Kindergarten in der Linzer Friedrich-Ebert-Straße wird teurer als gedacht
Architekten müssen Einsparungen machen
Planungskosten für den Fünfgruppen-Bau überschreiten den Schwellenwert für eine freie Vergabe
Linz. Für die weitere Vergabe des fünfgruppigen Kindergartens in der Friedrich-Ebert-Straße hatte das Architektenbüro Berghaus&Michalowicz für die Leistungsphasen 3-8 das Honorarangebot abgegeben. Zwar hatte der Stadtrat auf seiner vorigen Sitzung die Vergabe beschlossen, allerdings übersteigen die Planungskosten mit 221.000 Euro den EU-Schwellenwert für eine freihändige Vergabe, wie die Verwaltung dem Haupt-, Haushalts- und Finanzausschuss mitgeteilt hatte, der einer EU-weiten Ausschreibung zugestimmt hatte. Diesem Empfehlungsbeschluss schoss sich zwar der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung Mitte voriger Woche an, jedoch nicht ohne überdeutliches Murren.
„Grundlage war ursprünglich der Bau eines dreigruppigen Kindergartens mit geschätzten anrechenbaren Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Als wir dann auf einen fünfgruppigen Bau erhöht haben, ist uns von den Architekten gesagt worden, dass wir damit preisgünstiger fahren würden, weil etwa ein Gemeinschaftsraum ja schon vorhanden wäre“, erinnerte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann. Entsprechend sei man von einer Preissteigerung von rund 1 Million Euro ausgegangen, werde nun aber mit 3,7 Millionen Euro konfrontierte, einer mehr als Verdoppelung des ursprünglichen Preises, von dem die Stadt 2,5 Millionen Euro stemmen müsse, ungeachtet der Unterhaltungskosten in der Folgezeit.
Einsparungen sind nötig
„Eine solche Preissteigerung kann nicht sein. Sie würde uns so belasten, dass uns vieles andere auf lange Zeit nicht mehr möglich wäre. Die Architekten müssen Einsparungen machen“, forderte der Sozialdemokrat.
Diese Preissteigerung sei vielen nicht verständlich, stimmte ihm Jürgen Pappendorf (CDU) zu. Linz müsse wegen dieser zwar keine anderen Investitionen aufgeben, für diese aber wohl Kredite aufnehmen, widersprach er seinem Vorredner. „Wir wollen und müssen den Kindergarten bauen, bei dem wir uns an dem auf dem Roniger Hof orientiert haben“, erinnerte er. Wie bei diesem sei der Stadtrat von 500.000 Euro pro Gruppe, ohne die Bestuhlung einzubeziehen, ausgegangen. „Jetzt liegen wir bei rund 800.000 pro Gruppe, obwohl es eigentlich billiger werden sollte“, monierte auch Bruno Hoppen (CDU), bevor Heiko Martin (FWG) eine ganz andere Rechnung ausmachte. „Wenn ein dreigruppiger Kindergarten 1,8 Millionen Euro kostet, warum bauen wir dann nicht einfach zwei von diesen für 3,6 Millionen und haben sogar Platz für sechs Gruppen für weniger Geld als jetzt für den fünfgruppigen Kindergarten“, fragte er provokativ. Die Kostenberechnung der Architekten sei sattelfest, so Dagmar Stirba von der Linzer Verwaltung. „In der Summe von 3,67 Millionen Euro ist die komplette Ausstattung bis hin zu einem Milchflaschenwärmer enthalten. Außerdem sind die Kosten gestiegen, weil wir jetzt zweigeschossig bauen, also Treppen und Notausgänge benötigen, die im Roniger Hof entfallen“, erklärte sie. Außerdem werden man dort nachrüsten müssen. So würden dort Schallschutzdecken ebenso fehlen wie etwa eine Beschattung, die beim Kindergarten in der Friedrich-Ebert-Straße mit 60.000 Euro zu Buche schlagen würden. Dort sei eben an alles gedacht, was bautechnisch notwendig sei, hob Dagmar Stirba hervor, die entsprechende Unterschiede zwischen den beiden Kindergartenbauten herausgearbeitet hatte.
Nachrüstung des Roniger Hofes
„Bedeutet dies, dass uns demnächst Mängel beim Roniger-Hof-Kindergarten weitere Kosten bescheren werden? Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dort ein voll funktionstüchtigen Kindergarten gebaut zu haben“, so der Erste Beigeordnete Thomas Balasus. Dieser als Kopie des Asbacher Kindergartens in Trägerschaft des Heilpädagogischen Therapeutischen Zentrums Neuwied errichtete Bau habe damals noch nicht zu ihrem Bereich gehört, erinnerte Dagmar Stirba. „Ich bin aber sicher, dass dort Akustikdecken nachgerüstet werden müssen, weil der hohe Geräuschpegel bemängelt wird, und spätestens im Frühsommer wird dort eine Beschattung Thema sei“, sagte sie voraus. Im Gegensatz zu diesem eingeschossigen Kindergarten habe der Kreis für den an der Friedrich-Ebert-Straße etwa auch eine Brandmeldeanlage vorgeschrieben. „Bauen wir einen Kindergarten oder ein Wohlfühlanlage“, monierte Jürgen Pappendorf angesichts dieser „neuen Extras“, während Dieter Lehmann den Roniger Hof-Kindergarten als voll funktionstüchtigen Kindergarten bezeichnete, der von allen Linzer Kindergärten der am besten ausgerüstete sei. „So wie die Planung im Moment aussieht, kann es nicht bleiben. Wir müssen Einsparungen vornehmen, nicht dass wir noch ein Fall für den Rechnungshof werden“, so der Sozialdemokrat, bevor der Stadtrat der europaweiten Ausschreibung der Planungen zustimmte, um nicht noch mehr Zeit beim Kita-Bau zu verlieren, der nun schon erst ein paar Wochen später in Angriff genommen werden kann. DL
