Politik | 10.03.2017, 16:05 Uhr

Einstimmiger Beschluss des Schulträgerausschusses Grafschaft

Betreuende Grundschule in Leimersdorf endet künftig bereits um 14 Uhr

Ab dem kommenden Schuljahr wird Schulsozialarbeit mit einer halben Stelle an den Grundschulen eingerichtet

Grafschaft. Einstimmig beschloss der Schulträgerausschuss der Gemeinde Grafschaft in seiner jüngsten Sitzung, die Betreuungszeit der „Betreuenden Grundschule“ in Leimersdorf von bislang 15 auf 14 Uhr zur verkürzen. Damit folgten die Kommunalpolitiker einem entsprechenden Antrag der Leimersdorfer Schulleiterin Heike Doebel. Diesen Antrag hatte auch Schulleiterin Uta Becker für die Grundschule Ringen unterzeichnet, doch hier war das Gremium anderer Meinung und beließ es wegen der höheren Nachfrage bei einem Betreuungsschluss um 15 Uhr. In beiden Schulen wird parallel zur Betreuenden Grundschule auch die Ganztagsschule angeboten.

„Schulleitung und Kollegium halten die Betreuende Grundschule durchaus für eine sinnvolle Alternative für Eltern, die nur halbtags arbeiteten und die Kinder selbst betreuen wollten“, so Doebel und Becker in ihrem gemeinsamen Antrag. Schwerpunkt des schulischen Konzepts und der pädagogischen, konzeptionellen und organisatorischen Arbeit in den beiden Grundschulen sei jedoch das Programm der Ganztagsschule. Die Aufrechterhaltung des parallelen und zeitlich ähnlichen Angebots bedinge einen hohen organisatorischen Aufwand für Schulleitung und Sekretariat, obwohl der weitaus größere Teil der Kinder die Ganztagsschule besuche.

Engpässe bei den Räumlichkeiten befürchtet

In Ringen beispielsweise stünden im laufenden Schuljahr 70 Ganztagskindern nur 32 „Betreuungskinder“ gegenüber, in Leimersdorf sei das Verhältnis 40 zu 15. Dies führe teilweise auch zu räumlichen Engpässen. So müsse die Betreuende Grundschule in Ringen demnächst aus ihrem Raum in einen von der Gemeinde zur Verfügung gestellten mobilen Klassenraum umziehen, weil der bisherige Raum für eine konzeptionelle Weiterentwicklung der Ganztagsschule benötigt werde. Die Qualitätsentwicklung der Ganztagsschule und der damit verbundene Raumbedarf gehe für die Schulleiterinnen ganz klar vor. Für das kommende Schuljahr sei aufgrund der bisherigen Bedarfsermittlung ein weiterer Rückgang der Nachfrage zu erwarten. So zeichne sich für die Grundschule Ringen nur noch ein Bedarf für dienstags bis freitags bis 15 Uhr ab, wobei die vorgegebene Mindestgruppengröße von acht Kindern teilweise nur knapp erreicht werde. Derzeit würden gar nur fünf Kinder mittwochs zwischen 14 und 15 Uhr betreut, weil zwar zu Schuljahresbeginn die Mindestteilnehmerzahl knapp erreicht worden sei, sich aber im laufenden Schuljahr einige Kinder wieder abgemeldet hätten. Die Rückmeldung für Leimersdorf habe für das kommende Schuljahr lediglich einen Bedarf bis 14 Uhr ergeben, zu den anderen Zeiten sei die Mindestgruppengröße von acht Kindern nicht erreicht worden.

Planungssicherheit und klare Trennung

Nach Ansicht der beiden Schulleiterin bringe eine endgültige Regelung den Eltern Planungssicherheit und erspare die stete Bedarfsabfrage. Weiter ergebe sich eine klare zeitliche Trennung zwischen Ganztagsschule und Betreuender Grundschule. Ein künftiger Zuwachs der Schüler, die sich für die Ganztagsschule entschieden, sei zudem wünschenswert. Das zur Verfügung stehende Budget sei nämlich abhängig von der Schülerzahl, die somit die Qualität maßgeblich beeinflusse. Wobei Günter Bach (SPD) darauf hinwies, dass es sich bei dem Zusatzangebot der Betreuenden Grundschule neben der Ganztagsschule ohnehin um einen „relativen Luxus“ handle, den es sonst nirgendwo gebe. Insgesamt gebe die Gemeinde pro Jahr 173.000 Euro dafür aus, so Bürgermeister Achim Juchem (CDU), wovon die Eltern einen Beitrag von 35.000 Euro und das Land noch einmal ein Zuschuss von 10.000 Euro beisteuerten. Der Eigenanteil der Gemeinde liege somit bei etwa 128.000 Euro pro Jahr. Was andererseits für viele junge Familien auch ein wichtiger Anreiz sei, sich in der Gemeinde Grafschaft niederzulassen und nicht in einer der Nachbarkommunen, bemerkte Claus Hartmann (SPD).

Fallzahlen für Schulsozialarbeit steigen an

Künftig sind die Anmeldungen für die Betreuende Grundschule für ein ganzes Schulhalbjahr verpflichtend, beschloss der Ausschuss weiter. Dabei bestehe für die Eltern im Laufe des Schuljahres die Möglichkeit, die Zahl der Betreuungsstunden für ihr Kind aufzustocken. Bei geringerem Bedarf müssten die Gebühren für die angemeldete Stundenzahl jedoch bis Ende des Schulhalbjahres gezahlt werden. Die neue Regelung soll für die kommenden beiden Schuljahre gelten. Einstimmig war auch die Empfehlung an den Gemeinderat, ab dem kommenden Schuljahr an den Grundschulen der Gemeinde eine Schulsozialarbeit mit einer halben Fachstelle einzuführen. Die Fallzahlen stiegen ständig an, bei denen eigentlich ein Schulsozialarbeiter tätig werden müsste, begründete Juchem dies. Die Situation habe sich insbesondere mit dem Zuzug zahlreicher Flüchtlingsfamilien verschärft, bestätigte die Ringener Schulleiterin Uta Becker. Die Kontaktaufnahme zu den Eltern gestalte sich überaus schwierig für die Lehrer. Außerdem steige der Anteil der Schüler mit einer Teilleistungsschwäche deutlich an, die ebenfalls von den Lehrkräften nur unzureichend bei der Bewältigung ihrer Probleme unterstützt werden könnten. Vor allem bei der Diagnose und der Behandlung könne der Schulsozialarbeiter die Eltern sinnvoll unterstützen, meinte Becker. „Es ist eine ganz wichtige Sache, präventiv nichts anbrennen zu lassen, denn das spart hohe Folgekosten im Sozialbereich“, ergänzte Günter Bach (SPD). JOST

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