An der falschen Stelle gespart
Leserbrief zum Artikel „In Rheinbreitbachs Sporthalle…“ in der BLICK aktuell-Ausgabe Nr. 38/2016 und zum Leserbrief von Barbara Bokeloh „Was passiert in unseren Gemeinden“ in der BLICK aktuell-Ausgabe 39/2016
Rheinbreitbach. Eigentlich ist den Worten von Frau Bokeloh nichts mehr hinzuzufügen. Sie beschreibt präzise, was nicht wenige Rheinbreitbacher mittlerweile über die Politik in ihrem Ort denken. Im Grunde genommen ist es ein Witz – ein schlechter allerdings -, wie der Gemeinderat mit „seinem“ Sportverein umspringt, der für alle Bürger des Ortes seit Jahrzehnten nicht nur ein vielfältiges Angebot unterbreitet, sondern auch eine wichtige soziale Funktion wahrnimmt. Dass die Entscheidung, die Erneuerung der Lichtanlage permanent zu vertagen, auch ein Tritt vor das Schienbein aller jener ist, die sich seit vielen Jahren unermüdlich ehrenamtlich im Verein engagieren und dafür Sorge tragen, dass alle Sportbegeisterten (die dafür selbstverständlich auch noch Beiträge bezahlen) vernünftige Bedingungen vorfinden, scheint im Rat auf taube Ohren zu stoßen. Offenbar gab und gibt es für die Gemeindepolitiker wichtigere Projekte. Projekte, so drängt sich der Verdacht auf, mit denen man sich möglicherweise besser profilieren kann als mit der längst überfälligen Erneuerung der Hallenbeleuchtung. Wenn dann die Ankündigung des SVR, mit diesem Ärgernis notfalls an die Öffentlichkeit zu gehen, von einzelnen Gemeinderatsvertretern auch noch als „Ding der Unmöglichkeit“ oder gar „Erpressung“ abgekanzelt wird, sagt das eigentlich alles. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Wessen Interessen vertreten diese Damen und Herren eigentlich?
Fakt ist: Die Beleuchtung in der Hans-Dahmen-Halle in Rheinbreitbach ist schon seit vielen Jahren ein Ärgernis. Und das ist dem Gemeinderat bekannt. Für manche Sportarten wie etwa Tischtennis oder Badminton sind die Lichtverhältnisse geradezu katastrophal. Wenn bereits Gastmannschaften zu Punktspielen Messgeräte mit in die Halle bringen, um die miesen Verhältnisse zu dokumentieren und sich zu beschweren, so sagt das eigentlich schon alles. Glücklicherweise wurden bislang auf offizielle Proteste verzichtet.
Wie Gemeinderatsvertreter im sogenannten Sparausschuss zu der Feststellung gelangen, die bestehende Beleuchtungsanlage erfülle alle Voraussetzungen und würde überdies „regelmäßig“ gewartet, bleibt wohl ihr Geheimnis. Hätten sie in den letzten Wochen nur einen Blick in die Halle geworfen, wären sie umgehend eines Besseren belehrt worden. Defekte Lampen werden - wenn überhaupt - trotz sofortiger Nachricht oft erst nach Monaten ausgetauscht, sodass der Trainingsbetrieb in dieser Zeit nur noch eingeschränkt stattfinden kann. Quittiert dann wie zuletzt auch noch eines der sogenannten Vorschaltgeräte der antiquierten Hallenbeleuchtung seinen Dienst, so muss mit den Arbeiten (für viel Geld) stets eine Fachfirma beauftragt werden. Da die vorhandenen extrem stromfressenden Lampen aus umwelttechnischen Gründen schon lange nicht mehr hergestellt werden dürfen und aus dem normalen Handel längst verschwunden sind, bedient sich die Gemeinde – wie auf der letzten Ratssitzung bestätigt - seit Jahren irgendwelcher Internet-Quellen, um sich gegen die häufenden Ausfälle der Hallenbeleuchtung zu „wappnen“.
An Fantasie bei immer neuen Ausflüchten, die Entscheidung über eine neue Hallenbeleuchtung zu vertagen, fehlt es zumindest nicht. So bemängelte der Sparausschuss zuletzt das Fehlen technischer Anforderungen für eine neue Beleuchtungsanlage mit Blick auf die unterschiedlichen Wettkampf-Sportarten, die in der Halle betrieben werden. Vielleicht hapert es im Gemeinderat mit der Kommunikation untereinander, vielleicht sollte er sich auch einfach nur besser informieren. Denn schon vor geraumer Zeit wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, das sich exakt mit diesem Thema beschäftigt. Dort kann sich jeder Ratsherr genau darüber informieren, welche Voraussetzungen eine vernünftige Hallenbeleuchtung erfüllen muss. Aber auch ein einfacher Blick ins Internet, das die Gemeindevertreter bei der Beschaffung von Ersatzlampen offenbar doch sonst so gerne nutzen, hätte genügt, um die nötigen Informationen zu bekommen. Dort steht dann unter anderem nachzulesen, dass die Mindestvoraussetzungen für den Tischtennis-Wettkampfsport beispielsweise 300 Lux betragen. Wohlgemerkt die Mindestvoraussetzungen. In der Rheinbreitbacher Halle wurden zuletzt nicht einmal mehr 200 Lux gemessen. Sparen ist gut, aber nicht an den falschen Stellen und mit den falschen Mitteln. Zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern gehört auch vorausschauendes Denken. Berechnungen zufolge hätte sich eine zeitgemäße neue Lichtanlage allein durch Einsparpotenzial beim Stromverbrauch in nur fünf Jahren amortisiert. Noch kostengünstiger ist es natürlich, den Sport in Rheinbreitbach komplett im Dunklen stehen zu lassen.
Klaus Riddering
SVR-Abteilungsleiter Tischtennis,
Rheinbreitbach
