Wandel erfordert neues Konzept - Sanierung der Wege beginnt – Ideen aus der Dorfmoderation
Den Insel-Friedhof als Ort der Begegnung stärken
Niederwerth. Urnen- statt Sargbestattung, freie Flächen und ungenutzte Kapellen. Überall sind die Friedhöfe im Wandel, und der Kirchhof auf der Insel Niederwerth macht dabei keine Ausnahme. Die Ortsgemeinde denkt über eine Neukonzeption nach und unternimmt bereits erste Schritte. Auch über die Dorfmoderation fließen Anregungen ein. Die Grundidee: Der Friedhof soll noch mehr zu einem Ort werden, an dem die Lebenden sich treffen und aufhalten können.
Die Friedhofs- und Bestattungskultur hat sich grundlegend verändert. Große Wahlgräber mit massiven Grabsteinen werden kaum noch gewünscht. Sie sind zu teuer oder angesichts von Liegezeiten von mitunter 30 plus 25 Jahren möchte man den Nachkommen auch die intensive Pflege nicht zumuten. Urnengräber – deutlich preiswerter und leichter zu unterhalten – haben sich daher überall durchgesetzt. In Niederwerth gab es im Jahr 2020 bei bislang 16 Sterbefällen keine einzige Sargbestattung, obwohl sie laut Satzung weiterhin möglich ist.
Die Folgen: Die Friedhofskapelle wird kaum noch genutzt. Ganze Grabfelder verschwinden nach Ablauf der Liegezeiten, Flächen liegen brach und bleiben nach dem Rückbau uneben zurück. Die Wege dazwischen sind mit Basaltsplit aufgefüllt und streckenweise so holprig, dass sie gerade für ältere Menschen, die mit dem Stock oder dem Rollator unterwegs sind, zur Gefahr werden. Zudem sind viele Bäume und Sträucher in die Jahre gekommen und müssten ersetzt oder zumindest professionell zurückgeschnitten werden.
Die Ortsgemeinde hat erkannt, dass dringend gehandelt werden muss. Zuerst sollen die Wege saniert werden. Bei einer Ortsbegehung im Juni fiel die grundsätzliche Entscheidung für einen Ausbau mit hellem Kalksplit; Anfang September gab der Ortsgemeinderat grünes Licht. Im ersten Bauabschnitt sollen Ende des Jahres etwa 250 Quadratmeter Wegefläche und 150 laufende Meter Randsteine ausgebaut und gesetzt werden, und zwar rundum auf dem südlichen Friedhofsbereich. Der Auftrag von knapp 18.000 Euro ging an einen einheimischen Unternehmer. Gleichzeitig wird auch die überdimensionale Blautanne beseitigt, da sie statische Probleme bereitet und zudem Schäden am Ehrenmalfundament drohen. Anschließend sollen unebene Grabfelder mit Muttererde aufgefüllt, ausgeglichen und eingesät werden. Der nächste Schritt sind Ersatzpflanzungen.
„Danach wollen wir mit den Gremien die nächsten Maßnahmen in den Blick nehmen,“ erklärt Ortsbürgermeister Horst Klöckner. „Es geht um die Wege auf dem nördlichen Friedhofsteil und den Platz vor der Friedhofshalle mit dem Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege.“ Letztlich gelte es, ein neues Konzept zu entwickeln, das den Friedhof zu einem attraktiven und durchdacht gestalteten Platz mache, der allen Werthern zugutekomme. „Andernorts wird viel darüber diskutiert, wie man Friedhöfe zu Stätten der Begegnung und des sozialen Lebens machen kann“, sagt Horst Klöckner. „Diese Überlegung können wir uns sparen: Unser Kirchhof war schon immer ein Ort des Miteinanders. Wer hierher kommt, um das Grab seiner Lieben zu pflegen, findet immer Gesprächspartner und man nimmt sich die Zeit für ein Schwätzchen. Das soll auch in Zukunft so sein, und zwar in einer deutlich schöneren, parkähnlichen Anlage!“
Es trifft sich gut, dass derzeit die Dorfmoderation läuft und sich damit eine breitgefächerte Ideenbasis ergibt. Alle Bürger sind gefragt. Gerade für den Friedhof auf der Insel gibt es interessante Ideen – angefangen bei überdachten Sitzgruppen bis hin zur Nutzung der Friedhofshalle nicht nur für Bestattungen, sondern auch für weltliche Anlässe. Horst Klöckner ermutigt zum Mitmachen: „Es darf und soll kontrovers diskutiert werden. Wir wollen unseren Friedhof weiterentwickeln, und dabei lässt sich vieles verbinden: Stille, Glauben, Gedenken, Kommunikation und Kultur.“
Pressemitteilung der
Ortsgemeinde Niederwerth
Urnen- statt Sargbestattung, freie Flächen und ungenutzte Kapellen. Überall sind die Friedhöfe im Wandel, und der Kirchhof auf der Insel Niederwerth macht dabei keine Ausnahme.
