Vorhaben könnte an unterschiedlichen Fördersätze scheitern

Kommt das Nahwärmenetz für die Mittelahr?

Kommt das Nahwärmenetz für die Mittelahr?

Leere Öltanks im Ahrtal. Foto: WITE

21.01.2022 - 17:03

Marienthal/Mayschoß/Rech/Dernau. Nach der verheerenden Flutkatastrophe an Ahr und Nebenbächen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hat die Politik verlautbart, das Ahrtal beim Wiederaufbau zur klimaneutralen Modellregion zu machen. Nun planen der kleine Ort Marienthal sowie die drei Ortsgemeinden Dernau, Rech und Mayschoß den Aufbau von Nahwärmenetzen. Die Projektunterlagen befinden sich derzeit bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz zur fachlichen Prüfung. Während der Wille zum Bau einer regionalen und nachhaltigen Wärmeversorgung bei den genannten Kommunen also weit fortgeschritten ist, drohen die Vorhaben möglicherweise an unterschiedlichen Fördersätzen zu scheitern. Würde eine neue, herkömmliche Heizung mit 80 Prozent durch die Wiederaufbauhilfe gefördert, stehen für klimaverträgliche und regenerative Projekte - zumindest nach heutigem Stand - lediglich rund 50 Prozent Fördergelder zur Verfügung. Die Initiatoren möchten auch für diese innovativen Projekte eine Förderung von 80 Prozent erreichen. Dieses Problem ist dem zuständigen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität durchaus klar. So hatte die neue Ministerin, Katrin Eder, in der Presse kurz vor Weihnachten geäußert, dass das Problem bekannt sei, insbesondere beim Nahwärmenetz Marienthal. „Da wird nach Lösungen gesucht,“ kündigte die Ministerin an. Die Fragen der Menschen an der Ahr werden aber immer drängender. Sie möchten wissen, wie ihre Häuser beim Wiederaufbau beheizt werden. Etliche überlegen mittlerweile gar wieder den Einbau von Gas- oder Ölheizungen. Dies wäre in jedem Fall ein herber Rückschlag für die angekündigte „klimaneutrale Modellregion.“



Notwendiger Wiederaufbau


BLICK aktuell hakte nach bei der Pressestelle des zuständigen Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität. Diese teilte hierzu mit: „Wegen des ohnehin notwendigen Wiederaufbaus der Infrastruktur wird die Errichtung eines Nahwärmenetzes nie wieder so günstig sein wie derzeit. Eine vollständige Finanzierung neuer Nahwärmenetze aus dem Wiederaufbaufonds ist nicht möglich, weil damit lediglich der Ersatz für bestehende Anlagen gefördert wird. Die Hausanschlüsse der betreffenden Haushalte werden allerdings aus diesem Fonds gefördert als Ersatz für von der Flut beschädigte Heizanlagen. Zudem übernimmt das Land aus dem ZEIS-Förderprogramm 30 Prozent der Kosten für Heizzentrale und Netz, der Förderanteil wurde aktuell von 20 auf 30 Prozent aufgestockt. Weitere 15 bis 20 Prozent der Kosten werden über die KfW gefördert. Die übrigen Kosten der Nahwärmenetze übernimmt der Träger und refinanziert dies über den gegenüber Gas oder Öl deutlich günstigeren Energieträgers über den Lebenszyklus des Netzes.“ Auf eine weitere Nachfrage, was dies denn für die Praxis bedeute und wie hoch die Kosten wären, folgte die Antwort: „Diese Frage kann nur für jeden Einzelfall geklärt werden bzw. wird bei den konkreten Projekten geklärt werden.“ Nun haben sich die Initiatoren mit ihrem Anliegen an Ministerpräsidentin Malu Dreyer gewandt.

WITE

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