CDU-Kreistagsfraktion lud zum Meinungsaustausch ein
CDU im Dialog: Über Berufsausbildung in der Fläche
Diez. Eine lebendige Gesellschaft lebt vom regen Austausch miteinander. Aus diesem Grund hat die CDU-Kreistagsfraktion die Veranstaltungsreihe „CDU im Dialog“ ins Leben gerufen. Vorsitzender Matthias Lammert, MdL und sein Stellvertreter Günter Groß luden diesmal zum Thema „Erhalt der Berufsausbildung in der Fläche „nach Diez ein. Jörg Schmitz, Studiendirektor der Nikolaus-August-Otto Schule in Diez (BBS), Kreishandwerksmeister Johannes Lauer und sein Stellvertreter Reiner Tiefenbach standen als kompetente Referenten Rede und Antwort. Wo genau steuert das Handwerk im Rhein-Lahn-Kreis, wenn die Zahl der Jugendlichen, die eine praktische Berufsausbildung anstreben, immer mehr zurückgeht? Wird es in den kommenden Jahrzehnten überhaupt noch möglich sein, die handwerkliche Grundversorgung unserer Landbevölkerung in der bisher gewohnten Weise zu gewährleisten? Waren nur einige der vordringlichen Fragen an diesem Abend.
„Mit unserem Tagungsthema wollen wir auf aktuelle Probleme im Zusammenhang mit der ungewissen Zukunft des Handwerks als Folge der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft und möglicher falscher Weichenstellungen der Schulpolitik hinweisen“, betonte der Fraktionsvorsitzende Matthias Lammert, MdL bei der Begrüßung der zahlreichen interessierten Teilnehmer im Hotel „Wilhelm von Nassau“ in Diez.
Dass die Einschränkung der Ausbildungsvielfalt längst begonnen hat, ging aus dem Statement des Kreishandwerksmeisters Johannes Lauer hervor. Danach besteht bereits heute ein gravierender Nachwuchsmangel bei den Ernährungsberufen, insbesondere bei den Fleischern und Bäckern, wie auch im Baugewerbe bei den Malern, Maurern und Dachdeckern. „Ein ausreichendes Angebot an Handwerksbetrieben gehört – wie die Grundversorgung mit Lebensmitteln – zu den wichtigen Standortvoraussetzungen für die Attraktivität einer Region“, machte Lauer auf die besondere Brisanz des aktuellen Ausbildungsproblems aufmerksam.
Studiendirektor Jörg Schmitz von der Berufsbildenden Nikolaus-August-Otto-Schule (NAOS) Diez führte die aktuelle Entwicklung zumindest zum Teil auch auf die mit der Abschaffung der Hauptschule veränderte Schullandschaft in Rheinland-Pfalz zurück, die mit dem Wunsch der Eltern nach immer höheren Schulabschlüssen für ihre Kinder verbunden sei. „Der Nachwuchsmangel beim Handwerk wird sich in den nächsten Jahrzehnten dramatisch verschärfen“, verwies Schmitz auf das Kreisentwicklungskonzept 2014, wonach der Anteil der unter 20-Jährigen bis zum Jahre 2030 voraussichtlich um weitere 24 Prozent sinken wird. Um die praxisbezogene duale Ausbildung dennoch weiter anbieten zu können, seien die beiden Berufsschulen im Kreis, Lahnstein und Diez, an dem „Schulversuch BS 2020“ beteiligt, der unter anderem Sammelklassen für eine gemeinsame Grundausbildung in den Metallberufen sowie die Zusammenlegung von zwei Lehrjahren zu einer Berufsschulklasse ermögliche. Denkbar und wünschenswert für die Sicherung des bewährten dualen Schulsystems, so der kommissarische Leiter der Diezer NAOS, sei zudem eine Absenkung der Klassenmesszahlen, gepaart mit einem gezielten, nachfrageorientierten Unterrichtsangebot. Als aktuelle Anlauf- und Beratungsstelle für Fragen der Betriebe und potenzieller Praktikanten biete die NAOS am Samstag, 24. September, eine Ausbildungs- und Studienbörse an, zu der insbesondere auch die Vertreter kleinerer und mittlerer Unternehmen des Kreises eingeladen seien. Malermeister Reiner Tiefenbach, stellvertretender Kreishandwerksmeister und Fachlehrer an der Berufsbildenden Schule in Diez, ergänzte die Ausführungen von Jörg Schmitz mit dem Hinweis auf die besondere Bedeutung des Beratungsangebotes, um Fehlentwicklungen vorzubeugen. „Es darf uns nicht gleichgültig sein, wenn sich junge Menschen, die besser für einen praktischen Beruf geeignet sind, für ein Studium entscheiden, dem sie am Ende nicht gewachsen sind“, erinnerte Tiefenbach an die große Zahl von Abbrechern an den Universitäten. Zum Abschluss dankte der stellvertretende Vorsitzende der CDU Kreistagsfraktion Günter Groß für die gute Debatte und die zahlreichen Ideen und Impulse.
Pressemitteilung
CDU Kreistagsfraktion
