Bürgermeisterwahl in Neuwied am morgigen Donnerstag
Ausgewiesene Expertin für Soziales steht zur Wahl
Während die Mehrheitskoalition aus CDU, Bündnis90/Die Grünen und FWG Peter Jung aus dem Rathaus für die Bürgermeisterwahl vorschlägt, setzen SPD und Linke auf Dr. Edith Ulferts.
Neuwied. Während die Mehrheitskoalition aus CDU, Bündnis90/Die Grünen und FWG Peter Jung aus dem Rathaus für die Bürgermeisterwahl vorschlägt, setzen SPD und Linke auf Dr. Edith Ulferts. Auch die Fraktion von „Ich tu´s“ sympathisiert mit der Bewerberin aus Stormarn (Schleswig-Holstein). In einer Videokonferenz stellte sich die Bewerberin am Mittwoch der Presse vor. In einer Zeit des privaten Umbruchs sei sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Die Bürgermeisterstelle in Neuwied sei spannend und gemeinsam mit Politik und Verwaltung möchte sie Positives für die Stadt bewegen. Das Dezernat im Neuwieder Rathaus passt zu Dr. Edith Ulferts. Sie bringt jede Menge Erfahrung aus dem Bereich Jugend und Soziales mit. Bei der Kreisverwaltung Stormarn obliegt ihr derzeit die Fachbereichsleitung, sie ist Vorgesetzte von 140 Mitarbeitern. Zuvor war sie Teamleiterin im Jobcenter Rinteln, davor hatte sie ein Sozialzentrum geleitet, kümmerte sich um die Bereiche Asyl, Soziales, Sozialstaffel etc. Im Sozialen hat Dr. Edith Ulferts ihre persönliche Bestimmung gefunden. Ihre berufliche Laufbahn begann die 55-Jährige als Restauratorin. Es folgte ein Hochschulstudium in Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften. Danach war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Bereichen Kunst und Denkmalpflege. Im Jahr 2003 arbeitete sie als Vermittlungscoach in München. Die Aufgabe: Betreuung von Langzeitarbeitslosen und Sozialhilfeempfängern auf dem 1. Arbeitsmarkt. Dr. Edith Ulferts hat quer in der Republik viele Stationen eingelegt, sammelte Erfahrungen im öffentlichen Dienst, in Landesbehörden und in der Kommunalverwaltung. In Neuwied will auf jeden Fall über die Wahlperiode hinaus bleiben. Der gesellschaftliche Wandel bringe viele Veränderungen mit sich, das Ehrenamt sei im Wandel und Anstrengungen müssten unternommen werden, um Jugendliche nicht „durchzualimentieren“, sondern Berufschancen aufzuzeigen und diese in der Region zu halten. Ganz unbekannt ist ihr das Mittelrheintal nicht. „Durch Ferienaufenthalte verbinde ich schöne Kindheitserinnerungen an die Region“, sagte Dr. Edith Ulferts. Die Vorgeschichte der Bürgermeisterstelle hat sie verfolgt. Zwar wäre es ihr auch lieber, wenn die AfD nicht im Stadtrat säße. Diese sei allerdings politisch legitimiert, entsprechend professionell müsse mit ihr umgegangen werden. Sie selbst gehört keiner politischen Partei an und verspricht Neutralität. „Aufgrund meiner Erfahrungen muss ich mich nicht lange einarbeiten und kann gezielt auf die Themen zugehen“, ist sich Dr. Edith Ulferts sicher. Die Kandidatin hat die SPD und Die Linken überzeugt. Die Fraktion „Ich tu´s“ will sich erst entscheiden, wenn sich am morgigen Donnerstag Peter Jung und Dr. Edith Ulferts dem Stadtrat persönlich vorgestellt haben. Eins ist vor der geheimen Wahl bereits klar: Den nach der Abwahl von Michael Mang angekündigten, ganz großen politischen Konsens aller demokratischen Kräfte wird es nicht geben. Sven Lefkowitz sieht die Schuld bei der CDU-Spitze. Die war mit ihrem Wahlvorschlag so kurz nach Ausschreibungsschluss an die Öffentlichkeit geprescht, dass andere Fraktionen nicht mal alle Bewerberunterlagen hätten sichten konnten. Die Chance, sich auf einen Kandidaten bzw. Kandidatin zu verständigen, sei damit vertan worden. Tobias Härtling (Die Linken) hat beobachtet, dass dies selbst in der Mehrheitskoalition nicht gut ankam. Deren Reihen hält er für nicht geschlossen und die Wahl damit längst nicht für entschieden, trotz der Mehrheitsverhältnisse. „Zumal mit einer Frau und dann noch mit den besseren Qualifikationen, eine sehr gute Bewerberin antritt“, so der Linken Fraktionsvorsitzende. „Mit ihr bieten wir der Breite des Stadtrats eine echte Alternative“, kündigt Sven Lefkowitz an. FF

Jahrelang hörte man von den Grünen (besonders von Frau Wilke) die Forderung, mehr Frauen in Führungspositionen zu wählen. Nun hatten die Grünen am 19.11.20 die Gelegenheit, Frau Dr. Ulferts zu wählen, aber der Koalitionszwang war wohl stärker. Deshalb unterwarf man sich Hahn und seinen Genossen. Sollten die Grünen noch einmal vorschlagen, für solche und ähnliche Positionen eine Frau zu wählen, dann können Sie das getrost vergessen.