Politik | 30.05.2026

Leserbrief

Burg Steineck in Rheinbreitbach: Eine vertane Chance für die Ortsgemeinde

Kita „Ritterburg“ in Wolfhagen.

Rheinbreitbach. Die Diskussion um Burg Steineck wird vermutlich bald beendet sein. Der Verkauf steht bevor, die Pläne für eine Wohnbebauung sind bekannt. Damit endet jedoch nicht die Frage, ob es für diesen ortsbildprägenden Standort bessere Lösungen gegeben hätte.

Aus meiner Sicht hat die Ortsgemeinde eine große Chance verpasst: die Nutzung der Burg Steineck als Kindertagesstätte.

Oft wurde argumentiert, eine Kita müsse heute ebenerdig sein und moderne Anforderungen ließen sich in einem historischen Gebäude nicht umsetzen. Ein Blick auf andere Beispiele zeigt jedoch, dass dies nicht zwingend der Fall ist. In Wolfhagen wurde eine Kita in einem historischen Burggebäude eingerichtet. Dort zeigt sich, dass moderne pädagogische Nutzung und historische Bausubstanz durchaus miteinander vereinbar sein können, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Gerade Burg Steineck hätte hierfür interessante Möglichkeiten geboten. Die verschiedenen Ebenen des Gebäudes hätten eine altersgerechte Gliederung der Gruppen ermöglicht. Auf einzelnen Etagen hätten überschaubare und familiäre Bereiche entstehen können, die auf unterschiedliche Entwicklungsstufen der Kinder abgestimmt sind. Auch die häufig vorgebrachte Vorstellung, Kinder dürften keine Treppen mehr benutzen, überzeugt mich nicht. Bewegung, Koordination und Selbstständigkeit gehören zur Entwicklung von Kindern dazu und müssen nicht grundsätzlich aus dem Alltag herausgeplant werden.

Hinzu kommen weitere Vorteile, die bei der Diskussion oft zu kurz gekommen sind. Die Weiternutzung bestehender Gebäude spart erhebliche Mengen sogenannter grauer Energie und vermeidet CO₂-Emissionen, die durch Abriss und Neubau entstehen. Gleichzeitig vermittelt ein historisches Gebäude Geschichte, Identität und kulturelles Bewusstsein. Kinder würden täglich erleben, dass historische Bausubstanz nicht nur Kulisse ist, sondern sinnvoll genutzt werden kann.

Auch das häufig genannte Verkehrsargument erscheint bei näherer Betrachtung nicht zwingend. In anderen Kommunen werden Kinder erfolgreich durch organisierte Fahrdienste oder Buslösungen zu zentralen Einrichtungen gebracht. Ein ähnliches Konzept hätte auch in Rheinbreitbach geprüft werden können. Dadurch wäre das Verkehrsaufkommen steuerbar gewesen.

Besonders bedauerlich erscheint mir, dass mit einer Kita-Nutzung auch der historische Park erhalten geblieben wäre und ein lebendiger Treffpunkt für Familien hätte entstehen können. Stattdessen wird nun voraussichtlich eine Wohnbebauung mit Miet- und Eigentumswohnungen entstehen. Diese wird dauerhaft zusätzlichen Verkehr erzeugen und den Charakter des Areals grundlegend verändern.

Darüber hinaus sollte bei der Diskussion um die zukünftige Kita-Landschaft auch die finanzielle Gesamtbetrachtung nicht fehlen. Die Unterbringung von Kindertagesstätten verursacht langfristige Kosten, die den kommunalen Haushalt über Jahre belasten. Gerade deshalb wäre es sinnvoll gewesen, frühzeitig umfassender über nachhaltige und langfristige Lösungen nachzudenken, anstatt einzelne Projekte isoliert zu betrachten.

Burg Steineck hätte die Chance geboten, Denkmalschutz, Nachhaltigkeit, Familienfreundlichkeit und Ortsentwicklung miteinander zu verbinden. Diese Chance wurde nicht genutzt. Das ist aus meiner Sicht die eigentliche Lehre dieser Debatte.

Thomas Napp

Rheinbreitbach

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Kita „Ritterburg“ in Wolfhagen. Foto: Thomas Napp

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