Politik | 28.07.2020, 15:05 Uhr

Mit gemeindeeigner Entwicklungsgesellschaft in die selbstbestimmte Entwicklung von Bauland

Baulandspekulation intelligent und wirksam stoppen

Wachtberg. Die „Goldwährung“ in Wachtberg heißt: Umwandlung von Ackerland in Bauland, obwohl es vielen Bauern hieran ohnehin schon mangelt. Das soll jetzt alles anders werden. Künftig soll eine „intelligente Entwicklung von Baugebieten, den tatsächlichen Bedarf abdecken“, so ein CDU-Wahlversprechen. Bleibt allerdings die Frage „intelligent“ für wen? In Ließem wird die Zahl geplanter Wohneinheiten mehr als verdoppelt, im kleinen Arzdorf soll die Bebauung über den Flächennutzungsplan hinaus in das Landschaftsschutzgebiet „entwickelt“ werden. Oder die geplante „Umzingelung“ der Burg Odenhausen mit einem schrecklich ideenlosen und beliebigen Wohn- und Gewerbegebiet. Indes liegt das allseits begrüßte Projekt auf Eis, bezahlbaren Wohnraum auf der gemeindeeigenen Fläche des heutigen Bauhofs zu schaffen. Man darf also skeptisch sein, was in Zukunft noch alles auf uns zu kommt. Welche Folgen die bauliche Entwicklung für die Landschaft und die Natur hat, in der die Bürgerinnen und Bürger leben, was es für Wachtbergs ausgelastete und sanierungsbedürftige Kindergärten und Schulen bedeutet, was für die Versiegelung der Böden in den von Überschwemmungen gebeutelten Ortschaften oder für die ohnehin schon zu oft unerträgliche Verkehrssituation, blieb bisher bei der Entscheidungsfindung meist außen vor. Klar ist aber: Jede bauliche Erweiterung steigert den Bedarf an Kindergarten- und Grundschulplätzen. Dort ist die Gemeinde heute schon zu knapp aufgestellt. Jede bauliche Entwicklung belastet das Kanalnetz, das ohnehin bei stärkeren Regenereignissen oft nicht mehr ausreicht. Wohn- und Gewerbebebauung ziehen weiteren Verkehr an, dies auf Straßen, die heute oft nicht mehr in der Lage sind, diesen zu bewältigen.

Nur drei Beispiele die zeigen sollen, was alles auch mit Blick auf die von der Gemeinde zu tragenden Investitionen und Lasten bedacht werden müsste. Die Frage, was uns ein solches, „den Bedarf deckendes“ Wachstum kostet, wird regelmäßig nicht beantwortet, wie auch nicht die Frage, wessen „Bedarf“ gedeckt werden soll. Und es soll der Einfluss nicht vergessen werden, den weiterer Flächenfraß auf die klimatischen Verhältnisse direkt vor aller Haustüren bedeutet. Die freie Wählergemeinschaft „Unser Wachtberg“ sieht daher in einer Forcierung der baulichen Entwicklung einen Irrweg.

Niemand sollte die Wachtberger Welt schöner malen, als sie ist. Aber weiter beschädigt werden darf dieses liebens- und lebenswerte „Noch-Paradies“ nicht. „Erinnern wir uns nur an die Worte von CDU und UWG über eine „langfristige Bevorratung von Bauland“ bei der Verabschiedung des Flächennutzungsplans 2013.“ Damals waren es 11,1 Hektar Wohn- und Mischbauflächen und 6,56 Hektar Gewerbefläche, beides nach Bürgerprotesten deutlich weniger als von der eigenen Klientel erträumt. Die nächste Schlacht um künftiges Bauland ist aber schon eingeleitet. Der Planungsausschuss hat die Verwaltung beauftragt, weitere Flächen herauszusuchen, die künftig bebaut werden könnten: rund 75 Hektar Wohnbebauung und 15 Hektar für Gewerbegebiete, insgesamt eine Fläche von über 100 Fußballplätzen, für die hier „vorgedacht“ wird. „Eine Gemeinde wie in Bad Godesberg, wo man den Übergang der ehemaligen Dörfer zueinander nicht mehr wahrnehmen kann, wollen wir in Wachtberg nicht. Das ist nicht unser Verständnis von unserer Gemeinde, von unserem Wachtberg.“ Die Zukunft Wachtbergs dürfen nicht weiter Grundstücksbesitzer, Immobilienmakler und Investoren bestimmen. Maßstab darf nicht der Profit Einzelner, sondern muss der Nutzen aller sein. Deshalb wird die freie Wählergemeinschaft „Unser Wachtberg“ weiter dafür eintreten, die Entwicklung weiterer Wohngebiete so zu gestalten, dass die Gemeinde - am besten über eine gemeindeeigene Entwicklungsgesellschaft - zu bebauende Flächen erwerben kann, die sie dann nach ihren, nach unser aller Vorstellungen entwickelt. Das würde zudem die Schaffung auch von Wohnraum zu akzeptablen Preisen ermöglichen.

Pressemitteilung der

Wählergemeinschaft

„Unser Wachtberg“

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