In drei Jahren aus der C-Klasse ins Kreisliga-Oberhaus
FV Engers II: Vom letzten Aufgebot zum A-Ligisten
aus Neuwied
Engers/Nauort. Als Schiedsrichter Luks Heep in Nauort die Partie abpfiff, kannte der Jubel keine Grenzen mehr.
Vor mehr als 1.000 Zuschauern stürmten die Spieler des FV Engers II auf den Platz, lagen sich in den Armen und feierten einen Erfolg, den vor drei Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Mit einem hochverdienten 5:1-Sieg im Entscheidungsspiel gegen den TV Mülhofen sicherte sich die Mannschaft von Trainer Torsten Gollnow den Aufstieg in die Kreisliga A und kehrt damit nach 17 Jahren ins Kreisliga-Oberhaus zurück.
Dabei hatte der Nachmittag alles andere als perfekt begonnen. Mülhofen ging früh mit 1:0 in Führung. Doch die Engerser ließen sich davon nicht beeindrucken. Nach einem zunächst aberkannten Treffer übernahm die Gollnow-Elf immer mehr die Kontrolle, drehte die Partie noch vor der Pause und ließ in der zweiten Halbzeit keinen Zweifel mehr daran, wer diesen Aufstieg mehr wollte. Louis Klapperich traf dreimal, Jonas von Haacke steuerte zwei weitere Tore bei.
Dass die Mannschaft nach dem Schlusspfiff ausgelassen feierte, hatte auch mit dem Weg zu diesem Erfolg zu tun. Vor drei Jahren übernahm Torsten Gollnow die Reserve des FV Engers in der Kreisliga C. Viel war damals nicht mehr übrig. „Wir hatten nur noch sieben oder acht Spieler“, erinnert er sich. Schritt für Schritt formte er zusammen mit seinem Stab und der Unterstützung des Vorstandes – besonders Geschäftsführer Patrick Twardy ist hier zu nennen - wieder eine Mannschaft. Erst gelang der Aufstieg in die B-Klasse. Im vergangenen Jahr verpassten die Grün-Weißen als Tabellendritter den nächsten Schritt nur knapp. Nun folgte die Krönung.
Dabei standen die Vorzeichen vor dieser Saison alles andere als günstig. Trotz vorheriger Zusagen verlor die Mannschaft kurz vor Saisonbeginn noch sieben Spieler, darunter fünf Stammkräfte. „Da haben wir uns schon gefragt, wie das werden soll“, sagt Gollnow. Mit einigen Neuzugängen gelang es dennoch, einen starken 25-Mann-Kader aufzustellen.
Die Antwort gab die Mannschaft auf dem Platz. Im Pokal sorgte sie für Aufsehen, warf gleich zwei A-Ligisten aus dem Wettbewerb und scheiterte erst am dritten Vertreter aus der höheren Klasse. Auch in der Meisterschaft lief es zunächst gut. Zur Winterpause lag der FVE auf Rang drei, nur zwei Punkte hinter den Aufstiegsplätzen.
Nach einer starken Vorbereitung folgte jedoch der Schock. Zwei unnötige Heimniederlagen direkt nach der Winterpause ließen die Konkurrenz enteilen. Mülhofen war plötzlich sechs Punkte entfernt, Meister Puderbach außer Reichweite. Rückblickend spricht Gollnow von einem „Hallo-Wach-Effekt“. Seine Mannschaft konzentrierte sich fortan nur noch auf das jeweils nächste Spiel und startete eine beeindruckende Aufholjagd.
Als Mülhofen später gegen Puderbach verlor, schrumpfte der Rückstand. Das direkte Duell endete dann zwar „nur“ 2:2, doch weil Mülhofen anschließend einmal überraschend patzte und Engers gleichzeitig Meister Puderbach bezwingen konnte, standen am Ende beide Mannschaften punktgleich da. Das Entscheidungsspiel musste über den Aufstieg entscheiden.
„Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten alle drei Mannschaften aufsteigen sollen“, sagt Gollnow mit Blick auf Puderbach und Mülhofen. Jeweils mehr als 20 Punkte Vorsprung auf den Tabellenvierten sprechen für sich. „Das waren über die ganze Saison die drei besten Mannschaften.“ Überhaupt ist dem Trainer wichtig, den Erfolg nicht an einzelnen Spielern festzumachen. Natürlich ragte Torjäger Timo Telocka mit 17 Treffern heraus. Natürlich war Eljvir Bajra, der bald seinen 50. Geburtstag feiert, erneut ein wichtiger Leistungsträger und wohl der älteste Spieler der Liga. Doch Gollnow blickt lieber auf das große Ganze. „Der Unterschied zur vergangenen Saison war der Zusammenhalt“, sagt er. „Die Jungs sind als Mannschaft unglaublich stark gewesen und haben deshalb auchdie vielen Verletzungen, die wir hatten, aufgefangen.“ Am Ende standen 92 erzielte Tore, 48 Gegentreffer und der Aufstieg.
Dass der Zusammenhalt nicht an den Grenzen einer Mannschaft endet, zeigte sich auch im Entscheidungsspiel. Mit Sören Klappert, Jonas von Haacke und Louis Klapperich halfen drei Spieler aus dem Oberligakader aus. Bom Wester und Mario Testa kamen aus der dritten Mannschaft dazu. Besonders bemerkenswert: Klapperich verlässt den Verein im Sommer, Klappert beendet seine Karriere. Trotzdem war es für beide selbstverständlich, die Zweite auf den letzten Metern zu unterstützen. Drei Mannschaften, ein Verein – dieses Motto wurde in Nauort eindrucksvoll mit Leben gefüllt.
Nach dem Abpfiff wurde es dann auch für den Trainer emotional. Gollnow dankte seiner Familie, die den Weg der vergangenen Jahre mitgetragen hat. Vor allem seine neunjährige Tochter Sasha Sofie spielte dabei eine besondere Rolle. „Nach jedem Training und nach jedem Spiel habe sie mich gefragt, wie es gelaufen ist. Nach Niederlagen hat sie mich wieder aufgebaut. Sie ist immer positiv und gibt mir unglaublich viel Kraft“, schwärmt der Trainer.
Vielleicht passt genau das auch zur Geschichte dieser Mannschaft. Als der Aufstieg zwischenzeitlich in weite Ferne gerückt schien, glaubte sie weiter an sich. Als Mülhofen sechs Punkte Vorsprung hatte, gab sie nicht auf. Und als sie im wichtigsten Spiel der Saison früh in Rückstand geriet, drehte sie die Partie trotzdem.
Jetzt wartet die A-Klasse. Und Torsten Gollnow weiß bereits, dass die Arbeit weitergeht. Der Aufstieg ist geschafft. Verstärkungen für die neue Saison sind willkommen. Nach dem, was in den vergangenen drei Jahren entstanden ist, dürfte es dafür genügend gute Argumente geben.“
Väter des Erfolges: Coach Torsten Gollnow (links) und Co-Trainer Björn „BK“ Kremer Foto: FV Engers
Nach dem Abpfiff gab es kein Halten mehr und die „Jungs vom Wasserturm“ feierten in Nauort ihren Aufstieg in die A-Klasse. Foto: FV Engers
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