Leserbrief
Adieu – liebe Kö
Modernisierungswelle schwappt nun auch in den Bereich der Sprache über
Die Neuenahrer Modernisierungswelle schwappt nun auch in den Bereich der Sprache über: „Für überholt hält Engelbert Felk (FWG) hingegen den Begriff Kurpark. Die Zeiten von ‚Kurdirektor oder Kur- und Verkehrsverein‘ seien vorbei.“ So war es in einem Artikel der Regionalpresse, unter der Schlagzeile „Kaiser und Könige haben ausgedient“, zu lesen.
„Eine Kur (von lateinisch cura „Sorge“,...“Behandlung,...“Heilverfahren“, wird laut Wikipedia, „umgangssprachlich häufig als Synonym für ‚Rehabilitationsmaßnahmen‘ genutzt.“... Die Anwendung ortsspezifischer Heilmittel (z.B. Quellen) zeichnen einen Kurort oder ein Heilbad aus, „die sich in der Regel auch in landschaftlich reizvoller Lage befinden.“ Damit ist Bad Neuenahr zu dieser schönen Stadt geworden, aus den armen Dörfern Wadenheim, Hemmessen und Beuel zusammen hervorgegangen. Seit Jahrzehnten schallt der Werbeslogan „Aus dieser Quelle trinkt die Welt“ um den Globus. Das rote Dreieck auf dem Flaschenetikett des Neuenahrer Mineralwassers ist auf vielen Konferenztischen wichtiger Gremien zu sehen. Und nun soll das Wort „Kur“, nebst „Kaiser-Wilhelm-Park“ sowie die Namen an- derer Liegenschaften überholt oder wie der Rheinländer politisch unkorrekt sagt: „Aale Kääs!“ sein. Man stelle sich vor, ein Düsseldorfer würde empfehlen, die Königsallee (Kö), eine der führenden Luxuseinkaufsstraßen Europas, umzubenennen, da „die Zeit der Könige vorbei sei“. Oder ein über kreativer Zeitgenosse würde die Römerstraße umbenennen wollen, nur weil keine Pferdeäpfel römischer Gäule mehr auf der Straße liegen und jetzt Sechszylinder mit 200-facher Pferdestärke über den Asphalt brettern. Bleibt zu hoffen, dass weiterhin die Vernunft in Bad Neuenahr regiert und man nicht im Modernisierungsrausch die Bodenhaftung verliert. Denn oftmals ist das vermeintlich Bessere, das Gute schlecht.
Hans Scholz
Bad Neuenahr-Ahrweiler
