Buschhovener Haushaltsbefragung im Ausschuss
Die Chancen stehen gut für ein multifunktionales Nahversorgungszentrum
Regionale Produkte und Dienstleistungen sind ebenso gefragt wie ein Treffpunkt und ein Versammlungsort – Bürgerversammlung im Frühjahr 2019
Buschhoven. Gute Nachrichten für die Zukunft von Buschhoven hatte Christian Klems in der gemeinsamen Sitzung der Swisttaler Ausschüsse für Umwelt, Wirtschaftsförderung und Energie (UWE) sowie für Planung und Verkehr: „Ein multifunktionales Nahversorgungszentrum ist möglich, unter Betonung von regionalen und biologisch angebauten Produkten.“ Der Projektverantwortliche der Dorv-Zentrum GmbH präsentierte die Ergebnisse der Haushaltsbefragung, die von Juli bis September in Buschhoven durchgeführt worden war.
Wichtige und notwendige Ergänzungen für ein solches multifunktionales Nahversorgungszentrum seien allerdings Dienstleistungen, soziale Dienste, Kommunikations- und Kulturangebote, denn nur so sei der Umsatz deutlich zu steigern. Gisela Hein (SPD) sah schon eine „rosige Zukunft für Buschhoven“, und auch Monika Goldammer (FDP) fand, die Kleinteiligkeit sei die Chance für Buschhoven, die man jetzt ergreifen müsse. Klems vertrat zudem die Ansicht, wenn es gelänge, ein Nahversorgungszentrum zu etablieren, könne man damit auch dazu beitragen, Bank, Post, Arzt, Apotheke und Blumenladen auf Dauer im Ort zu erhalten.
Verlässlich und aussagekräftig
An der Haushaltsbefragung hätten nicht weniger als 594 Haushalte teilgenommen, was bei insgesamt 1315 Haushalten in Buschhoven einer Rücklaufquote von 45,17 Prozent entspreche, freute sich Klems. Dadurch könne man die Befragung als verlässlich und aussagekräftig ansehen – wenn sich auch die jüngere Generation nur in geringem Maße beteiligt habe. 77,6 Prozent der Befragten hielten das Projekt „Nahversorgungszentrum“ für eine gute Idee, 44 Prozent würden es sogar aktiv unterstützen und 51 Prozent erklärten sich bereit, ihr Einkaufsverhalten zu ändern. Allerdings sei auch Skepsis erkennbar, denn 17 Prozent fanden die Idee zwar toll, aber nicht umsetzbar, und vier Prozent sprachen dem Projekt überhaupt die Sinnhaftigkeit ab.
Bei der Befragung gaben zudem 64,8 Prozent an, ihnen sei die Qualität der angebotenen Projekte besonders wichtig, während nur 45,5 Prozent auf einen niedrigen Preis Wert legen. „Qualität vor Preis“ gelte ebenso wie „Regional schlägt Bio“, so Klems, denn regionale Produkte wünschen sich drei Viertel der Befragten, während der biologische Anbau nur von 41 Prozent bevorzugt wurde. Darüber hinaus wünschen sich 55 Prozent weitergehende Angebote, und 43 Prozent waren dafür, dass Nahversorgungszentrum auch zu einem Treffpunkt und zu einem Veranstaltungsort für Kulturereignisse zu machen. 81 Prozent der Befragten wären sogar bereit, die Produkte des täglichen Bedarfs künftig im Nahversorgungszentrum zu kaufen, wobei viele dafür allerdings einige gute Qualität, eine große Auswahl und einen günstigen Preis voraussetzten.
Produkte des täglichen Bedarfs gefragt
Besonderen Wert legen die Buschhovener darauf, dort Backwaren, Fleisch und Wurst, Molkereiprodukte sowie Obst und Gemüse vorzufinden. Tiefkühlkost, Fertiggerichte und Haushaltswaren werden eher als überflüssig angesehen. Eine gute Ergänzung wäre nach Ansicht der Buschhovener Angebote von Fisch, Getränken, Drogerieartikeln sowie Zeitschriften und Schreibwaren.
Doch das künftige Nahversorgungszentrum, wenn es denn Wirklichkeit werde, soll auch noch eine Reihe von Dienstleistungen unter einem Dach vereinen. So wünschen sich 64 Prozent ein Café/Bistro als Treffpunkt und Versammlungsort. Ebenso viele wollen hier einen Informationspunkt, und sogar knapp 80 Prozent eine Anlaufstelle des Bürgerbüros mit einem Formularservice. Hier könne auch Nachbarschaftshilfe organisiert und ein Reparaturdienst etabliert werden. Und natürlich, das wünschen sich 89 Prozent der Befragten, soll das Nahversorgungszentrum täglich geöffnet sein. Für die meisten würde ein Beginn um 8 Uhr ausreichen, lediglich 14 Prozent plädieren für eine frühere Öffnung ab 6 Uhr. Auch eine Sonntags-Öffnung kommt nur für sieben Prozent infrage.
Viele wollen selbst ehrenamtlich mitarbeiten
Bei der Frage nach dem Interesse, rund um das Nahversorgungszentrum auch ehrenamtlich mitzuarbeiten, gab es 103 mal ein „Ja“, was 17,3 Prozent entspricht, und 423 mal ein „Nein“ (71,2 Prozent). 44 Prozent seien darüber hinaus bereit, die Sache aktiv zu unterstützen.
In einer Bürgerversammlung im Frühjahr 2019 sollen die Ergebnisse noch einmal mit dem Buschhovenern besprochen werden, um auch festzulegen, wie es mit dem Projekt weitergehen soll. Klems wies darauf hin, dass bislang weder der Standort noch die Größe festgelegt sei. Und wenn man eine Umsetzung in Erwägung ziehe, sei auch noch die entscheidende Frage zu klären, wie das Nahversorgungszentrum organisiert werden soll. Entweder finde sich ein Kaufmann vor Ort, der das Projekt auf eigene Faust betreibe, oder man könne über die Gründung einer Genossenschaft oder eines Vereins nachdenken, ergänzte Hanns-Christian Wagner (CDU). Klems betonte: „Wenn Bürger als Fachleute in eigener Sache von Anfang an in dem Prozess mitgenommen werden, schafft das Verbundenheit zum Projekt.“
JOST
