Alexandra Irmgartz aus Neuwied ist Meisterin in der Porsche Club Historic Challenge
„Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen“
Neuwied. Die PCHC (Porsche Club Historic Challenge) 2014 ist eine internationale Rennserie, die mit Porscherennwagen der Reihe 914 über Transaxle bis hin zur 911er Baureihe ausgetragen wird. Außerdem waren in diesem Jahr erstmalig 997er Cup Porsche bis Baujahr 2008 startberechtigt. Die Wochenenden bestehen aus sieben Events, die aus zwei Zeittrainings und zwei Rennen von mindestens 25 Minuten Zeitdauer bestehen. In dieser Saison waren nicht selten 50 und mehr Porscheboliden auf der Piste, die den massig angereisten Fans guten und spannenden Motorsport boten. Neben klassischen Rennstrecken wie dem Nürburgring und Hockenheimring wurde auch auf der belgischen Ardennenachterbahn von Spa-Francorchamps und auf dem holländischen Dünenkurs von Zandvoort gefahren. Außerdem war man zum ersten Mal im französischen Dijon-Prenois am Start.
In der PCHC sind insgesamt elf Klassen geschaffen worden. Somit hat jeder Pilot, ob im 914er, im Transaxle oder im modernen 911er Porsche die Chance um den Titel mitzufahren.
Die schnelle Dame aus Neuwied
Die 27-jährige Rennfahrerin Alexandra Irmgartz aus dem Neuwieder Stadtteil Irlich kam als meisterschaftsführende zum Finale an den Nürburgring. Bei der ADAC Westfalen Trophy vom MSC Bork wurden verschiedene Endläufe von Rennserien gefahren. Tausende von begeisterten Rennfans sahen Spitzenrennsport auf der Nordschleife und der Grand Prix Rennstrecke. Mit sage und schreibe zwölf Klassensiegen in der diesjährigen Porsche Club Historic Challenge an den Nürburgring gereist, ging die schnelle Dame aus Neuwied auch das Heimrennen auf dem Nürburgring forsch an, und musste im ersten Rennen mächtig kämpfen, um sich ihrer Meisterschaft sicher zu sein. So viel Spannung hätte Alex Irmgartz wohl nicht unbedingt gebraucht, denn obwohl Konkurrent Matthias Dankmer auf dem 911er Porsche entwischt war, behielt sie die Nerven und ließ sich auf dem Weg zum Titel nicht beirren. Denn am Ende schnappte sich Irmgartz sowohl Dankmer und auch die Klassensiege 13 und 14 in dieser Saison. „Matthias Dankmer hat es mir heute nicht leicht gemacht. Ich habe ihn erst mal fahren lassen, weil ich wusste, dass er abbaut. Jetzt habe ich es geschafft,“ sagte die neue Titelträgerin. Irmgartz ist schon vierfache Meisterin der Spezial Tourenwagen Trophy in der Juniorenwertung und fügt jetzt einen weiteren Titel hinzu.
Der Weg zum Titel
Im badischen Motodrom Hockenheimring fand die erste Veranstaltung der PCHC statt, bei der sich die schnelle Frau aus Neuwied in ihrem Porsche 964 RS recht schnell zurechtfand, allerdings war es schwierig, aufgrund des gewaltigen Starterfeldes eine einigermaßen freie Runde zu erwischen. „In Q1 lag ich in meiner Klasse daher nur auf Rang drei. Doch insgesamt verlief das erste Wochenende in der für mich neuen Serie sehr gut und die Ergebnisse waren zufriedenstellend.“
In Oschersleben in der Magdeburger Börde ging es dann weiter mit dem zweiten Raceweekend. Dort standen gleich drei Rennen auf dem Programm. Gleich im ersten Lauf zeigte die Neuwiederin mit dem zweiten Gesamtplatz, was für eine schnelle Pilotin sie ist. „Ich habe im Rennen alles aus dem Auto rausgeholt und alles gegeben,“ so Irmgartz. Im zweiten Lauf setzte sie noch einen drauf und gewann mit sage und schreibe 27 Sekunden Vorsprung ihre Klasse. Schließlich ließ sie auch im dritten Rennen an diesem Wochenende nichts anbrennen und holte das Tripple und außerdem erkämpfte sie sich die Führung in der Meisterschaft 2014.
Im belgischen Spa-Francorchamps ging es dann mächtig zur Sache, denn es regnete in Strömen auf der schwierigen Ardennenachterbahn. Doch Irmgartz meisterte auch diese schwierige Situation und fuhr zum Klassensieg. Ihr Porsche war von Team Irmgartz optimal auf diese Situation bei nasser Piste und auch sonst während der ganzen Saison wunderbar eingestellt. „Es war ein schwieriges Rennen auf nasser Strecke und der Druck der Konkurrenz war enorm, deshalb bin ich happy, dass ich hier gewonnen habe, das Auto war toll eingestellt“, so Irmgartz. Im zweiten Rennen gelang ihr ein Superstart. Sie hielt auch dem Druck von Ralf Schmaus stand. Ein weiterer Klassensieg folgte. Dadurch behauptete sie auch weiterhin die Tabellenführung in der PCHC 2014. Am letzten Juliwochenende war die Serie zum zweiten Mal in Hockenheim zu Gast. Nach der Pole im Training zeigte Irmgartz den anderen Piloten das Heck ihres Porsche und landete einen tollen Doppelsieg im badischen Motodrom: „Die beiden Rennen haben einen Riesenspaß gemacht und mein Auto lief perfekt.“
Als meisterschaftsführende ging es nun auf den holländischen Dünenkurs in Zandvoort rund. Der fünfte Lauf war geprägt von vielen Unterbrechungen, bedingt durch Unfälle und Einschläge in der Leitschiene. Auch das unbeständige Wetter tat sein Übriges hinzu, um es den Piloten schwer zu machen. Doch die ehemalige Torfrau des Engerser Handballvereins meisterte auch diese Situation. Mit Klassensieg und Gesamtrang drei stahl sie allen Piloten die Show.
Mit Regenreifen startete sie zu Rennen zwei, indem es durch viele Überrundungen und Überholmannöver schwierig war, sich Platz um Platz nach vorne zu kämpfen. „Mit meinem zehnten Klassensieg und den zweiten Rang in der Gesamtwertung der Veranstaltung bin ich happy. Es war extrem schwierig, heute Rennen zu fahren. Ich bin glücklich, dass ich in dieser hart umkämpften Meisterschaft führe.“
Im vorletzten Rennwochenende machte der Renntross im französischen Dijon-Prenoir Station. Und Alexandra Irmgartz schaffte auf der anspruchsvollen Piste nach überragender Polebestzeit einen weiteren Klassensieg, umso bemerkenswerter, dass sie mit sage und schreibe 38,604 Sekunden Vorsprung auf Mitkonkurrent Enrico Schenke gewann. War das erste Rennen noch relativ unspektakulär, so war es im Zweiten umso nervenaufreibender, denn Irmgartz vernahm nach ca. zehn Minuten Renndauer eine große weiße Wolke im Heck des Porsche. „Mein erster Gedanke war, das wars, doch ich habe Speed rausgeholt und früher in höhere Gänge geschaltet. Dann bin ich einfach weiter gefahren, obwohl ich einige Zeit verlor, doch das war nicht zu vermeiden“, so Irmgartz. In der letzten Runde entschied sich das Rennen, denn die Neuwiederin bremste Mitkonkurrent Matthias Dankmer aus und entschied mit der Winzigkeit von 0,488 Sekunden Vorsprung die Rennschlacht. So sicherte sie sich die zweiten 21,0 Punkte und führte so vor dem Finale auf ihrer Heimstrecke Nürburgring. „Ich bin in die neue Serie in diesem Jahr eingestiegen und wollte einfach nur Spaß haben beim Rennfahren. Jetzt bin ich Meister geworden und kann es noch nicht fassen. Es war eine tolle Rennsaison mit spannenden und auch anstrengenden Rennen. Mal sehen, wie es im nächsten Jahr weitergeht“, so Alexandra Irmgartz.
