Politik | 07.05.2013

Warum verweigert man den Angehörigen der verschleppten Juden einen Ort zur Trauer ?

Die Stolperstein - Entscheidung

Anmerkung zu der Entscheidung des Stadtrates zu „Stolpersteinen“ in Rheinbach

Es wird geredet, geredet, geredet, zum x-ten Mal vom Kaugummi auf den Stolpersteinen, von Verschmutzung derselben, von Gedenkstätten, die in Rheinbach ausreichend vorhanden seien. Es wird mit belegter Stimme von Besuchen in Auschwitz und Buchenwald gesprochen, von Betroffenheit ist die Rede, davon, dass das damals eine schlimme Zeit war, die nie wiederkehren dürfe, es werden Artikel aus dem Grundgesetz vorgelesen, einen Pfad der Geschichte wollen sie einrichten, die Ratsherren von CDU und FDP. Strengt Sie es denn so sehr an, sich einmal damit zu beschäftigen, was das Anliegen dieser Stolpersteinen sein kann? Sie alle haben Angehörige, deren Sie auf den Friedhöfen an Allerheiligen und an anderen Tagen gedenken. Sie können sich an den Gräbern erinnern und trauern. Die Angehörigen der verschleppten Juden können das nicht. Es wäre doch zutiefst christlich ihnen, die keine Gräber aufsuchen können, zumindest vor dem Haus, in dem ihre Angehörigen zuletzt gelebt haben, einen Ort der Erinnerung zu geben. Doris G., eine 87-jährige Dame aus Prag, die Theresienstadt überlebte, führt immer noch Zeitzeugengespräche vor Schülern, auch schon in Rheinbach und Köln. Sie hat z.B. nach einem Stolperstein für Freddy Hirsch in Aachen gesucht, den sie aus Theresienstadt kannte. Er war ein begnadeter Jugendleiter und wurde in Auschwitz umgebracht. Ich habe in Zerbst 2011 am Verlegen von Stolpersteinen teilgenommen. Die Familien B. waren aus Wuppertal und Berlin angereist, um dieser Ehrung für ihre Großmutter Ida F. beizuwohnen. Können Sie so gar nicht empfinden, was das für diese Menschen bedeutet? Wieviel Zeit und Energie haben Sie schon aufgebracht, um Stolpersteine zu verhindern, weshalb?

Kurt Dziubek

Rheinbach

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