Bürgerinitiative „Für sicheren Fußverkehr in der Josefstraße“
Bereits 165 Menschen haben Online-Petition unterzeichnet
Rheinbreitbach. Die Josefstraße in Rheinbreitbach soll ausgebaut werden. 350.000 Euro soll das Bauvorhaben die Rheinbreitbacher Eigentümer im Rahmen der wiederkehrenden Straßenbeiträge kosten. Das hat der Rat in der vergangenen Ratssitzung beschlossen und ist damit dem Verwaltungsvorschlag gefolgt. Die Bürger sollen zwar zahlen, aber mitreden, wo sie auf der neuen Straße entlanggehen werden, durften sie nicht. Sie wurden lediglich drei Tage vor dem einstimmigen Beschluss im Rat in einer Versammlung über die Pläne informiert.
Ein Unding, meinen viele Bürger. Eine im Zuge der Gründung der Bürgerinitiative „Für sicheren Fußverkehr in der Josefstraße“ geschaltete Online-Petition auf change.org/josefstraße unterzeichneten bereits 165 Menschen kurz nach Veröffentlichung in Sozialen Netzwerken. Das Bauvorhaben sei eine Fehlplanung, die nicht nur teuer sei, sondern die Lage der Anwohner und vor allem der Fußgänger massiv verschlechtere. Der derzeitige Weg, den jeder Fußgänger auf natürliche Weise nähme, würde komplett gestrichen. Nicht nur das. Der Ausbau eines neuen Weges gegenüber führe auch dazu, dass Kinder auf dem Weg zum Kindergarten oder der Schule mehrfach unnötig die Straße überqueren müssten und dadurch gefährdet werden.
Der Hintergrund: Die Josefstraße wurde von der Gemeinde im unteren Teil noch nie ausgebaut. Durch diese enge, alte Dorfstraße zieht der Karnevalszug, quält sich täglich der Busverkehr, und eilt nicht selten die Feuerwehr. Auf der einen Seite wird die Straße durch die Außenseite eines langen Gebäudes, des ehemaligen Zehnthofes, begrenzt. Auf dieser Straßenseite münden im weiteren Verlauf, bis zum Kindergarten insgesamt drei Straßen in die Josefstraße. Einen Bürgersteig gibt es bisher auf dieser Straßenseite nicht.
Bereits seit Jahrzehnten hat es sich bei den Rheinbreitbachern eingebürgert die gegenüberliegende Straßenseite als Gehweg zu nutzen. Im Bereich des Parkplatzes und zwischen den Häusern gibt es dort für Fußgänger breite Ausweichflächen, wenn ein Bus sich durch die enge Straße kämpft, oder gerade die Feuerwehr kommt. Das soll sich jetzt ändern. Der Bürgersteig soll stattdessen auf die gegenüberliegende Straßenseite mit zwei Straßeneinmündungen und nur einem anliegenden Wohnhaus verlegt werden. An dieser Seite sind keine Ausweichmöglichkeiten für die Fußgänger gegeben und der Weg würde auf lediglich 150 cm Breite zwischen der langen Gebäudewand und der Fahrbahn entlangführen.
„Einfach nicht nachvollziehbar“
Der Parkplatz soll außerdem befestigt werden. „Statt die neun Stellplätze so zu erhalten, wie sie sind, sollen nun sechs davon unter Platzverbrauch erneuert werden. Drei davon gehen dann nur noch quer angeordnet, und wir Anwohner müssen rückwärts in die Busstrecke ausparken. Drei weitere der raren Parkmöglichkeiten im Rheinbreitbacher Ortskern werden ersatzlos gestrichen, das ist einfach nicht nachvollziehbar,“ fasst der betroffene Hausbesitzer Philip Blinde die Haltung der Bürgerinitiative zusammen. „Und die Schulkinder müssen sich nach der neuen Planung an Hauswände gequetscht im Zick-Zack-Kurs über Hubbel durch den Verkehr zur Schule und zum Kindergarten schlängeln. Man fragt sich, ob Planer und Verantwortliche jemals vor Ort gewesen sind, um sich die tatsächlichen Park- und Laufwege anzuschauen oder mit den betroffenen Anliegern zu sprechen. Die aktuellen Pläne sind für uns, aber auch für Passanten und Kinder, eine Katastrophe.“
Die frühere Reinbreitbacherin Kristin Simos befürchtet, dass ihr siebenjähriger Sohn nicht mehr gefahrlos von den Großeltern (Josefstraße 10) zu seiner 150 Meter entfernt wohnenden Tante (Josefstraße 5) laufen kann. Die Anwohner werden laut der aktuellen Planung keinen sicheren Gehweg, sondern schnelleren Verkehr, mehr Lärm und Abgase im Wohnzimmer haben, befürchtet sie. Rheinbreitbacher Kinder werden also weiter im „sicheren“ Auto zur Schule gebracht, weil Eltern nicht verantworten können, sie an einer so schmalen Straße, in der kaum ein Bus Platz hat, auf dem neuen engen Fußweg entlang der Hauswand laufen zu lassen.
Philip Blinde geht mit dem Gemeinderat, aber auch mit dem Planungsbüro und dem Bauamt der Verbandsgemeinde, hart ins Gericht. „Ich verstehe, dass der Rat zu einer zügigen Entscheidung kommen wollte, aber keiner profitiert von der aktuellen Planung, niemand durfte beim Gehweg mitreden, aber zahlen sollen alle.“ Er sieht nur die Möglichkeit, die bestehende Planung vor Baubeginn zu ändern: entweder durch einen Seitenwechsel des Gehwegs, oder durch die Schaffung eines verkehrsberuhigten Bereiches mit markiertem Weg durch Pflasterwechsel in diesem Abschnitt. „Damit wäre allen geholfen. Es wäre sicher auch günstiger und schneller, sodass wir die Zeit für die Umplanung wettmachen könnten!“
Austausch vor Ort
Die Bürgerinitiative „Für sicheren Fußverkehr in der Josefstraße“ hat das Ziel, die geplante Baumaßnahme im Sinne der Fußgänger zu verändern und lädt am Donnerstag, 17. August alle beteiligten Interessengruppen zu einem Austausch vor Ort ein. (Treffpunkt: Parkplatz Josefstraße) Pressemitteilung der
Bürgerinitiative „Für sicheren
Fußverkehr in der Josefstraße“
