Proteste gegen den Wegfall des täglichen Bedarfshalts Kottenforst
„Der Bahnhof ist ein magischer Ort“
Lüftelberg. Wichtige Gründe führen die Anwohner am Bahnhof Kottenforst ins Feld: Sie wollen die Reaktivierung des täglichen Bedarfshalts der Voreifelbahn (S23) am Bahnhof Kottenforst erreichen. Nach einer zweijährigen Testphase wurde er gestrichen. Das wollen die Anwohner nicht hinnehmen. Zusammen mit dem Lüftel-berger Ortsvorsteher Siegfried Schwaner sind sie zu einer gemeinsamen Aktion gestartet. Ein mühseliger Weg, wie sich zeigen wird. Die am Kottenforst wohnenden Schulkinder können die Voreifelbahn (S23) nicht mehr für den Schulweg nutzen. Fahrgemeinschaften zu bilden, sei verschiedener Schulen und Stundenpläne wegen nicht möglich.
Zählungen hätten eine so geringe Nutzung ergeben, dass bei der unzureichenden, für einen als S-Bahn klassifizierten Schienenverkehr kein Halt zu rechtfertigen sei, so die Antworten der Bahn. Die mit dem Wegfall der Bedarfshalte verbundenen Belastungen, Unverträglichkeiten und Sorgen der Bewohner mit ihren Kindern und weiteren Familienangehörigen können Schwaner nicht gleichgültig sein. In diversem Schriftverkehr mit Landespolitikern sowie der betreibenden Bahn, der NVR, hat er zusammen mit den Anwohnern die Angelegenheit thematisiert und mit weitergehenden Informationen unterlegt. Der Fußweg durch den unübersichtlichen Waldweg, den die Kinder zur nächsten, einen Kilometer entfernten Bushaltestelle nehmen müssen, sei ein Zustand, der besonders in der dunklen Jahreszeit unzumutbar sei.
Zudem müssen die Grundschüler morgens und nachmittags einen Fußmarsch von jeweils einem Kilometer durch den Wald zur Haltestelle „Kottenforst Abzweigung“ (Buslinie 800) auf sich nehmen, die sich auf der Landstraße L 113 befindet. Die ist lediglich mit dem Bushaltestellenschild am Straßenrand markiert. Die Schüler müssen somit in einer Kurve auf der viel befahrenen Landstraße L 113 stehen, ohne Beleuchtung, ohne Fußgängerweg und ohne Haltestellenbereich.
„Die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde wird in der Regel von den verkehrenden Fahrzeugen überschritten und verschlimmert die Situation zusätzlich“, beklagt sich Romy Wiese über die Situation. Eine Mutter, die mit ihrer Familie am Bahnhof Kottenforst wohnt.
Alle bisherigen politischen und öffentlichen Ansprechpartner, so Schwaner, verteidigten ihre Standpunkte. Das gewünschte Ergebnis, den Wegfall des Bedarfshalts zu revidieren, wurde abgelehnt. Eine Busanbindung wurde durch den zuständigen Rhein-Sieg-Kreis verneint. Weil aber auch die Schulen Verantwortung für den Schulweg haben, hat Schwaner beim Schuldezernat des Rhein-Sieg-Kreises nachgefragt. Auch hier war die Antwort negativ. Die Kreisbehörde sei lediglich für die kreisangehörenden Schulen zuständig.
Im Ortsteil Lüftelberg entsteht das neue Baugebiet „Kottenforst“. Bei den geplanten Wohnungseinheiten (erste Häuser sind bereits im Bau) ist von einem Zuzug weiterer Bewohner von etwa 60 bis 70 Personen zu rechnen. Darunter werden Kinder und Senioren sein, vermutet Schwaner. Es ist davon auszugehen, dass bei den dort wohnenden älteren Menschen die Notwendigkeit nach Arzt- und Amtsbesuchen besteht. Eine An-zahl von Kindern wird Schulen, etwa in Bonn, besuchen müssen.
Wegen der vertrauten Situation, bezahlbaren Wohnraum zu finden, sind vermehrt Studenten zur Untermiete in das Wohngebiet gezogen. Die sind auf den Bahnverkehr von und nach Bonn angewiesen.
Mit Sicherheit wird eine weitere Bedarfslage entstehen. Eine solche Aussicht führe, so wurde Schwaner durch die Deutsche Bahn in Hamburg belehrt, regelmäßig zu einer wohlwollenden Prüfung und Umsetzung. Es sprechen aber auch gesellschaftliche Werte für den täglichen Bedarfs-halt, so Schwaner. Lockte der Kottenforst seit Generationen Erholung suchende Bürger an, gilt dies umso mehr für die gestressten Menschen, die in den Städten wohnen. Für die ist der Wald ein immer wichtigerer Erholungsraum geworden. Bestätigt wird das durch den Geschäftsführer der Waldgaststätte Bahnhof Kottenforst, Tobias Selz, der es aus vielen Gesprächen mit seinen Gästen mit am besten wissen muss.
Der Bahnhof Kottenforst ist ein magischer Ort. Dort allein auf dem Bahnhof zu stehen und den Blick in die Ferne auf den Wald zu richten, das hat etwas.
Ortsvorsteher Schwaner will sich weiter mit der Bahn sowie den für den Schülertransport verantwortlichen Stellen in Verbindung setzen, um etwas für die Bewohner zu erreichen. Eine weitere Möglichkeit bleibt: den zuständigen Petitionsausschuss anzurufen. Pressemitteilung von
Siegfried Schwaner,
Ortsvorsteher Lüftelberg
