Politik | 08.11.2015

Wahl in Neuwied ist noch nicht entschieden

OB Roth verliert die absolute Mehrheit – Stichwahl am 22. November  

Außenseiter Paul-Peter Baum überrascht mit 11,5 Prozent

Absolute Mehrheit verloren aber Wahl gewonnen. OB Nikolaus Roth im Gespräch mit Ralf Seemann (Die Grünen). Fotos: FF

Neuwied. Die Neuwieder Oberbürgermeister Wahl geht in die Verlängerung. Keiner der vier Kandidaten erreichte die erforderliche absolute Mehrheit. Am 22. November werden die Neuwieder abermals zur Wahlurne gerufen. Zur Wahl stehen der amtierende Oberbürgermeister Nikolaus Roth und Martin Hahn (CDU). Als rund zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale das vorläufige Endergebnis feststand, gab es im Presseraum des Rathauses viele überraschte Gesichter. Nikolaus Roth erreicht 48,79% (8.811 von 49.403 Stimmen) und verfehlt damit das Ergebnis von vor sieben Jahren (62,48%) deutlich. Der aussichtsreichte Herausforderer, Martin Hahn von der CDU kam über 31,73% (5731 Stimmen) nicht hinaus. Prozentual liegt er damit hinter Vorgänger CDU Bernhard zur Hausen (32,35%), heimste aber rund dreihundert Stimmen mehr ein. Die Überraschung des Wahlabends ist der parteilose Paul-Peter Baum, der 11,5% (2077 Stimmen) verbuchte. Den Bündnis 90/Die Grünen Ralf Seemann wählten 7,98% (1441 Stimmen) der Wahlberechtigten. Wahl gewonnen aber Mehrheit verloren: Dennoch zeigte sich Nikolaus Roth gelassen. Das Ergebnis, abgesehen vom guten Abschneiden Paul-Peter Baums, sei für ihn keine Überraschung. „Ich habe immer gesagt, dass der dritte Anlauf nicht leichter wird. Zwar habe ich wohl 2/3 der Menschen schon die Hand geschüttelt aber auch einem Viertel auf den Füßen gestanden. Allen kann man es nicht recht machen“, kommentierte der Amtsinhaber. Dennoch bezeichnete er das Ergebnis als Motivation, in die nächste Runde zu gehen. Dabei hofft er auf die Stimmen derer, die Paul-Peter Baum gewählt haben. Eine Wahlempfehlung wird Nikolaus Roth von ihm aber nicht bekommen.  Martin Hahn aber ebenfalls nicht. Das stellte der Drittplatzierte noch am Wahlabend klar. Anders die Bündnis 90/Die Grünen. „Wir setzen uns in dieser Woche zusammen, beraten und werden eine Wahlempfehlung abgeben“, kündigte Ralf Seemann an. Über sein Abschneiden war er nicht ganz zufrieden und hatte sich insgeheim bei zehn Prozent gesehen. Während die Kalkulation in der Stadt aufging, lag er in den Stadtteilen teilweise im niedrigen einstelligen Bereich. „Vermutlich weil wir dort nicht mit eigenen Ortsverbänden vertreten sind. Ansonsten haben die Wähler/innen aber die kontinuierlich gute Arbeit der Grünen honoriert“. Überrascht zeigte er sich vom Abschneiden seines Mitkonkurrenten: „Das man mit so wenig Inhalt soweit kommen kann?“. Ralf Seemann sieht im Ergebnis daher ganz deutlich, dass es viele Protestwähler gibt. Diese Protestwähler möchte Martin Hahn zur Stichwahl auf seine Seite ziehen. „Wenn die Grünen und Paul-Peter Baum es mit dem Politikwechsel ernst gemeint haben, ist die Wahlempfehlung klar“, so Martin Hahn. Der CDU Fraktionsvorsitzende machte keinen Hehl daraus, „persönlich mehr erwartet zu haben“. Aber immerhin sei es erstmals gelungen, die absolute Mehrheit von Nikolaus Roth zu brechen. Obwohl er 17% hinter dem Amtsinhaber liegt, ist er optimistisch. „Wir konnten zur letzten OB-Wahl den Abstand zu Nikolaus Roth halbieren“, rechnet Martin Hahn vor. Wenn man zusätzlich das Potential von Seemann und Baum hinzurechnet, könnte es klappen, spekuliert der CDU-Kandidat. Das weiß auch Nikolaus Roth und kündigt seinerseits an, noch einmal alles zu geben. In der Stichwahl würden die Karten neu gemischt. Einen Grund für das starke Abschneiden des Außenseiters vermutet er in der Flüchtlingssituation, sagt aber: „Wir halten an unserer Politik fest“. Sowohl Nikolaus Roth als auch Martin Hahn wollen am 22. November ihr Potential heben. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der Wahlbeteiligung. Mit 37% lag diese zwar über den 34% von 2008, zufrieden damit war aber keiner der Kandidaten. Das Martin Hahn die absolute Mehrheit des Oberbürgermeister brechen konnte, lag an „seinem“ Stadtteil Heimbach-Weis. Hier hatte er mit 53% erwartungsgemäß die Nase vor. Anders in den anderen beiden CDU Hochburgen. „Das Ergebnis von Gladbach und Engers ist noch deutlich zu verbessern“, hofft Martin Hahn. Nikolaus Roth hatte seine Hochburgen deutlich gewonnen. Jeweils deutlich über 50% stimmten für ihn in Niederbieber, Rodenbach, Segendorf und Oberbieber. In Torney und Altwied waren es sogar über 60%. Allerdings gingen hier insgesamt nur 700 Bürger/innen zur Wahl. Paul-Peter Baum heimste mit 24% in seiner Heimat Feldkirchen sogar mehr Stimmen ein, als der CDU Kandidat. Mit dem Zahnarzt wenig anfangen oder keinen Anlass zum Protest sahen die Engerser, Gladbacher und Heimbach-Weiser, wo es für ihn jeweils nur zu rund 5% reichte. Während Nikolaus Roth, Martin Hahn und Ralf Seemann vor dem Bildschirm bzw. im Presseraum dem Ergebnis entgegen fieberten, besuchte Paul-Peter Baum ein Konzert. Danach kam er ins Rathaus, um sich zu informieren. „Ich hätte mir von den Neuwiedern mehr erwartet“, überraschte er die Anwesenden.   -FF-    

Persönlich hatte sich Martin Hahn (CDU) mehr erhofft und will in der Stichwahl alle für sich gewinnen, die nicht für den Amtsinhaber gestimmt haben.

Persönlich hatte sich Martin Hahn (CDU) mehr erhofft und will in der Stichwahl alle für sich gewinnen, die nicht für den Amtsinhaber gestimmt haben.

 "Ich hätte mir von den Neuwiedern mehr erwartet", sagte der parteilose Paul-Peter Baum beim Blick auf das Ergebnis.

 "Ich hätte mir von den Neuwiedern mehr erwartet", sagte der parteilose Paul-Peter Baum beim Blick auf das Ergebnis.

Absolute Mehrheit verloren aber Wahl gewonnen. OB Nikolaus Roth im Gespräch mit Ralf Seemann (Die Grünen). Fotos: FF

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Kommentare
12.11.201522:17 Uhr
Helmut Gelhardt

Bei den Kommentaren von Herrn Peter Schmalenbach handelt es sich zweifelsfrei um die wunderbare Selbstdemaskierung eines AfD-Protagonisten. Sein verqueres rechtes Gedankengut entlarvt sich permanent und bricht sich rücksichtslos Bahn. Das immense Ausmaß seiner geäußerten Unflätigkeiten steht in unmittelbarstem und engsten Zusammenhang mit dem Nichtvorhandensein von Geist und der Beschränktheit von Charakter. Man lese nur seine Ausführungen zu Herrn Seemann. Herr Schmalenbach - Sie sollten sich einfach nur
schämen und den Mund halten! Sie sind völlig demokratieuntauglich!


12.11.201509:39 Uhr
Peter Schmalenbach

Es ist typisch für links-rot-grüne Träumer wie Sie, Herr Gelhardt, dass Ihnen außer persönlichen Beleidigungen gegen politisch Andersdenkende und Personen, die - im Gegensatz zu Ihnen - die tatsächlichen Verhältnisse auf der Welt kennen, nichts einfällt, da Ihnen die Argumente fehlen. Lesen Sie weiterhin Ihre Bild-Zeitung und informieren Sie sich weiterhin durch ARD, ZDF, RTL, N24 und n-tv! Das sind die Medien, die erfolgreich Ihre kranke Weltanschauung (um bei dem von Ihnen verwendeten Begriff zu bleiben) in Ihr Gehirn eingepflanzt haben.

11.11.201523:05 Uhr
Helmut Gelhardt

Der Kommentar des Kommentators Peter Schmalenbach von der AfD ist an Niveaulosigkeit, Unsachlichkeit, politischer und gesellschaftlicher
Inkompetenz absolut unübertreffbar! Er ist geschmacklos und
abstoßend. War Herrn Paul-Peter Baum wirklich nicht bewusst,
in welches braune Kielwasser er sich da begeben hat? Niemand
sollte sich um die Stimmen dieser rechten politischen Gruppierung, die
sich Alternative für Deutschland nennt, bemühen! Diese politische Gruppierung ist eine Gruppierung, die in den Abgrund führt. Ganz tief!

10.11.201512:09 Uhr
Peter Schmalenbach

Zitat Seemann: "... haben die Wähler/innen aber die kontinuierlich gute Arbeit der Grünen honoriert“.
Soll das ein Witz sein, Herr Seemann? Sind Sie nicht bei Facebook angemeldet? Dort können Sie genau sehen, warum die Grünen so verhasst sind (Pädophilie, Korruption, Deutschlandhasser, Überflutung Deutschlands mit Menschen aus Nordafrika und aus dem Nahen Osten, "Nie wieder Deutschland" - Rufer, US-Marionetten, Dummköpfe, Studienabbrecher etc.).

09.11.201518:58 Uhr
Hildegard Luttenberger

Ich ordne die Stimmen für Paul Peter Baum zum Teil den Protestwählern zu. In Respekt, denn die gingen noch zur Wahl - teilweise sicher auch als pflichtbewusste Unzufriedene.
Ich wünsche mir sehr, dass man diesen Anerkennung zollt. Sie sind NeuwiederInnen - da gibt es keine Wahl!
Schwieriger finde ich, dass auch 4 Kandidaten nicht mehr als 37 % der Wahlberechtigten motivierten ihre Stimme abzugeben.

08.11.201523:51 Uhr
Michael Dahmen

Dass Ralf Seemann von Bündnis 90/Die Grünen mit 1.441 Stimmen nicht 7,98 % der Wahlberechtigten, sondern nur 7,98% der abgegebenen gültigen Stimmen erreichte, ist ein Fehler in ihrer Berichterstattung. Dass die 8.811 Stimmen die Nikolaus Roth auf sich vereinigen konnte aber keine 48,79% von 49.403 "Stimmen" sind, wie ihrem Artikel zu entnehmen ist, fällt selbst dem mathematisch unbegabtesten Leser auf. 49.403 ist die Anzahl der Stimmberechtigten. Der noch amtierende OB Roth hat mit 8.811 Stimmen aber nur 48,79% der gültig abgegebenen Stimmen (18.060) erreicht. Ich bitte um ein wenig mehr redaktionelle Sorgfalt bei der Interpretation von Wahlergebnissen.

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