Allgemeine Berichte | 29.05.2026, 10:35 Uhr

Die ersten und einzigen ihrer Art in Deutschland

Seltene Alaotra-Halbmakis im Zoo Neuwied angekommen

Alaotra-Halbmakis gelten laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „critically endangered“, also vom Aussterben bedroht.

Neuwied. Der Zoo Neuwied begrüßt eine zoologische Besonderheit: Erstmals leben dort zwei Alaotra-Halbmakis – eine der seltensten und am stärksten bedrohten Primatenarten der Welt. Die beiden anderthalb Jahre alten Brüder stammen aus dem niederländischen ZooParc Overloon.

„Mit den Alaotra-Halbmakis zeigen wir eine Tierart, die selbst viele Zoo-Fachleute noch nie live gesehen haben“, erklärt Zookurator Florian Bonenkamp. „Dass wir die erste und bislang einzige Haltung dieser Art in Deutschland übernehmen dürfen, ist für uns etwas ganz Besonderes und gleichzeitig eine große Verantwortung.“ Die Tiere haben ihr neues Zuhause im umgebauten Bereich des Menschenaffenhauses bezogen, in dem zuvor Kaiserschnurrbarttamarine untergebracht waren. Aktuell gewöhnen sich die Halbmakis Schritt für Schritt an ihre Innen- und Außenanlagen.

Alaotra-Halbmakis, auch Alaotra-Bambuslemuren genannt, gelten laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „critically endangered“, also vom Aussterben bedroht. Sie zählen zu den 25 am stärksten gefährdeten Primaten weltweit. Der Name „Alaotra-Bambuslemur“ ist dabei eigentlich irreführend: Zwar fressen die Tiere auch Bambus, ihre Hauptnahrung im natürlichen Lebensraum besteht jedoch aus Schilf und Papyrus. Im Zoo besteht der Speiseplan hauptsächlich aus verschiedenem Laub und Chicorée.

Die kleinen Primaten sind strenge Endemiten und kommen ausschließlich am Alaotra-See auf Madagaskar vor. Mit etwa 250 Quadratkilometern offener Wasserfläche und einer ähnlich großen angrenzenden Sumpflandschaft ist der Alaotra-See der größte See Madagaskars. Die ausgedehnten Schilfgürtel rund um das Gewässer bilden den einzigen natürlichen Lebensraum der Halbmakis weltweit. Doch genau dieses einzigartige Ökosystem ist massiv bedroht. Große Teile der Sumpfgebiete wurden bereits trockengelegt oder abgebrannt, um Platz für Reisfelder zu schaffen. Zudem wurden die einstigen Regenwälder rund um den See abgeholzt. Die daraus resultierende Bodenerosion sorgt dafür, dass immer mehr Erde in den flachen See gespült wird, der zunehmend verlandet. Für die dort lebenden Tierarten hat das dramatische Folgen. Schätzungen zufolge existierten bereits 2013 nur noch rund 2.500 Alaotra-Halbmakis im natürlichen Lebensraum. Zusätzlich werden die Tiere lokal wegen ihres Fleisches gejagt oder als Heimtiere gefangen.

Der Alaotra-Halbmaki nimmt unter den Lemuren eine Sonderstellung ein: Er ist die einzige Lemurenart, die direkt über dem Wasser lebt. Zur Fortbewegung nutzen sie die biegsamen Schilfstängel auf bemerkenswerte Weise: Sie klettern an einer Wasserpflanze empor, bis diese unter ihrem Gewicht umkippt, laufen über den querliegenden Halm weiter und erreichen so die nächste Pflanze. Auch Sprünge oder sogar Schwimmen gehören zu ihrem Repertoire.

In ihrer Heimat, wo sie „Bandros“ genannt werden, leben Alaotra-Halbmakis meist in kleinen Familiengruppen. Da ihre Nahrung vergleichsweise nährstoffarm ist, verbringen sie einen Großteil des Tages und auch der Nacht mit Fressen.

„Gerade weil diese Tiere so stark bedroht sind und ihr Lebensraum immer kleiner wird, sind moderne Zoos wichtig für den Erhalt der Art und für die Sensibilisierung der Besucher“, betont Florian Bonenkamp. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es Lemuren gibt, die mitten im Schilf über dem Wasser leben.“

Europaweit werden Alaotra-Halbmakis nur in 16 zoologischen Einrichtungen gehalten, insgesamt leben dort knapp 60 Tiere. Mit der Aufnahme der beiden Brüder beteiligt sich nun auch der Zoo Neuwied aktiv am EAZA Ex-Situ Programm (EEP) für diese außergewöhnliche und hochbedrohte Primatenart.

Pressemitteilung Zoo Neuwied

Die kleinen Primaten kommen ausschließlich am Alaotra-See in Madagaskar vor.

Die kleinen Primaten kommen ausschließlich am Alaotra-See in Madagaskar vor. Foto: Ben Ulrich

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Alaotra-Halbmakis gelten laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „critically endangered“, also vom Aussterben bedroht. Foto: Ben Ulrich

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