Lesermeinung zur Errichtung von Windkraftanlagen im Wald
"Die Sonne wird zerhackt"
Die Gefahr ist riesengroß, 141 Meter hoch, und trotzdem kann sie von den Betroffenen in Remagen und Sinzig bisher kaum wahrgenommen werden. Denn der soeben errichtete Windmessmast am Asberg im Westerwald ist schlank wie eine Gerte und hebt sich so wenig vor dem himmlischen Hintergrund ab, dass er aus Remagen mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar ist. Wer wissen will, was da auf die linksrheinischen Gemeinden zukommt, sollte diesen Mast am Asberg mit dem Feldstecher suchen. Seine Spitze markiert nur die Nabenhöhe von 18 dort geplanten, riesigen Windkraftanlagen. Jedes dieser Megawatt-Monster wird höher als der Kölner Dom. Vorangetrieben wird das Projekt vom Energiekonzern EVM und der Verbandsgemeinde Unkel, die sich davon finanzielle Vorteile für ihren Stadtsäckel erhofft. Geopfert wird dafür ein großer, ökologisch wertvoller Wald, der eigentlich besonders geschützt ist als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat). Und völlig gleichgültig ist den Drahtziehern die damit verbundene Zerstörung des Landschaftsbildes, denn „bei uns in Unkel sieht man das ja nicht“. Wohl aber sieht man diesen verheerenden, brutalen Eingriff in Natur und Landschaft vom Drachenfels, vom Rolandsbogen, vom Arp-Museum, von der Rheinhöhe in Oberwinter, von der Apollinariskirche und allen höher gelegenen Stadtteilen in Remagen. Am wenigsten gewarnt ist bisher die Bevölkerung in Sinzig. Wer sich dort bisher am Blick rheinabwärts freuen kann bis hin zur Löwenburg im Siebengebirge, dem werden dann 54 gewaltige, schnell kreisende Rotorblätter die Sicht gründlich verderben. Und wer bisher von der Oberwinterer Rheinhöhe den wunderschönen Sonnenaufgang über dem Westerwald bewunderte, dem wird künftig dann die Sonne von diesen überdimensionalen Windmühlenflügeln dreimal pro Sekunde zerhackt. Rechtsrheinisch führt der Rheinsteig direkt an diesem geplanten Windpark vorbei, linksrheinisch wird der Blick vom Rheinburgenweg von vielen Stellen gezwungenermaßen auf diese Windmonster gerichtet werden. Windparks und Tourismus aber vertragen sich nicht. Darüber kann so manche Gemeinde an der Küste inzwischen ein Klagelied anstimmen. Viel Hoffnung, dass irgendeine übergeordnete staatliche Instanz diesen Wahnsinn noch stoppt, besteht nicht mehr. Wer die Macht und das Geld hat, kann sich sogar über zwingende gesetzliche Vorschriften hinwegsetzen. Der Windmessmast am Asberg überragt alle benachbarten Berggipfel bei Weitem. Er steht mitten in einer Flugroute des Flughafens Köln/Bonn und müsste (nach ICAO, Annex 14 und AVV Kennzeichnung) Tag und Nacht mit Warnblinklichtern auf sich aufmerksam machen. Jeder Ausfall dieser Warneinrichtungen müsste sogar sofort gemeldet werden. Am Asberg blinkt nichts. Es fehlt dafür ein Stromanschluss.
Wolfhart v. Stackelberg,
Oberwinter
