Allgemeine Berichte | 02.01.2026

15. Netzwerkkonferenz des Kreisjugendamtes

Über 400 Fachkräfte tauschten sich über Folgen von Vernachlässigung aus

Sie gestalteten das Programm der Netzwerkkonferenz (v. l. n. r.): Kristin Andree, Stephanie Schmitz, Udo Sturm und Birgit Köppe-Gaisendrees. Fotos:Kreisverwaltung / Carolin Faller

Region. Bereits zum 15. Mal hatte das Kreisjugendamt zur jährlichen, interdisziplinären Netzwerkkonferenz zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit eingeladen. In diesem Jahr tauschten sich die Interessierten zum Thema „Wenn Fürsorge fehlt – die unterschätzen Folgen von Vernachlässigung“ aus. „Es ist schon toll, wie sich die Veranstaltung in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Erstmals haben wir über 400 Anmeldungen erhalten,“ begrüßte Abteilungsleiter Udo Sturm die Teilnehmenden.

Als Referentin konnten die Netzwerkkoordinatorinnen Kristin Andree und Stephanie Schmitz die ehemalige Leiterin der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land, Birgit Köppe-Gaisendrees, gewinnen. Die erst kürzlich in den Ruhestand Eingetretene berichtete aus 33 Jahren Erfahrung in dieser Einrichtung: „Ich habe schlimmste Dinge gesehen. Dabei gehörte die Vernachlässigung zu der am häufigsten übersehenen Form der Kindeswohlgefährdung.“

In ihrem Vortrag teilte Köppe-Gaisendrees die Vernachlässigung in vier Unterformen ein: körperlich, emotional, kognitiv und erzieherisch. Am problematischsten sind aus ihrer Sicht fehlende Emotionen, da diese oft zu gravierenden Symptomen führten. Geborgenheit, Anerkennung und Bestätigung seien essenziell für die Entwicklung eines Kindes. Hierzu gehöre auch die Art und Weise, wie mit dem Nachwuchs kommuniziert werde.

„Emotional vernachlässigte Kinder sind oft von dem Wunsch nach Zuwendung getrieben und suchen die positive Rückmeldung: ,Du hast etwas gut gemacht‘,“ erklärt Birgit Köppe-Gaisendrees und ergänzt: „Dieses Streben, basierend auf der mangelnden Fürsorge, bildet später oftmals die Grundlage für Situationen in denen Kinder oder Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt werden.“

Erwachsene nutzten die Suche nach Zuwendung dann für ihre eigenen Triebe aus, wie beispielsweise der Fall einer Teenagerin in ihrer Ambulanz zeigte. Das Mädchen hatte bereits mit 50 Männern geschlafen und fand nichts Schlimmes daran, da aus ihrer Sicht die Männer ihr nur Gutes wollten und Aufmerksamkeit gaben.

Nicht ganz so schockierend war die Geschichte über eine Mutter, die es regelmäßig schaffte, mit nur einer Hand ihren Säugling zu wickeln. Mit der anderen Hand las sie währenddessen auf dem Handy ihre Nachrichten.

Die verbale Ansprache, der Blickkontakt und die Interaktion mit dem Kind sei dabei aber sehr wichtig, um eine kognitive Vernachlässigung vermeiden zu können. Zu guter Letzt führte Köppe-Gaisendrees die erzieherische Vernachlässigung auf, bei der die Eltern nur sehr vermindert soziale Kompetenzen oder gesellschaftlich tolerierte Werte und Normen vermittelten.

Abschließend betonte Birgit Köppe-Gaisendrees, dass die Verläufe von körperlicher, emotionaler, kognitiver und erzieherischer Vernachlässigung schleichend seien, was sich in der Praxis in sehr langen Betreuungen durch die Jugendhilfe zeige.

Deshalb appellierte sie an die Zuhörer: „Wir müssen erreichen, dass außer den ,klassischen‘ Misshandlungen wie Missbrauch und Gewalt auch die Formen von Vernachlässigung gesehen werden. Diese können zu vielfältigen psychischen und/oder physischen Beeinträchtigungen des Kindes bis hin zu schweren Traumatisierungen oder sogar Todesfällen führen.“ Pressemitteilung Kreisverwaltung des Westerwaldkreises

Birgit Köppe-Gaisendrees sprach vor rund 400 Fachkräften über die unterschätzen Folgen von Vernachlässigung.

Birgit Köppe-Gaisendrees sprach vor rund 400 Fachkräften über die unterschätzen Folgen von Vernachlässigung.

Sie gestalteten das Programm der Netzwerkkonferenz (v. l. n. r.): Kristin Andree, Stephanie Schmitz, Udo Sturm und Birgit Köppe-Gaisendrees. Fotos:Kreisverwaltung / Carolin Faller

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