Politik | 10.07.2020

Leserbrief zu dem Artikel „Bürgermeister Michael Mang bleibt im Amt“

Die Papaya - Koalition musste auf Stimmen der AfD hoffen

Wir haben jetzt also einen Bürgermeister, der nach Aussage der Papaya-Koalition, nur aus AFD-Gnaden noch seinen Posten hat.

Ich frage mich ob die Stadtratsmitglieder, die bei der Abwahl mit „Ja“ gestimmt haben, die Bürgerschaft für absolut blöd halten oder selber einfach nur naiv sind? Was sie Herrn Mang nun vorwerfen haben sie billigend in Kauf genommen bzw. sie mussten auf die Stimmen der AFD hoffen, ohne die es nicht geht.

Ich bin weder ein Freund der AFD noch von Herrn Mang, aber die Enthaltung der Fraktionsmitglieder der AFD war doch eigentlich genau das Richtige, denn in Luft können sie sich nicht auflösen und ein Fernbleiben von der Sitzung hätte der Koalition auch nicht geholfen. Die Ursache für dieses ganze Desaster liegt nicht bei Herrn Mang sondern bei der Koalition, die das Ganze mit ihrem Abwahlantrag ohne die erforderlichen Mehrheiten ins Rollen gebracht hatte und jetzt auf einmal den Spieß umdrehen will. Übrigens habe ich Herrn Mang noch nie als die richtige Personalie für den Beigeordneten oder später für den Bürgermeister gesehen, aber man hat sich daran gewöhnt, dass in Neuwied noch nie die Kompetenz sondern nur das Parteibuch ausschlaggebend bei der Vergabe von Schlüsselpositionen war.

An der Stelle möchte ich die Stadtratsmitglieder daran erinnern, dass sie vor ein paar Monaten mit Herrn Seemann jemanden zum Beigeordneten gewählt haben, der nach eigenen Aussagen Geschäftsführer einer Firma war, die jahrelang rote Zahlen geschrieben hat, weil die Firma scheinbar ein Abschreibungsmodell war.

Die Grünen hatten damals das Vorschlagsrecht und in alter Neuwieder Tradition einen aus ihren Reihen dazu auserkoren. Dieser Mann ist nun unter anderem als Kämmerer für die Finanzen dieser Stadt zuständig. Hört sich fast wie ein Witz an oder war es vielleicht der Wille des Stadtrats aus Neuwied ebenfalls ein Abschreibungsmodell zu machen? In der freien Wirtschaft müssen Bewerber für solche Stellen, die Herr Mang und Herr Seemann besetzen, in einem Assessment-Center ihre fachlichen und sozialen Kompetenzen auch im Vergleich zu anderen Mitbewerbern unter Beweis stellen.

In Neuwied spielt das alles keine Rolle, Hauptsache er oder sie hat gerade das passende Parteibuch.

Wenn Herr Mang nun also gehen sollte, wird sein Nachfolger wahrscheinlich ein verdienter Parteifreund der CDU oder der FWG werden, ob der dann Führungsqualitäten und die fachliche Eignung hat, wird wieder Nebensache sein. Leider führt diese Personalpolitik, wie sie schon jahrzehntelang praktiziert wird, zu einem weiteren Abstieg von Neuwied in vielen Bereichen.

Wirklich schade aber vielleicht ist diese Stadt doch nur ein „Abschreibungsmodell“. Mir fällt zum Abschluss deshalb nur folgender Satz von Sepp Herberger dazu ein, der transformiert auf die politische Ebene von Neuwied lauten würde: „Nach dem Mang ist vor dem Mang“, oder wie der Nachfolger auch immer heißt.

Frank Mücke, Niederbieber

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