Politik | 26.09.2015, 11:12 Uhr

Städtepartnerschaft zwischen Neuwied und Suqian / China besiegelt

Vorteile für beide Seiten im Fokus

Oberbürgermeister Wang Tianqi und Oberbürgermeister Nikolaus Roth präsentieren die Partnerschaftsurkunde.
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Neuwied. „Glückliche Dinge brauchen einen längeren Vorlauf“. An dieses chinesische Sprichwort erinnerte Generalkonsul Liang Jianquan. Im Rahmen einer feierlichen Stadtratssitzung mit musikalischer Untermalung der Jungen Philharmonie Neuwied unterschrieben Oberbürgermeister Nikolaus Roth und Oberbürgermeister Wang Tianqi die Partnerschaftsurkunde zwischen Neuwied und Suqian, eine von über einhundert Millionenstädten Chinas. Am Stadtrat hatte der längere Vorlauf nicht gelegen. Wang Tianqi lobte ausdrücklich dessen Tempo. Die Geschwindigkeit hatte er von einem europäischen Stadtparlament nicht erwartet. Erst im April dieses Jahres hatte sich erstmals eine Neuwieder Delegation mit der 5,6 Millionen Metropole bekannt gemacht. Diese positiven Eindrücke und Erfahrungen ließen aus der Idee, in atemberaubendem Tempo, so Nikolaus Roth, schon im Juli einen Beschluss werden. Das chinesische Sprichwort kommt deshalb zum Tragen, weil die ersten Kontakte auf das Jahr 1997 zurückgehen. Damals gastierte der chinesische Staatszirkus in Neuwied. OB a.D. Manfred Scherrer knüpfte seinerzeit Kontakte mit der chinesischen Botschaft. Man unterzeichnete eine Absichtserklärung über die Begründung einer freundschaftlichen Zusammenarbeit. Damals hatte Suquian 150.000 Einwohner. Aufgrund personellen Wechsels auf beiden Seiten blieb es bei der Erklärung und der Kontakt brach 2000 ab. „Im Jahre 2014 wurde ich durch Fen Zhang völlig unabhängig von den damaligen Ereignissen auf die Möglichkeit einer Städtepartnerschaft mit ihrer Heimatstadt angesprochen“, berichtete der Oberbürgermeister. Erst in der Folge stellte sich heraus, dass es sich um die gleiche Stadt wie vor 18 Jahren handelte. Dann ging alles sehr schnell.

„Zentrum für Bequemlichkeit“

Zwei chinesische Delegationen besuchten Neuwied. Im Frühjahr dann der Besuch der Neuwieder in Suqian. „Sehr schnell wuchs das gegenseitige Vertrauen und der freundschaftliche Kontakt zwischen allen Beteiligten“, berichtete Nikolaus Roth. Einen Grund darin sieht er in der „gleichen Sprache“ von Repräsentanten der Kommunalverwaltung. Man stellte fest, dass die Organisation des Zusammenlebens der Menschen in der Stadtgesellschaft immer wieder dieselben Anforderungen an die Heimatorte haben, egal wo diese auf dieser Welt liegen. Überrascht stellte die Neuwieder Delegation fest, dass es auch in Suqian ein Bürgerbüro, das sogenannte „Zentrum für Bequemlichkeit“, zur Erledigung eines Großteils der Anliegen, gibt. „Vielleicht sollten wir dessen Namen übernehmen“, schmunzelte der Oberbürgermeister. Die Städtepartnerschaft fußt auf einem Memorandum. Darin heißt es, als Ziele der Zusammenarbeit, sich einander besser kennenzulernen und die Freundschaft sowie die gute Beziehung bei der Zusammenarbeit zu verstärken. Auf der Grundlage von Gleichberechtigung und gegenseitigen Nutzen unterstützen und fördern die Verwaltungen beider Seiten die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Handel, Sport, Bildung, Kultur und Technologie“. Es ist beabsichtigt, Kontakte zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, Schülerinnen und Schülern und Unternehmungen herzustellen, um zum beiderseitigen Nutzen beizutragen. Damit ist ebenfalls die Hoffnung verbunden, dass eine Annäherung der Menschen erfolgt. Als erstes wurde bereits die Wirtschaft aktiv, die verschiedentlich schon ihre Fühler nach Suqian ausgestreckt hat. Daher dankte der Oberbürgermeister den Wirtschaftsvertretern besonders herzlich für das Kommen. Die Festveranstaltungen besuchten ebenfalls Neuwieder Ehrenbürger, ehemalige Stadtvorstände, die Schulleiter der berufsbildenden Schulen sowie die Fürstinnen Sophie Charlotte und Isabelle zu Wied. Das aktuell ins Stocken geratene Wirtschaftswachstum Chinas soll niemanden beunruhigen.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Wang Tianqi versicherte, dass die chinesische Wirtschaft weiter wachsen wird. Nach Schnelligkeit setze man zukünftig auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Neuwied kann hier konkret helfen. Suqians Oberbürgermeister verspricht sich von Neuwied Hilfe in Sachen Abwasserbeseitigung und energetischen Baustoffen. Seiner Beobachtung nach verbessern sich die Beziehungen zu Deutschland kontinuierlich. „Wir können viel von Deutschland lernen, nicht nur im Umgang mit Flüchtlingen“, sagte Wang Tianqi in Anspielung auf die aktuelle Lage. Die verbesserten Beziehungen führt Generalkonsul Liang Jianquan auf die sich mehrenden Begegnungen zurück. 600.000 Deutsche besuchten China in 2014, umgekehrt waren es über eine Millionen. „Ich bringe meine Gratulation, Hochachtung und Dankbarkeit zum Ausdruck“, wandte sich der Generalkonsul an die Stadträte.

78. Städtepartnerschaft mit China

Neuwied ist die achtundsiebzigste Städtepartnerschaft mit China. Städtepartnerschaften stellte Nikolaus Roth in den Kontext zu einer besseren Völkerverständigung. Ob zur Aussöhnung mit Frankreich oder der gemeinsamen Trauerarbeit mit Israel. „In dem gleichen Sinne versprechen wir uns von einer Städtepartnerschaft mit Suqian, für die Menschen konkret in beiden Städten eine Verbesserung ihrer Lebenssituation. Ebenso einen, so doch unschätzbar wichtigen Beitrag zum Frieden in der Welt. Gerade die Graswurzelpartnerschaften sind hierzu in besonderer Weise geeignet“, so der Oberbürgermeister. Abschließend zitierte er Kurt Tucholsky: „Freundschaft, das ist wie Heimat“.

Oberbürgermeister Wang Tianqi und Oberbürgermeister Nikolaus Roth präsentieren die Partnerschaftsurkunde.

Oberbürgermeister Wang Tianqi und Oberbürgermeister Nikolaus Roth präsentieren die Partnerschaftsurkunde.

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