der Generalsanierung: Erneuerung der Eisenbahnbrücke über die Alte B 9 in Weißenthurm

Ein Vorbote der Generalsanierung: Erneuerung der Eisenbahnbrücke über die Alte B 9 in Weißenthurm Foto: Foto: Bürgerinitiative

In der Bahnhofstraße erinnert ein Schild an den Beginn der Errichtung weiterer Lärmschutzwände in Weißenthurm am 24. Februar 2018 Foto: Foto: Bürgerinitiative

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