Politik | 06.02.2026, 13:44 Uhr

Bürgerinitiative sieht eigene Berechnungen durch VRM-Stellungnahme nicht widerlegt

Kastanienstraße, Umweg über Hermann-Doneth-Straße und Braubacherstraße Richtung Koblenz.
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Lahnstein. In einer Pressemitteilung vom 5. Januar 2026 hatte die Bürgerinitiative (BI) „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“ zu den Auswirkungen der sogenannten Ringlösung erklärt: „24.000 zusätzliche Buskilometer, mehr Emissionen, neue Gefahren.“ Diese Aussagen wurden in der regionalen Presse mit einer Stellungnahme des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel (VRM) konfrontiert, der der Hochrechnung der Bürgerinitiative widersprochen hat.

Ulrich Barwinski vom Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) sagt: „Seit gut einem Jahr fahren die Busse auf den neuen Routen. Dabei haben sich auf einigen Linien Mehrleistungen ergeben. Auf anderen Linien ist es zu Minderleistungen gekommen. Den Mehrverbrauch von Diesel-Kraftstoffen in der von der BI benannten Menge können wir deshalb nicht bestätigen. Die Kilometerleistung im Linienbündel Lahnstein habe sich um rund 3 Prozent verändert“, konkretisiert Barwinski.

Die Bürgerinitiative (BI) sieht in der Stellungnahme ihre Angaben zum Verbrauch etc… als nicht widerlegt. In der Pressemitteilung war ausdrücklich nicht beabsichtigt, den Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM) als Verantwortlichen oder gar Gegner darzustellen. Gegenstand der Kritik sind ausschließlich die durch die Ringlösung verursachten Mängel. Die Zuständigkeit hierfür liegt bei den Straßenverkehrsbehörden – und nicht beim VRM.

Fakt ist: Durch die Umleitung in die Kastanienstraße und weiterer Straßen in Oberlahnstein verlängert sich die Fahrtstrecke für Linienbusse um 1.4 km gegenüber der früheren direkten Strecke durch die Adolfstraße zwischen den Haltestellen Helmestal und evangelischer Kirche. Diese Mehrkilometer wurden von der Bürgerinitiative mit 24.000 Kilometer, zusätzlich 14.000 Liter Diesel und 38t CO2 Emissionen berechnet, bezogen auf die genannte Teilstrecke im Stadtteil Oberlahnstein.

Der VRM hat in seiner Kritik nicht diese Teilstrecke bewertet, sondern die Gesamtstrecke im Linienbündel Koblenz – Lahnstein zu Grunde gelegt, wobei die Kilometerleistung im Linienbündel Lahnstein sich um rund 3% verändert habe. Eine andere Sichtweise, die unserer Auffassung nach zu Irritationen geführt hat.

Der VRM hat eine inhaltliche Prüfung oder Bewertung der von der BI genannten Mehrverbrauchsmenge gerade nicht vorgenommen. Der VRM erklärt: „In unserer Antwort haben wir lediglich die Aussage getroffen, dass wir zu den Verbräuchen keine Angaben machen können, insofern auch keine anderen Aussagen hierzu bestätigen können. Dies ist auch vor dem Hintergrund schwierig, dass unterschiedliche Fahrzeuggrößen mit unterschiedlichen Verbräuchen im Einsatz sind. Auch bei der CO2-Thematik ist eine Berechnung schwierig, da einige Betreiber XTL (z.B. HVO 100) tanken.“

Damit wurden die Aussagen der Bürgerinitiative zum Teilbereich Oberlahnstein weder bestätigt noch widerlegt.

Auch das von der BI benannte Problem der sogenannten Leerfahrten ist real und täglich beobachtbar. Darunter versteht die BI keine betrieblichen Überstellungsfahrten, sondern reguläre Linienfahrten mit sehr geringer oder fehlender Fahrgastnachfrage (z. B. Fahrten mit nur wenigen Fahrgästen trotz hoher Sitzplatzkapazität) - etwa bei groß dimensionierten Gelenkbussen. Eine hohe Fahrgastnachfrage sieht die BI nur zu Verkehrsspitzenzeiten.

Gerade vor dem Hintergrund von Klimaschutzzielen und begrenzten kommunalen Haushalten ist diese Form des Busverkehrs in Frage zu stellen wegen Ökologie und Wirtschaftlichkeit. Die Verantwortung hierfür liegt bei den Straßenverkehrsbehörden – und nicht beim VRM.

Zutreffend ist wohl, dass der Busverkehr in den Hauptverkehrszeiten zwischen Koblenz und Lahnstein teilweise im 15 Minuten Takt geführt wird. Das ist sicherlich positiv zu bewerten. Allerdings ist nach Auffassung der BI diese Taktfrequenz auch nach der alten Verkehrsführung der Busse zu erreichen. Weshalb ausgerechnet die Ringlösung hierfür ursächlich sein soll, erschließt sich uns nicht.

Betrachtet man die Gesamtsituation, so ist festzustellen, dass die Nachteile der neu geschaffenen Buslinienführung ihre Vorteile bei weitem übertreffen:

1. Busse fahren durch Wohngebiete

2. Straßen sind nicht für den Busverkehr ausgelegt, vermehrte Straßenschäden (hierzu folgt noch eine eingehende Stellungnahme durch die BI)

3. Bushaltestellen sind für Ältere und gehbehinderte Einwohner schwer zu erreichen

4. Erhöhte Umweltbelastung mit Gesundheitsgefährdung

5. Erhöhte Verkehrsgefährdung bei schon stark angestiegenem PKW-Verkehr mit jetzt zusätzlichen Busverkehr (hierzu folgt noch eine eingehende Stellungnahme durch die BI)

6. Ungünstige Erreichbarkeit des Innenstadtbereichs, was zu Einnahmeverlusten bei dort ansässigen Geschäften führt.

Die Bürgerinitiative fordert daher die Berücksichtigung der vorgenannten Kritikpunkte bei der ÖPNV-Planung. Das wäre bei der Umdrehung zur ursprünglichen Verkehrsführung gegeben.

Die Ring“lösung“ ist keine Lösung, sondern das Problem.

Pressemitteilung Bürgerinitiative (BI) „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“

Busse imWohngebiet im Stau.

Busse imWohngebiet im Stau.

Kastanienstraße, Umweg über Hermann-Doneth-Straße und Braubacherstraße Richtung Koblenz. Foto: Bürgerinitiative

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