Unterschriften der Bürgermeister besiegeln die künftige Einheit von Marienthal
Ab dem 1. Januar gehört das ganze Dorf zu Dernau
Marienthal. Jahrhunderte der Teilung gehen per Verwaltungsakt zum Jahreswechsel für Marienthal zu Ende. Denn bislang ist der Hubach die Grenze mitten im Dorf zwischen Dernauer und kreisstädtischem Gebiet oder historisch zwischen der Herrschaft Saffenburg-Aremberg im Westen und dem kurkölnischen Ahrweiler im Osten. Am Montag, einem Tag, den spätere Generationen vielleicht als historisch bewerten werden, haben Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen und Altenahrs Verbandsbürgermeister, Dominik Gieler, sowie Ortsbürgermeister Alfred Sebastian für Dernau die „Vereinbarung über die freiwillige Gebietsänderung im Bereich der Ortslage Marienthal“ im neuen Freundschaftshaus unterzeichnet. Und damit für die Zukunft alles geregelt ist, besiegelten auch die Werkleiter der Wasser- und Abwasserwerke Dirk Weber für Bad Neuenahr-Ahrweiler sowie Peter Dismon für den Bereich Abwasser und Theo Waerder vom Zweckverband Wasserversorgung EifelAhr, der auch für die Verbandsgemeinde Altenahr zuständig ist, den siebenseitigen Vertrag.
Damit gehört Marienthal ab null Uhr am 1. Januar 2024 komplett zur Gemeinde Dernau und damit zur Verbandsgemeinde Altenahr. Die Kreisstadt gibt insgesamt 13,7 Hektar Fläche ab. Es ist die zweite Gebietsänderung in der Kreisstadt seit dem Zusammenschluss von Bad Neuenahr und Ahrweiler 1969. 1974 war Ramersbach hinzugestoßen, jetzt verlässt Marienthal die Bindestrichstadt. Damit wird es dann auch neue Ortsschilder geben. Für die Verbandsgemeinde Altenahr ist es die zweite Vergrößerung in 50 Jahren. 1973 traf die Ortsgemeinde Kalenborn die Entscheidung, ihre Eigenständigkeit zu behalten, sich von der zum März 1974 zu gründenden Gemeinde Grafschaft zu lösen und sich der vier Jahre zuvor gebildeten jungen Verbandsgemeinde Altenahr anzuschließen.
Kleine Gebietsreform
Die jetzt anstehende „kleine Gebietsreform“, der die entsprechenden Kommunalparlamente beider Seiten einstimmig zugestimmt haben, hat eine Vorgeschichte. Denn durch die Ereignisse vom 14. auf den 15 Juli 2021 wurde das Ahrtal und so auch Marienthal von der Flutkatastrophe sehr stark getroffen und forderte neben dem hohen materiellen Schaden auch Menschenleben. Von 37 Häusern wurden 34 bis in den ersten Stock und darüber hinaus geflutet. In der daraufhin beginnenden Phase von Menschensuche und Häuserräumung stellte sich bereits heraus, dass in Marienthal verschiedene Zuständigkeiten zu Missverständnissen und Fehlzuständigkeiten führten. Alleine die eingesetzten Kräfte von Feuerwehr, DRK, THW, Polizei und sonstigen Hilfsorganisationen waren mit der Doppelzuständigkeit überfordert. Durch die unterschiedliche Gebietsform (Stadt und Verbandsgemeinde) und den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Zuständigkeiten zwischen Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde und Stadt kam es bis dato zu Unstimmigkeiten.
Unterschiedliche Regelungen
So ist auch die Ver- und Entsorgung der beiden Ortsteile unterschiedlich geregelt. Weiterhin stellen die unterschiedlichen Postleitzahlen eine zu lösende Aufgabe bei der Navigationsführung von Einsatzkräften dar. Im Rahmen der Katastrophenhilfe wurden Einsatzkräfte oft an falsche Orte navigiert. Auch im Alltag führt die Ortsteilung zu Problemen. Angefangen von der Poststeuerung über die Lieferdienste und durch die Teilung bedingte falsche Adressangaben. Außerdem ist aufgrund der geringen Einwohnerzahl eine Teilung des Ortsteils nicht vertretbar. So sind in Marienthal insgesamt 83 Einwohner gemeldet, 33 hiervon auf kreisstädtischer Seite. Durch die Gebietsänderung können jetzt diese Missstände beseitigt werden.
So kann eine Neuzuordnung der Straßen und Hausnummern erfolgen. Finanzierungen, die beide Ortsteile betreffen, können aus einer Hand erfolgen. Außerdem kann so das ohnehin schon vorhandene Gemeinschaftsgefühl der Marienthaler Bevölkerung weiter gestärkt werden.
Dies zeigt sich auch durch das eindeutige Ergebnis der Anliegerbefragung. Von 85 befragten Personen sprachen sich 77 Personen (91 Prozent) für eine Gebietsänderung aus. Bei einer seitens der Kreisstadt durchgeführten Meinungsbefragung, wobei ausschließlich die Einwohner sowie die Eigentümer bewohnter Grundstücke des städtischen Teils von Marienthal befragt wurden, befürworteten 29 Personen eine Gebietsänderung, fünf Personen sprachen sich dagegen aus und drei Personen enthielten sich. Von den insgesamt 47 angeschriebenen Personen nahmen 37 an der Befragung teil.
Eindeutige Ergebnisse
Eindeutige Ergebnisse, die Dominik Gieler bei der Vertragsunterzeichnung so bewertete: „Der Ruf nach der Zusammenlegung des getrennten Ortes Marienthal kam aus der Bevölkerung. Der Wunsch der Bürger von Marienthal passt zu meinem Wahlversprechen, nämlich, dass die Verbandsgemeinde wächst.“ Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen machte deutlich, dass sich Bad Neuenahr-Ahrweiler ungern von Marienthal trenne, das Wohl der Bürger aber Vorrang habe. Denn die Flut habe gezeigt, welche Schwierigkeiten eine Trennung in Sachen Zuständigkeiten mit sich bringe. Und Alfred Sebastian sprach als Dernauer Ortsbürgermeister von einem historischen Moment. Denn zur kirchlichen Zusammengehörigkeit mit Dernau käme jetzt nach Jahrhunderten auch die politische Einheit.
Dank an den „Dorfkümmerer“
Dominik Gieler nutzte den kleinen Festakt auch zu einer Danksagung. Dank ging an „Dorfkümmerer“ Rolf Schmitt. „Diesen Titel hat sich Rolf Schmitt mit seinem Engagement und seiner Beharrlichkeit erarbeitet und er fasst sein Engagement treffend zusammen.“ Seit der Flutkatastrophe setze er sich insbesondere für seinen Heimatort Marienthal in vielfältiger Weise ein: Beim Aufbau und Betrieb des Nahwärmenetzes sei er engagiert, am neuen Freundschaftshaus habe er sich beteiligt und er sei ein konstruktiv diskutierender Bürger für die Belange des Ortes Marienthal. Als Anerkennung überreichte Gieler dem Wimpel der Verbandsgemeinde für das Freundschaftshaus an Rolf Schmitt.
GS
Ganz Marienthal gehört ab dem 1. Januar 2024 zur Gemeinde Dernau.
