Erinnerung an das „Wunder von Remagen“ vor 70 Jahren
35 Jahre Friedensmuseum
Remagen. Als „Wunder von Remagen“ ging sie in die Geschichte ein, die Brücke von Remagen, die Ludendorffbrücke, auf der vor 70 Jahren rund 8.000 US-Soldaten erstmalig den Rhein überquerten. Die Eroberung der Brücke durch die Amerikaner verkürzte die Grauen des Zweiten Weltkrieges sicher um Wochen.
Mit Herz und Verstand für den Frieden
Nun hatte der Verein Friedensmuseum Brücke von Remagen um Vorsitzenden und Ex-Bürgermeister von Remagen Hans Peter Kürten und die Stadt Remagen zu einer Gedenkveranstaltung in die Rheinhalle eingeladen. Rund 500 Menschen, darunter Kriegsveteranen aus den USA, Belgien und Deutschland, auch einige Nachfahren kamen, um sich gemeinsam zu erinnern. Gleichermaßen war die Gedenkveranstaltung auch dem Friedensmuseum in den ehemaligen Brückentürmen von Remagen gewidmet. Das Friedensmuseum, aufgebaut nach der Idee vom damaligen Bürgermeister Hans Peter Kürten, schon seit Jahrzehnten weltweit bekannt, ist in diesem Jahr 35 Jahre alt. Die Begrüßung der zahlreichen Gäste aus nah und fern oblag Hans Peter Kürten. Sein besonderer Gruß galt Innenminister Roger Lewentz, Landrat Dr. Jürgen Pföhler, dem ersten Beigeordneten der Stadt Remagen Rolf Plewa, den Landtagsabgeordneten Horst Gies und Marcel Hürter, Dr. Andrew B. Denison aus Königswinter, Direktor des Forschungsverbundes Transatlantic Networks, den jungen Amerikanern der Highschool Ansbach, Gert Scheller, dem Sohn des Major Hans Scheller, der den Befehl zur Sprengung der Brücke gab, sowie dem 92-jährigen amerikanischen Kriegsveteranen Paul Schumacher, der an der Eroberung der Brücke von Remagen beteiligt war und sie am 8. März unter heftiger Bombardierung überquerte. „Der Übergang der Amerikaner über die Brücke war das Glück für uns alle“, betonte Kürten. Kürten erinnerte auch an die Anfänge des Friedensmuseums. 1969 habe die Stadt das Gelände von der Bahn gekauft. Die Pfeiler im Rhein seien abgebaut worden. Aus diesen Steinen habe er nach seiner Idee die Brückensteine als Gedenksteinchen in Acryl gießen lassen. Aus diesen Steinchen mit Urkunde wurden die Bausteine für das Friedensmuseum. „Bisher wurden über 5.350 Steine verkauft. Am 7. März 1980 wurde das Friedensmuseum eröffnet und ist bis heute von über 717.000 Menschen besucht worden. Das Friedensmuseum Remagen ist eines von 100 weltweit und zählt zu den 20 ältesten. „Lasst uns jeden Tag mit Herz und Verstand für den Frieden arbeiten. Beginne jeder bei sich selbst“, nannte Kürten die zentrale Botschaft des Friedensmuseums. Innenminister Roger Lewentz betonte: „Wir sind in der Lage gemeinsam eine freiheitlich demokratische Welt zu schaffen. Mahnmale sind als Zeichen enorm wichtig für die, die sich erinnern wollen und die jungen Menschen, die etwas erfahren wollen“.
Freiheit als Chance
Das Friedensmuseum leiste seit 35 Jahren einen wichtigen Beitrag zur deutsch-amerikanischen Völkerverständigung. „Wir müssen uns auch in den nächsten Jahrzehnten für Frieden, Freiheit und Demokratie einsetzen“, so Lewentz. Der kürzlich verstorbenen ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker habe gesagt: „Die Freiheit ist kein Geschenk, von dem man ewig leben kann, sondern eine Chance“. Landrat Dr. Jürgen Pföhler nannte die Brücke von Remagen als eines der Symbole für den Zusammenbruch des Dritten Reiches. Man könne sich nicht vorstellen, was die Menschen hier vor 70 Jahren hätten durchmachen müssen. Er erinnerte an die fünf Menschen, die standgerichtlich hingerichtet worden seien. Es sei wichtig die Geschichte und die Geschehnisse von damals aktiv aufzuarbeiten. Pföhler zeigte sich beeindruckt, dass die „Feinde von damals, hier und heute als Freunde zusammensitzen“. Der erste Beigeordnete der Stadt Remagen, Rolf Plewa, überbrachte die Grüße von Bürgermeister Herbert Georgi. Er dankte all denen, die nicht müde werden, sich für den Frieden einzusetzen. „Wir sind stolz auf das Friedensmuseum. Wir sind stolz auf Hans Peter Kürten und alle, die sich ehrenamtlich für den Frieden einsetzen. Die Brücke von Remagen und auch das Friedensmuseum haben Remagen ein Gesicht gegeben“, so Rolf Plewa.
Es herrscht Frieden
Zwei amerikanische Jugendliche, die mit einer ganzen Gruppe von Jugendlichen von der High School in Ansbach zur Gedenkveranstaltung gekommen waren, betonten, dass Amerikaner und Deutsche die Feinde waren, den Frieden herbeigesehnt hätten. Beide hätten die schreckliche Zeit überwunden und seien Freunde. „Wenn sich Menschen Freunde nennen, herrscht Frieden“, so die beiden jungen Amerikaner. Einen großen Abriss über den Krieg vor 70 Jahren an den Brückentürmen bis zum heutigen Ort von idyllischer Schönheit gab Andrew B. Denisen.
Ein regnerischer Mittwoch
„Hier an den Ufern dieses ewigen Flusses, am 7. März 1945, einem regnerischen Mittwochnachmittag, ergab sich eine glückliche Gelegenheit. Abgekämpfte und durchnässte Einheiten der 9. Gepanzerten US-Division, die auf einem Hügel oberhalb der Kirchturmspitzen der Sankt Apollinaris-Kirche standen, erblickten eine intakte Brücke, die sowohl den Übergang zum Ostufer, als auch zu allem was dahinter lag, ermöglichte. Das war zwar nicht Teil des Plans, doch der amerikanische Leutnant Karl Timmermann, ein Amerikaner deutscher Herkunft, bekam ein schicksalhaftes „O.K.“ von General William M. Hoge. Bald war die Brücke eingenommen“, so Denisen. General Eisenhower habe gemeint, die Brücke sie ihr „Gewicht in Gold“ wert. Dann sei die Brücke in den kalten dunklen Rhein gefallen und habe 28 US-Soldaten mit sich gerissen. Die Brücke sei zerstört gewesen, die Überquerung geschafft. Die Überquerung sei Glück in Zeiten des Unglücks gewesen. Denisen sagte Dank den Veteranen, sowie ihren Freunden und Familien. Er sagte Dank der deutschen Bevölkerung für die erstaunlichen Erfolge der letzten 70 Jahre. Einer dieser Erfolge sei die Realisierung des Friedensmuseums von Remagen vor 35 Jahren gewesen. Das Friedensmuseum sei eine wertvolle "Brücke" zwischen Deutschland und Amerika. Denisen führte auch ein kurzes Interview mit dem amerikanischen Zeitzeugen Paul Schumacher. Gert Scheller, Sohn von Major Hans Scheller, betonte in seiner kurzen Ansprache, dass sein Vater letztendlich für die Sprengung der Brücke verantwortlich gewesen sei. Er habe den Befehl gegeben. Es sei ihm ein Herzenswunsch, sich bei den amerikanischen Soldaten zu bedanken. Sie hätten im Frühjahr 1945 die Herrschaft eines menschenverachtenden Systems beendet und den Deutschen damit ein Leben in Freiheit geschenkt.
Befehl: Sprengung der Brücke
Major Hans Scheller hatte am 7. März 1945 den Befehl zur Sprengung der Brücke gegeben. Nachdem das Vorhaben gescheitert war, wurde der Major von einem Fliegenden Standgericht wegen Verrats zum Tode verurteilt. Er wurde am Morgen des 9. März von einem Hinrichtungskommando der Wehrmacht in einem Waldstück bei Altenkirchen erschossen. In einem Wiederaufnahmeverfahren beim Landgericht Landshut erreichte die Witwe Liesel Scheller-Gottschalk 1967 einen nachträglichen Freispruch für ihren Mann. Im Anschluss an den Festakt in der Rheinhalle zogen die Teilnehmer in einem großen Gedenkzug zum Friedensmuseum, zu den ehemaligen Brückentürmen auf Remagener Seite, um den Opfern des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Das Gebet sprach vor Ort Pfarrerin Lisa Reuter. Sie mahnte, die Erinnerung an das Geschehen des Zweiten Weltkrieges wachzuhalten, damit so etwas nie wieder geschehen könne. Nach einem gemeinsamen "Vater unser" legten die Veteranen, die amerikanischen Besucher aus Wiesbaden, die Schüler der High School Ansbach und die Stadt Remagen einen Kranz und ein Blumengesteck vor dem Friedensmuseum nieder. Im Anschluss gab es bei einem gemeinsamen Mittagsmahl in der Rheinhalle noch viele Gespräche unter den Besuchern der Gedenkveranstaltung.
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Denisen (am Pult stehend) führte ein kurzes Interview mit dem amerikanischen Zeitzeugen Paul Schumacher (re.).
