Politik | 18.08.2017

Interview mit Bürgermeister Georg Hollmann

„Die VG ist eine Region der Möglichkeiten“

Bürgermeister Georg Hollmann.ROB

BLICK aktuell: Herr Hollmann, was macht den Reiz aus, in der Verbandsgemeinde Weißenthurm Bürgermeister zu sein?

Georg Hollmann: Die Verbandsgemeinde ist ein wunderbarer Standort, an dem man viel bewegen kann. Wir leben in einer wirtschaftsstarken und attraktiven Region mit sehr guter Infrastruktur durch die Nähe zum Rhein und den Anschluss an Autobahnen und das Schienennetz. Außerdem ist die Verbandsgemeinde Weißenthurm mit ihren rund 35.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit ihren zwei Städten und fünf Ortsgemeinden sehr kompakt aufgebaut. Hier finden sich sehr nette Menschen, die den Zusammenhalt zu schätzen wissen und ein gedeihliches Zusammenleben ermöglichen. Man kann sagen: Die Verbandsgemeinde Weißenthurm ist eine Region der Möglichkeiten.

BLICK aktuell: Welche Projekte sind Ihnen in Ihrer Amtszeit besonders geglückt?

Hollmann: Man muss zunächst sagen: Einzelkämpfer war ich nie. Alle Projekte wurden im Team umgesetzt mit aktiven und fachlich versierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Vieles in enger Zusammenarbeit mit dem Verbandsgemeinderat und den Städten und Ortsgemeinden. Zu beiden besteht ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Ein besonders wichtiger Punkt war es, eine bedarfsgerechte Infrastruktur in Bezug auf Kindertagesstätten und Schulen zu schaffen. Hier konnten wir viel bewegen. So ist die VG Weißenthurm die einzige Verbandsgemeinde in Rheinland-Pfalz, die Trägerin eines Gymnasiums ist. Auch im Bereich der Kindertagesstätten ist die VG gut aufgestellt: Sechs der insgesamt demnächst 14 Kitas vor Ort sind in Trägerschaft der VG. Dazu kommen insgesamt neun Grundschulen in Trägerschaft unserer Stadt- und Ortsgemeinden sowie das Mittelrhein-Gymnasium und die Realschule plus an der Römervilla in Mülheim-Kärlich. Somit ist die VG ein sehr starker und wohnortnaher Bildungsstandort . Kinder können vor Ort den Bildungsweg von der Kindertagesstätte bis zum Abitur beschreiten. Das ist ein klarer Standortvorteil. Ergänzt wird das Angebot zukünftig von der integrativen Kita, die sich zurzeit im Bau befindet. Außerdem sind drei weitere Kitas in der Planung. Die Auslastung der bisherigen Einrichtungen zeigt, dass wir uns auf einem richtigen Weg befinden und Familien sich hier wohlfühlen. Es geht also weiter.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist unser ausgeprägter Wirtschaftsstandort. Durch eine kluge Ansiedlungspolitik ist es gelungen, zahlreiche neue Unternehmen in dem Gebiet der VG anzusiedeln. Einen entscheidenden Beitrag haben hier die Mitarbeiter unserer Wirtschaftsförderung geleistet. Viele Verbesserungen gab es auch in Bezug auf den Brandschutz. Die Freiwilligen Feuerwehren können dank vielfältiger Investitionen auf einem technisch hohen Niveau arbeiten. Ein Beispiel dafür ist das neue Feuerwehrhaus Kaltenengers/ St. Sebastian. Mir ist und war es immer sehr wichtig, dass die Mitglieder der Wehren sich auf ihren Träger - die VG - verlassen können.

Auch die Möglichkeiten im Bereich der Naherholung und des Tourismus wurden intensiviert durch Rad- und Wanderwege. Ein Beispiel dafür ist das Radwanderwegenetz, das in den letzten Jahren stark ausgebaut wurde. Anfang nächsten Jahres soll der Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse Ochtendung – Bassenheim realisiert werden. Das ist ein „Leuchtturmprojekt“, dessen 1. Spatenstich ich noch gerne als Bürgermeister erleben möchte. Ein tolles Beispiel für ein gelungenes, touristisches Projekt ist auch der Wohnmobilstellplatz in Urmitz, der mit unserer Unterstützung durch die Ortsgemeinde verwirklicht wurde und der dank seiner schönen Lage immer mehr Touristen anzieht.

Weitere Herausforderungen, bei denen wir große Fortschritte erzielen konnten, sind die erfolgreiche Unterbringung der Flüchtlinge – und dies ohne belegte Turnhallen oder das Aufstellen von Zelten. Ohne die Unterstützung der vielen Ehrenamtler wäre dies nicht umsetzbar gewesen. Im Bereich der Wasserversorgung ist es weiter gelungen, gutes und günstiges Wasser anzubieten. Bei der Abwasserbeseitigung konnten trotz großer Investitionen an der Kläranlage die Gebühren konsequent stabil niedrig gehalten werden. Besonders erwähnenswert ist auch unsere Kommunale Jugendarbeit, die pro Jahr knapp 350 Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche anbieten kann.

Das ist eine hervorragende Entwicklung. Auch im Kampf gegen den Bahnlärm konnten Fortschritte erzielt werden.

BLICK aktuell: Mit welchen Personen, Einrichtungen und Institutionen konnten Sie besonders fruchtbar zusammenarbeiten?

Hollmann: Eine besonders gute Zusammenarbeit gibt es mit den kommunalen Gremien und den Stadt- und Ortsbürgermeistern. Bei den vielen Projekten der Vergangenheit haben wir stets einen gemeinsamen Nenner gefunden. Auch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis ist von Vertrauen geprägt. Besonders als es galt, die Flüchtlingskrise zu bewältigen, konnten wir uns auf Landrat Dr. Alexander Saftig verlassen. Sehr gut ist ebenfalls die Zusammenarbeit mit meinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier in der Verwaltung. Darüber hinaus habe ich ein ausgezeichnetes Verhältnis zu dem Ersten hauptamtlichen Beigeordneten Thomas Przybylla und den ehrenamtlichen Beigeordneten. Wir sind ein eingespieltes Team. Im Laufe der Zeit habe ich viele Ehrenamtler, Unternehmer und Vertreter verschiedener Institutionen getroffen, mit denen viele Projekte angegangen und umgesetzt werden konnten.

BLICK aktuell: Was waren die bewegendsten Momente in Ihrer Amtszeit?

Hollmann: Es gab viele. Wenn man den Menschen mit ihren großen und kleinen Anliegen helfen konnte, war es für mich immer eine große Freude, diese Dankbarkeit zu spüren. Und auch wenn die Probleme nicht lösbar waren, war es mir immer wichtig, sich den Anliegen der Menschen anzunehmen und zuzuhören. Denn das allein kann schon Nutzen bringen.

BLICK aktuell: Gibt es auch negative Erlebnisse während Ihrer Amtszeit?

Hollmann: Zunächst muss man sagen: Die schönen Erlebnisse überwiegen deutlich und das Negative ist nicht prägend. Schade war sicherlich, dass die Realschule plus in Weißenthurm nicht selbstständig bleiben konnte. Trotzdem konnte die beste Lösung erreicht und die Schule in das Mülheim-Kärlicher Schulzentrum integriert werden.

BLICK aktuell: Welche Projekte sollen in Ihrem letzten Jahr als Bürgermeister noch angegangen bzw. auf den Weg gebracht werden?

Hollmann: Es gibt noch einiges zu tun. Für mich ist es wichtig, dass die integrative Kita noch im Zeitplan fertiggestellt wird. Gleiches gilt für das neue Feuerwehrhaus für die Wehren aus Kaltenengers und St. Sebastian. Außerdem wäre da noch der bereits erwähnte Lückenschluss des Radwanderweges zwischen Bassenheim und Ochtendung. Grundsätzlich möchte ich außerdem die interkommunale Zusammenarbeit – gerade im unteren Mittelrheintal - rechts und links des Rheines weiterentwickeln, zum Beispiel im touristischen Sektor. Fortschritte soll es auch weiter im Kampf gegen den Bahnlärm in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative „Wir gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“ geben – hier gilt: „dranbleiben“.

BLICK aktuell: Was sind Ihre Pläne für den Ruhestand?

Hollmann: Das lasse ich alles auf mich zukommen. Vielleicht das ein oder andere Ehrenamt. Ich werde mich mehr der Gartenarbeit widmen, Rad fahren, wandern, reisen, lesen und vor allem Zeit für Familie und Freunde.

BLICK aktuell: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte

Daniel Robbel

Bürgermeister Georg Hollmann.Foto: ROB

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