Politik | 19.04.2015, 11:00 Uhr

Regionenbesuche der rheinlandpfälzischen Ministerpräsidentin

Malu Dreyer empfing Ehrenamtliche

Neuwied als elfte Station der Regionenbesuche - verschiedenste Gäste weilten beim Bürgerempfang in Feldkirchen

Die Ministerpräsidentin nahm sich für den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern viel Zeit.

Neuwied. Auf ihrer elften Station der Regionenbesuche weilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Neuwied. In der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Feldkirchen hatte sie zum Bürgerempfang eingeladen. „Der Bürgerempfang ist mein Lieblingsabschluss der Regionenbesuche“, sagte Malu Dreyer. Zunächst traf sie gegen Mittag im Ahrtal ein. Danach ging es zu Heuft Systemtechnik in Burgbrohl. In Feldkirchen traf die Ministerpräsidentin am Abend ein. Hier hatten Bürgerinnen und Bürger aber vor allem geladene Ehrenamtliche aus den Landkreisen Ahrweiler und Neuwied, die Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Heute Abend sind hier alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten vertreten“, versprach Landrat Rainer Kaul zur Begrüßung.

Exemplarisch nannte er die Landfrauen, Helferinnen der Kleiderkammer und Menschen, die sich den Flüchtlingen annehmen. „In Neuwied pflegen wir eine besondere Art der Willkommenskultur“, sagte der Landrat. Oberbürgermeister Nikolaus Roth begrüßte die Ministerpräsidentin und Gäste in der „offenen, lebendigen und von Toleranz geprägten Stadt Neuwied“. Malu Dreyer nickte zustimmend: „Der Rheinland-Pfalz-Tag in Neuwied bleibt mir ewig in Erinnerung. Am meisten hat mich der interreligiöse Gedanke beeindruckt.“ Beim Bürgerempfang waren es nicht Lobbyisten oder andere einflussreiche Interessenvertreter, denen die höchste Frau im Land zuhörte. Ihr war es wichtig, von der Arbeit aber auch den Sorgen und Nöten der Ehrenamtlichen zu erfahren. Dass die Frauen an diesem Abend in der Mehrheit waren, war kein Zufall.

„Ich lade immer besonders gerne Frauengruppen ein, weil sie die stillen Kümmerer um so viele Belange und Probleme sind“, verriet die Ministerpräsidentin. Mit der Ehrenamtskarte wolle sich das Land bei den besonders eifrig ehrenamtlich Aktiven erkenntlich zeigen. Der Neuwieder Stadtrat beschloss übrigens auf Antrag der FWG-Fraktion zu Beginn des Jahres zu prüfen, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Glücklich sprach sich Malu Dreyer darüber aus, dass 41 Prozent bzw. 1,5 Millionen Rheinlandpfälzer sich dem Ehrenamt verschrieben haben.

Den anwesenden Neuwieder Volleyballerinnen gratulierte Malu Dreyer zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Sie gestand ein, dass es der Spitzensport in Rheinland-Pfalz nicht leicht habe. Die Suche nach Sponsoren gestalte sich zunehmend schwierig. Und das, obwohl Rheinland-Pfalz, anders als früher häufig charakterisiert, nicht nur das Land der Rüben und Reben ist, sondern ein Industrieland. 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet die Industrie. Dass dies so nicht wahrgenommen wird, läge daran, dass es im Land nur wenig Großbetriebe gebe. 90 Prozent seien familiengeführte Firmen. Darunter, wie im Falle von Heuft in Burgbrohl, so genannte „hidden Champions“, also Unternehmen, die in speziellen Nischen zu den Weltmarktführern zählen.

Familienbetriebe - Garanten für wirtschaftliche Prosperität

Die Familienbetriebe bezeichnete Malu Dreyer als Garanten für die wirtschaftliche Prosperität des Landes. Die Verbindung von Tradition und Innovation zeichne diese Unternehmen aus. Seit Jahren weise Rheinland-Pfalz eine der niedrigsten Arbeitslosenquote aus. Das die Krisen der letzten Jahre gut gemeistert worden, läge auch am besonderen Verhältnis der Familienunternehmer zu ihren Mitarbeitern. Die Ministerpräsidentin lobte die Sozialpartnerschaft, sprich die gute Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung. Mit der Demografie kam sie auf eine der Sorgen der Unternehmen, zu sprechen.

Es gebe nur zwei Möglichkeiten den sich abzeichnenden Fachkräftemangel abzumildern. Zum einen jungen Menschen, die bislang scheiterten, eine zweite oder dritte Chance zu geben und zum anderen die Zuwanderung. In diesen Zusammenhang wies Malu Dreyer auf die Bedeutung von Bildung hin. Und weil diese für die Landesregierung schon in der Kita beginnt, werde es in Zukunft, ganz im Gegensatz zum Parteiprogramm der CDU, bei kostenlosen Kita-Plätzen bleiben. Bildung sei existenziell wichtig und dürfe nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Die Ministerpräsidentin unterstrich, dass Rheinland-Pfalz bundesweit nicht nur die jüngsten Lehrer, sondern auch die kleinsten Klassen vorweisen könne.

Fachkräfte durch duale Studiengänge und Inklusion

Damit die Unternehmen auch in Zukunft ihre Fachkräfte finden, hätte die Landesregierung in den letzten Jahren 50 neue duale Studiengänge entwickelt. Auch die Inklusion gehöre zu den Schwerpunktthemen der Regierung. Was die Integration von Menschen mit Handicap im Bildungswesen anbelangt, in Rheinland-Pfalz gebe es die meisten Förderschulen, sei die Landesregierung erfolgreich. Erklärtes Ziel sei nun, viel mehr behinderte Menschen in Arbeit zu bringen. Als Stärke von Rheinland-Pfalz bezeichnete Malu Dreyer den Tourismus. Die hier Engagierten forderte sie aber auf, sich auf zunehmend älter werdende Reisende einzustellen. Ältere Menschen bildeten auch den Abschluss ihrer Ausführungen.

„Es ist mir eine Herzensangelegenheit, hier etwas zu tun“, so die Ministerpräsidentin. Sie verwies auf ein „tolles Netzwerk helfender Institutionen“ und die Pflegeschwerpunkte im Land. Hier werde geholfen, die Pflege zu organisieren. Abschließend gab sie allen Gästen einen gut gemeinten Rat: „Versuchen sie möglichst lange in Selbstständigkeit zu laben. Aber nicht in Einsamkeit.“ Die ehemalige Sozialministerin verwies in diesem Zusammenhang auf die vielfältigen neuen, zum Teil generationsübergreifenden Wohnformen oder Wohngemeinschaften für Senioren.

Die Ministerpräsidentin nahm sich für den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern viel Zeit.
Malu Dreyer und Kathrin, die amtierende Weinkönigin von Leutesdorf.

Malu Dreyer und Kathrin, die amtierende Weinkönigin von Leutesdorf.

Fritz Langenhorst überreicht Malu Dreyer ein Gastgeschenk aus Ahrweiler, daneben Oberbürgermeister Nikolaus Roth.

Fritz Langenhorst überreicht Malu Dreyer ein Gastgeschenk aus Ahrweiler, daneben Oberbürgermeister Nikolaus Roth.

Die Ministerpräsidentin nahm sich für den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern viel Zeit.

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