Renovabis-Aktionstag im Heinrich-Haus in Neuwied-Engers
Leben macht Spaß!
Neuwied-Engers. Ganz im Zeichen des Miteinanders und der Begegnung stand der Aktionstag zur diesjährigen Renovabis-Aktion „Das Leben teilen. Solidarisch mit behinderten Menschen im Osten Europas“ im Heinrich-Haus in Neuwied-Engers. Die Fachkonferenz Weltkirche im Dekanat Rhein-Wied, die Pfarreiengemeinschaft Heimbach-Engers und das Heinrich-Haus hatten die Rollstuhltanzgruppe „Romantiker“ aus der Ukraine eingeladen. Am Ende des Tages waren alle Teilnehmer, ob aus Deutschland oder der Ukraine, tief beeindruckt.
„Wir hatten viele gute Gespräche, unsere Gäste waren sehr interessiert“, berichtete Margit Ebbecke, geschäftsführende Dekanatsreferentin. Besonders beeindruckt seien sie von der Infrastruktur im und am Heinrich-Haus gewesen, vor allem von der Möglichkeit, überall mit dem Rollstuhl hin zu gelangen. „Barrierefreiheit ist in der Ukraine offenbar noch ein Fremdwort“, sagte Ebbecke, „als Rollstuhlfahrer kommt man dort kaum vor die Tür.“ Dieser Eindruck wurde durch die Berichte der osteuropäischen Gäste bestätigt. So sei es sehr schwierig, als Rollstuhlfahrer einen Beruf auszuüben. Selbst wenn man die nötige Qualifikation mitbringe, komme man nicht an seinen Arbeitsplatz. Ein Gast schilderte seine Erfahrungen als Informatikstudent. Die Universität sei überhaupt nicht auf Rollstuhlfahrer eingerichtet gewesen. Die Seminarräume seien nicht barrierefrei zugänglich gewesen, behindertengerechte Toiletten habe es schon gar nicht gegeben. Doch habe er sich nicht entmutigen lassen und sich für Verbesserungen eingesetzt, mit Erfolg: Mittlerweile studierten dort mehrere Rollstuhlfahrer.
Stimmungsvoller Höhepunkt des Aktionstages war das Showprogramm der „Romantiker“.
Egal ob Volkstänze oder Rock ´n´ Roll: Die Tänzer im Rollstuhl beeindruckten durch sportliche Höchstleistungen verbunden mit viel Freude. Der Funke sprang schnell auf das Publikum über, das kräftig mitklatschte und Applaus spendete. „Was die mit ihren Rollstühlen angestellt haben, da habe ich mächtig gestaunt“, sagte Volker Hennen vom Heimbeirat des Heinrich-Hauses. „Unsere Gäste haben uns gezeigt: Leben macht Spaß!“, ergänzte Pastoralreferent Volker Collinet.
„Das war Ost-West-Kontakt auf sehr menschlicher Basis“, fasste Daniela Schulz, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei Renovabis, den Tag zusammen. Besonders dankte sie den Maltesern, die ein wichtiger Partner in Osteuropa seien und den Kontakt zu den Rollstuhltänzern ermöglicht haben.
Auch beim abschließenden Gedankenaustausch wurde noch einmal ein positives Fazit des Tages gezogen. Pfarrer Heinz Christ erinnerte daran, dass noch vor 20 Jahren Osteuropa als feindlich angesehen wurde. „Heute ist der Umgang miteinander zum Glück ganz normal.“ Die Gäste aus der Ukraine bedankten sich für „die Offenheit und Wärme unserer Gastgeber“. Und eine Bewohnerin des Heinrich-Hauses kündigte schon einmal an: „Ich fange an zu sparen für einen Gegenbesuch in der Ukraine.“
