Bürgermeister Frank Becker gedenkt in der Ratssitzung der Pogrome von 1938
„Die Terrorherrschaft der Nazis war der Zivilisationsbruch“
Linz. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz am Rhein, Frank Becker, hat unmittelbar vor Eintritt in die Tagesordnung der VG-Ratssitzung am 9. November der Juden-Pogrome des Jahres 1938 gedacht. Eine „normale Ratssitzung an diesem 9. November“, so Becker, sei nicht möglich, ohne an die Judenverfolgung zu erinnern.
Bedauern und Entsetzen reichten nicht aus angesichts des Leids dieser Tage. Der 7. Oktober dieses Jahres habe nicht nur Israel verändert. Er stelle „auch jeden Einzelnen von uns vor die Frage: Wie halten wir es mit Israel, mit den Juden, mit dem Antisemitismus?“ Becker beantwortet die Frage selbst: „Wir Deutsche haben eine Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel“, erklärte er und verwies auf die ehemalige Linzer Synagoge, „die sich keine fünf Minuten von hier (dem Ratssaal, d.Red.) befand.“
„Jüdische Mitbürger sind entrechtet und auch vernichtet worden“
Dort, so der Bürgermeister weiter, „sind jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft überfallen, geschlagen, verjagt, entrechtet – und später umgebracht und vernichtet worden.“ Becker bezeichnete die Terrorherrschaft der Nazis als „Zivilisationsbruch“.
Schweigeminute als Zeichen gegen jede Form des Judenhasses
Aller Opfer dieser Auseinandersetzung müsse man gedenken, betonte der Bürgermeister.
Aber: „Heute und hier gedenken wir der Opfer des Massakers durch die Terrororganisation Hamas, die Menschen vieler unterschiedlicher Nationen, unterschiedlicher Religionen, unterschiedlichen Alters abgeschlachtet hat – so viele an einem Tag wie seit der Shoa nicht mehr.“
Er bat den Rat der Verbandsgemeinde, sich zu einer Schweigeminute zu erheben und damit ein Zeichen zu setzen gegen „jede Form des Judenhasses und des Antisemitismus“.
Pressemitteilung VG Linz

Es wird in der nächsten Zeit vieles davon abhängen, wieviel "aber" man zulässt. Heute kam in den Nachrichten, es wären im Gaza-Streifen inzwischen schon über 100 UN-Mitarbeiter durch israelische Kampfhandlungen getötet worden. Ist das auch Teil der Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel? Und wie weit geht diese Verpflichtung gegenüber den Zivilopfern unter den Palästinensern? Und wenn man solche Fragen stellt, muss man dann irgendeinen Kontext zu Antisemitismus zulassen, oder darf man da auch als Deutscher differenzierter denken?
Auschwitz, Majdanek und Treblinka sind Geschichte. Die Kibbuzim und Grenzdörfer Beeri, Nachal Oz und Kfar Aza sind Gegenwart, aktuell un dzeugen von brutalster Gewalt. Und während, vor allem aus der Bundesregierung, Lippenbekenntnisse zu Israel immer mit einem "aber" verbunden sind, toben tausende auf unseren Straßen, beschimpfen Israel, faseln von Völkermord. Nun ist ersichtlich, dass all das Gerede von "Nie wieder" nichts Wert ist.