Politik | 04.10.2016, 15:49 Uhr

Meckenheim begeht Tag der Deutschen Einheit

„Deutsche Einheit“ wuchs aus Mut und kann in der Demokratie gedeihen

Feierstunde in evangelischer Grundschule – Spilles mahnt zu demokratischer Einheit in Deutschland und Europa

Das Auditorium war überaus gut gefüllt. -StF-
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Meckenheim. Mit einer Feierstunde beging die Stadt Meckenheim den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Am frühen Vormittag trafen sich mehr als 150 Bürger aus der Apfelstadt in der Aula der Evangelischen Grundschule, um der Rede von Bürgermeister Bert Spilles zu lauschen. Dieser konnte zunächst zahlreiche Ehrengäste begrüßen, darunter den Bundestagsabgeordneten Dr. Norbert Röttgen, die Landtagsabgeordnete Ilka von Boeselager und auch Ehrenbürgerin Erika Meyer zu Drewer.

In seiner Ansprache ging Bert Spilles auf die Geschichte und Bedeutung des Nationalfeiertages in den verschiedenen Epochen der deutschen Geschichte ein – von den Zeiten vor dem Kaiserreich bis hin zur DDR. Er führte aus, dass es viel über das historische Bewusstsein und das Wertesystem eines Staates aussagt, welchen Tag man sich als Nationalfeiertag wählt. Im Weiteren ging er auf die Geschichte des 3. Oktober ein.

Er betonte, dass wir heute diesen Tag in Freiheit feiern können, sei vor allem ein Verdienst der mutigen Bürger in Dresden, Leipzig und der gesamten DDR gewesen. Sie haben sich nicht einschüchtern lassen vom Unterdrückungsapparat der Stasi, obwohl die Panzer der NVA abrufbereit in den Kasernen standen. Spilles führte weiter aus, dass es inzwischen gelungen sei, die Wirtschaft im Osten ans Wachsen zu bringen und auch die Arbeitslosenquote in den letzten 20 Jahren um mehr als 4,7 Prozent gesunken sei.

Dass der Ruf „Wir sind das Volk“, mit dem die Montagsdemonstrationen in der DDR maßgeblich zum friedlichen Umsturz beigetragen haben, heute von Pegida und anderen missbraucht werden, das ärgert Bert Spilles deutlich. In seinen Ausführungen wurde der Bürgermeister hier auch mehr als deutlich: „Wir alle müssen an diesen Mut von 1989 anknüpfen – besonders deshalb, weil man seit einiger Zeit wieder hört ‚Wir sind das Volk‘. Auch jetzt sind Bürger auf den Straßen der Städte unterwegs, um klarzumachen, dass sie sich von den Regierenden nicht gehört, nicht gesehen, nicht gefragt fühlen. Doch die Motivation ist eine völlig andere und ich empfinde das Vereinnahmen des Rufes durch Pegida als eine anmaßende historische Fälschung. Denn, was als Ruf nach Reise- und Meinungsfreiheit, als Demonstration gegen die politischen Verhältnisse in der DDR, der Forderung nach demokratischen Veränderungen 1989 gerufen wurde, wird nun instrumentalisiert. Es ist der Versuch von Pegida, der eigenen Bewegung Bedeutung zu verleihen. Denn, wer da ruft, ist nicht das Volk, die Rufer gehören ihm zwar an, aber sie sind es nicht. Wir alle bilden gemeinsam die Bevölkerung: heterogen zusammengesetzt und geprägt von denkbar diversen Positionen und Handlungsmotiven. Gefährlich wird der Ruf ‚Wir sind das Volk‘ allerdings dann, wenn sich die Bedeutung des Begriffs ‚Volk‘ verkehrt in den Begriff ‚völkisch‘ wie bei Pegida. Denn dann heißt ‚Wir sind das Volk‘ – die anderen sind es nicht. Die nämlich, die eine andere Religion ausüben, die eine andere Hautfarbe haben und eine andere Sprache sprechen.

An dieser Stelle sollten wir uns vor Augen halten, dass moderne Nationen schon immer ein Völkergemisch waren. Und seit einigen Jahren mit den Einwanderungsbewegungen und Globalisierungsprozessen sind sie es noch mehr. Die populistischen Bewegungen, nennen sie sich Pegida oder AfD, erheben einen Alleinvertretungsanspruch, der sich auf der Utopie eines homogeneren Volkes gründet – das es tatsächlich aber nicht gibt. Die selbsternannten Sprachrohe einer vermeintlichen Mehrheit offenbaren so ihre demokratiefeindlichen und antipluralistischen Tendenzen. Daher ist es wesentlich, an Nationalfeiertagen darauf zu achten, dass nicht nur die eigene Nation beschworen wird, was vor allem ideologischer Vereinheitlichung und politischer Abgrenzung dient,– sondern stets auch auf größere Zusammenhänge, auf die größere Gemeinschaft und in die Zukunft zu blicken, um nationalistischen Bestrebungen vorzubeugen.“

Wo diese Zukunft liegt, da hatte Bert Spilles ebenfalls klare Vorstellungen, das kann nur der Weg von Europa sein. So war es kein Zufall, dass am Ende der Veranstaltung neben der Deutschen Nationalhymne auch die Europahymne gesungen wurde. Die musikalische Umrahmung der Feierstunde hatte Waldemar Kinas auf dem Klavier übernommen. Zum Abschluss lud die Stadt noch zu einem kleinen Sektempfang ein.

STF

Bürgermeister Bert Spilles mit Amtskette bei seiner Festrede.

Bürgermeister Bert Spilles mit Amtskette bei seiner Festrede. Foto: Stefan Fassbender Pressebuero

Das Auditorium war überaus gut gefüllt. Fotos: -StF- Foto: Stefan Fassbender Pressebuero

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