Integration von Migranten ohne Wenn und Aber!
Das heiße Eisen der Integrationsproblematik angepackt
Die bekannte Frauenrechtlerin Necla Kelek trat in Remagen für eine Rückkehr zur Verantwortungsethik ein
Remagen. „Gebt Euren Kindern Freiheit – und sie kehren zu Euch zurück“. Mit diesem Rat insbesondere an muslimische Eltern beendete Necla Kelek am Dienstag Abend ihren engagierten Beitrag im Remagener Jugendbahnhof. Eingeladen hatte die prominente Buchautorin und engagierte Frauenrechtlerin der Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung (AeB) und Necia Kelek war extra für diese Veranstaltung von Berlin in die Römerstadt gekommen.
Und die Erwartungen des Publikums im Jugendbahnhof wurden voll erfüllt. In einem Vortrag und anschließender Diskussion wurden selbst die heißesten Eisen der Intregrationsproblematik in Deutschland angepackt. So plädierte Frau Kelek für einen bedingungslosen Kampf gegen eine Parallelgesellschaft in der Bundesrepublik.
„Wir dürfen ein Ausklinken aus der demokratischen, offenen deutschen Gesellschaft nicht länger erlauben. Weil wir bisher nicht genau hingeschaut haben, haben wir die dritte und vierte Generation muslimischer Migranten in Deutschland teilweise für den demokratischen Staat verloren.
So hat das deutsche Rechtssystem zum Beispiel kaum etwas gegen Kinderehen unter Migranten unternommen. Wenn 15-jährige Mädchen aber verheirat werden, ohne einen Beruf erlernt oder jemals ein eigenes Einkommen erzielt zu haben, dann ist für sie die Freiheit lebenslang vorbei“. Etwas weiter holte die Referentin, die selbst mit zehn Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist, aus bei der Erläuterung der Hintergründe für diese Entwicklung, die nun auch Deutschland zunehmend zu beobachten sei. So werde in vielen Herkunftsländern der Migranten die islamische Religion missbraucht, um Diktaturen abzusichern.
Für einen bedingungslosen Kampf gegen eine Parallelgesellschaft in Deutschland plädiert
Dort werde etwa die Kinderheirat gefördert, damit einerseits die jungen Mädchen durch das Kinderkriegen von jeglichem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden könnten. Schule, Ausbildung oder gar Beruf seien mit einem Baby undenkbar. Andererseits würden die jungen Väter auf ihre Rolle als Ernährer der Familie verpflichtet, sodass auch sie an nichts anderes mehr als die Da-seinvorsorge denken könnten. Vor allem könne keine junge Mutter aus dem Ehekäfig ausbrechen, da sie selbst im kaum möglichen Fall einer Scheidung nach islamischen Scharia-Recht ihre Kinder verlieren würde. Diese gehörten traditionell nach der Geburt zur Familie des Mannes und daher würde kaum eine Mutter diesen Weg gehen. Tausendfacher Selbstmord junger Mütter sei leider die Konsequenz dieses patriarchalischen Rechtsverständnisses.
Kämen Migranten mit einem solchen Rechts- und Rollenverständnis nach Deutschland, entwickele sich hier eine Parallelgesellschaft, die Integration absolut unmöglich mache. Geradezu unerträglich sei es, wenn Politiker aus den Herkunftsländern dann auch noch die Migranten dazu ermutigen würden, sich einer Integration zu verweigern.
„Wir und unsere Politiker müssen aufhören damit, Verständnis für ‚kulturelle Eigenheiten‘ wie eben die Kinderheirat, aufzubringen.“ Necla Kelek
Aufgrund einer leider üblichen Gesinnungsethik in breiten Kreisen in Deutschland würde eine solche Integrationsverweigerung auch noch toleriert oder sogar akzeptiert. „Wir müssen endlich wieder zu einer Verantwortungsethik zurückfinden“, hielt die Autorin entgegen. „Konkret bedeutet dies, die Kinderheirat vollständig zu unterbinden, das Heiratsalter auf 18 Jahre festzulegen und auch keine Ausnahmen außer im Sonderfall der Schwangerschaft zuzulassen. Wir müssen in Kindergarten, Schule und auch später alles dafür tun, dass vor allem Mädchen und Frauen eine Chance erhalten, sich aus den patriarchalischen Familien- und Verwandtschaftsstrukturen befreien zu können. Wir und unsere Politiker müssen aufhören damit, Verständnis für ‚kulturelle Eigenheiten‘ wie eben die Kinderheirat, aufzubringen. Wir müssen stattdessen Forderungen stellen und sie auch umsetzen, etwa, dass Menschen, die schon 20 Jahre oder länger in Deutschland leben, endlich die Sprache des Landes sprechen können. Dass Eltern sich also mit Lehrern über ihre Kinder unterhalten können“.
Nach sehr intensiver und hochkarätiger Diskussion und deutlicher Überziehung der eingeplanten Vortragszeit bedankte sich AeB-Vorsitzender Frank Bliss bei der Referentin für die offenen und wichtigen Ausführungen.
Zugleich wies er auf die Zusammenarbeit mit dem Remagener Jugendbahnhof, der Kulturförderung des Kreises Ahrweiler und dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ hin, die diese Veranstaltung erst ermöglicht habe. Viel Lob gab es dann noch seitens der Gastrednerin für die Stadt Remagen. Frau Kelek hatte vor der Veranstaltung einen Rundgang durch die Römerstadt machen können und in der Abendsonne auch die Rheinpromenade von ihrer besten Seite kennengelernt. „Wer hier lebt – gerade auch als Migrant – muss sich geradezu aufgefordert fühlen, die Geschichte der Stadt von der Römerzeit über den Zweiten Weltkrieg bis heute aktiv zu erkunden“, so ihr auch in diesem Punkt noch voll und ganz integrationsbezogenes Schlusswort.
Arbeitskreis für entwicklungspolitische Bildung e.V. (AeB) Remagen
