Allgemeine Berichte | 08.05.2026

Forschungsseminar der NAJU-Hundsangen:

Mikroskopierkurs in den Osterferien zum Thema „Das Leben im Moos“

Eifrig waren die NAJUkids auf der Suche nach dem verborgenen Leben im Moos.

Hundsangen. Vom 9. bis zum 11. April wurde in den Räumen der Grundschule Wallmerod unser erstes Ferien-Forschungsseminar durchgeführt: Acht NAJU-Kinder haben während dieser drei Tage mit Freude, Enthusiasmus und Neugierde den Lebensraum Moos erforscht. Ziel des Seminars war einerseits, Werkzeuge wie die Einschlaglupe, das Binokular, das Mikroskop und die Bestimmungs-App „Flora incognita“ zu nutzen - andererseits sollte aber auch der Lebensraum „Moos“ erkundet werden. Aus den dabei entstandenen Fotos und den gewonnenen Erkenntnissen soll im Anschluss auch eine kleine Broschüre über Moose und die im Biotop „Moos“ lebenden Tiere entstehen.

Da Moos ein ziemlich unbekannter Lebensraum ist, musste zunächst viel Neues gelernt werden. Nach kurzer Zeit wurden Frauenhaar, Kegel-, Schlaf-, Besen- und Tamarisken-Thujamoos sicher erkannt. Auch der Aufbau eines Moospflänzchens mit all seinen Besonderheiten – Moose bekommen Nahrung und Wasser aus der Luft, ihre „Würzelchen“ sind keine Wurzeln, sondern nur Halteorgane und sie können eintrocknen - und werden wieder richtig lebendig, wenn sie mit Wasser in Kontakt kommen. Diese Eigenschaften haben sich Moose seit ihrer Entstehung vor circa 400 Millionen Jahre bewahrt. Solange sind sie nahezu unverändert auf der Erde – sie sind also lebende Fossilien. Ähnlich ist es mit den Lebewesen im Moos. Auch diese können eintrocknen, so Jahre überdauern und beim Kontakt mit Wasser wieder lebendig werden. Wahre Superhelden aber sind die Bärtierchen: winzig kleine, nur mit Lupe und Mikroskop sichtbare, 8-beinige kleine „Bären“.

Sie sehen zwar aus wie Bären, sind aber in Wirklichkeit eher mit Spinnentieren und Insekten verwandt. Sie können Dauerformen – sogenannte Tönnchen – bilden, die dann Temperaturen von minus 273 o Celsius (das ist die größte Kälte, die es auf der Welt überhaupt gibt) aushalten. Sie überleben kochendes Wasser und sind unglaublich unempfindlich gegen für uns Menschen tödliche Strahlung. Bärtierchen wurden bereits im Weltraum ausgesetzt und haben diese Bedingungen ohne Schutz überlebt!

Ein Mensch ohne Raumanzug wäre im Weltraum schon nach zwei Minuten tot. Aber auch viele andere Lebewesen im Moos sind, wie die Bärtierchen, ebenfalls „Urtiere“. So die seltsamen Springschwänze oder auch die Hornmilben. Sie leben ebenfalls seit 400 Millionen Jahren nahezu unverändert auf der Erde. Sie sind viel länger Erdbewohner als die Saurier, die vor 200 Millionen Jahre gelebt haben und die schon seit 60 Millionen Jahren ausgestorben sind (Größe ist nicht immer gut!).

Die NAJU-Kinder haben zunächst auf einer Waldexkursion Moose gesammelt und bestimmt. Anschließend wurden die Moosproben aufgearbeitet und die Tierchen im Moos durch Filtration angereichert. Dann wurde mit Binokular und Mikroskop stundenlang gesucht. Gefunden haben wir viele Rädertiere, Fadenwürmer, Wimperntierchen und drei lebende Bärtierchen. Außerdem wurden zwei Tönnchen (= Überdauerungsform der Bärtierchen) gefunden, bei denen wir den Vorgang der Kryptobiose (= verborgenes Leben, todesähnlicher Zustand) bis hin zum Erwachen nach Wasserzugabe beobachten konnten. Einige andere Bärtierchen waren fast unbeweglich und wenig aktiv – sie hatten die Bildung eines Tönnchens gerade eingeleitet. Das alles war viel spannender als ein Krimi im Fernsehen. Soweit es möglich war, wurde alles dokumentiert und fotografiert. Unser Forschungslabor hatte eine Station mit Mikroskopkamera, deren Bild auf ein Whiteboard übertragen wurde, sodass interessante Objekte von allen gleichzeitig beobachtet werden konnten. Eine weitere Fotostation, bei der je ein Smartphone auf ein Mikroskop und ein Binokular montiert war, konnte von allen Jungforschern zur Dokumentation genutzt werden. Für die ausgiebigen Beobachtungen unser Präparate hatte jeder ein Mikroskop und ein Binokular zu Verfügung.

Dem Forscherdrang waren also keine technischen Grenzen gesetzt. Zwischendurch gab es jedoch natürlich auch viele Essens- und Spielpausen. Highlight der Spielpausen war das Evolutionsspiel. Die Erwachsenen, mit etwas längerer Reaktionszeit, mussten allerdings meist auf der Entwicklungsstufe einer Amöbe stehenbleiben. Unsere drei Mittagessen waren durchweg auch ziemlich lecker. Schokoküsse zum Nachtisch waren allerdings deutlich beliebter als gesunder Zimtreis. Dafür fanden die gebackenen Honigbananen reißenden Absatz.

Insgesamt waren es drei spannende und interessante Tage. Die fotografische Ausbeute sowie die entstandenen Zeichnungen und die anschaulichen Mooswelt-Dioramen sind beeindruckend. Nächster Schritt ist jetzt die Produktion unserer Broschüre „Moose und ihre Bewohner – Bärtierchen und andere Lebewesen einer unbekannten Welt“.

Pressemitteilung NABU Hundsangen

Weitere Themen

Eifrig waren die NAJUkids auf der Suche nach dem verborgenen Leben im Moos. Foto: Carmen und Peter Ahrens

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Neu · täglich frisch
Neu · täglich frisch

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Rund ums Haus
Anzeige "Rund ums Haus"
Andernach schmeckt
Verkaufsstart KuK
Imageanzeige
Empfohlene Artikel
Blütenreiche Wegränder in der Feldflur - wichtige Lebensräume nicht nur für Insekten.
50

Westerwald. In den letzten Jahren wurde immer wieder über das Insektensterben und den Rückgang der Feld- und Wiesenvögel berichtet. So hat sich die Zahl brütender Kiebitze in Deutschland seit den 1990 Jahren auf ein Viertel reduziert; die Anzahl der Rebhühner ist seit den 1970 sogar auf einen Bruchteil des ursprünglichen Bestandes geschrumpft. Zudem zeigte eine Studie im Jahr 2017, dass in den letzten...

Weiterlesen

Die Teilnehmergruppe lauscht den Gesängen der Waldvögel
38

Elz. Während die meisten Menschen noch schliefen, begab sich am vergangenen Wochenende eine Gruppe von Naturbegeisterten auf eine akustische Entdeckungsreise. Ausgangspunkt war die Elzer Grill- und Umwelthütte, die als idealer Treffpunkt für naturkundliche Exkursionen und Veranstaltungen geschaffen wurde. Im Rahmen der traditionellen Vogelstimmenfrühwanderung der NABU-Gruppe Hundsangen erkundeten...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Beim Überqueren dieser Stelle wurde der junge Mann fortgerissen. Foto: Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik
3227

Der junge Mann wurde von der Strömung mitgerissen und wird seither vermisst

28.06.: Schwerer Unfall am Rhein: 20-Jähriger verschwindet spurlos

Region. Am 28.06.2026, gegen 18:45 Uhr, hielt sich ein 20-jähriger Mann gemeinsam mit Freunden am Rhein in Höhe des Binger Mäuseturms (Rheinkilometer 530,1) auf. Beim Überqueren einer Wasserrinne geriet er in die Strömung, ging unter und wurde anschließend nicht mehr gesehen.

Weiterlesen

Jahrgangsbeste Riana Schwarzer bei der Bestenehrung
170

Mayen. Die BBS Mayen hat ihren diesjährigen Abiturjahrgang in den Räumlichkeiten des Bundesbildungszentrums des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) in Mayen feierlich verabschiedet. Gemeinsam mit Familien, Freunden und Lehrkräften feierten die Absolventinnen und Absolventen den besonderen Meilenstein ihrer Schullaufbahn.

Von Carl-Burger-Schule Mayen aus Mayen

Weiterlesen