Politik | 13.04.2018

Ausbringung von holländischem Geflügelkot in Asbach

„Dieser Gülletourismus gehört verboten !“

Kreis Neuwied. Landrat Achim Hallerbach reagiert empört auf die Ausbringung von holländischem Geflügelkot im Umfeld von Asbach-Heide am ersten Frühlingssonntag des Jahres. „Im Kreis Neuwied betreiben unsere Landwirte – einige wenige schwarze Schafe ausgenommen – eine vorwiegend extensiv ausgerichtete landwirtschaftliche Produktion mit sachgerechter Ausbringung von Gülle und Stallmist auf betriebsnahen Flächen. Für die Sünden in den Intensiv-Veredelungsstandorten werden sie dann noch mit an den Pranger gestellt!“

„Leider sind unserer Behörde bei diesem Gülletourismus die Hände gebunden“, so der Landrat. Die Anträge auf Verbringung von ausländischer Gülle oder Trockenkot werden direkt beim Landesministerium beantragt und bewilligt. „Unsere vorgebrachten Bedenken und unser Veto wurden beim Antragsverfahren nicht gehört“, so Achim Hallerbach. In den Intensiv-Veredelungsstandorten in Holland, am Niederrhein und im Münsterland schwappen die Güllebehälter über. Viele Tiere und wenig Fläche. Mit Schiffen und LKW wird die stinkende Fracht über hunderte von Kilometern transportiert. Grundsätzlich sei die Praxis, organischen Dünger von Überschussgebieten in Ackerbauregionen zu bringen, nicht verwerflich, so die Kreisverwaltung. Ackerbaubetriebe ohne Viehhaltung benötigen zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit organische Masse. Diese kann dem Boden im Rahmen der Fruchtfolge oder durch Zwischenfruchtanbau nur bedingt zugeführt werden. „Die Übernahme von organischem Dünger sollte nach Möglichkeit innerhalb einer Region erfolgen. Das Risiko der Seuchenverbreitung wäre damit deutlich minimiert. Aber in die Abwägung zwischen Handelsfreiheit und tierseuchenrechtlichen Bedenken hat sich der Gesetzgeber für eine liberale Handelspolitik entschieden“, bedauert Thomas Ecker von der unteren Landwirtschaftsbehörde der Kreisverwaltung Neuwied.

„Wir müssen als Sündenböcke für die industrielle Landwirtschaft in anderen Regionen herhalten“, ist sich Ulrich Schreiber, Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes mit dem Landrat einig. Er verweist auf die zahlreichen Diffamierungen, denen sich die Landwirtschaft durch eine gesellschaftliche Minderheit ausgesetzt sieht. „Unsere Landwirte werden durch immer schärfere gesetzliche Regelungen gegängelt und müssen sich permanent Rechtfertigen. So allmählich verlieren die meisten Bauern die Lust und wollen ihren Kindern keine Hofübernahme zumuten. Bei dem Altersdurchschnitt unserer Landwirte kann man ausrechnen, wann das Licht ausgeht. Dann werden Investoren aus anderen Regionen die Flächen übernehmen. Und dann wird sich auch im Kreis Neuwied eine andere Form der Landwirtschaft entwickeln, die letztendlich keiner haben will“, fürchtet Ulrich Schreiber. „Wenn wir genau diese Intensiv-Landwirtschaft verhindern wollen, dann müssen wir jetzt unsere vorhandenen Extensiv-Landwirte im Landkreis Neuwied unterstützen und ihre Arbeit wertschätzen. Unsere Landwirte sind wichtige Landschafts- und Kulturpfleger sowie die Produzenten regionaler Lebensmittel. Diese gilt es zu sichern. Unsere mit der Region verwurzelten Landwirte importieren keinen holländischen Hühnerkot“, betont Landrat Achim Hallerbach. Er bedauert, dass ein Betrieb die gesamte Landwirtschaftsbranche in ein derart schlechtes Licht führe. Dies sei auch ein Zeichen einer fehlenden regionalen Bindung und Identifikation. Alle betonen, dass absolut keine Notwendigkeit bestanden habe, diese Aktion an einem Sonntag durchzuführen. In derartigen Fällen empfiehlt die Kreisverwaltung, unverzüglich die Polizei zu informieren, damit das Gesetz zum Schutz von Sonn- und Feiertagen eingehalten werden könne.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Monatliche Anzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige mehrere Stellen
Stellenanzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Empfohlene Artikel
Petra Schneider. Foto: privat
21

Kreis Ahrweiler. Am 23. April 2026 ist es wieder so weit: Der bundesweite Girls‘ Day/Boys‘ Day bietet jungen Menschen die Gelegenheit, spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu erhalten. Auch die CDU-Landtagsfraktion beteiligt sich erneut an diesem Aktionstag und lädt Schülerinnen und Schüler ein, einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik zu werfen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2280

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
133

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Fahrer gesucht (m/w/d)
Doppelseite PR/Anzeigen
Koblenz blüht
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Kreishandwerkerschaft
Container Anzeige
SB Standesamt
Angebotsanzeige (April)
Ostergrußanzeige
Titelanzeige
Stellenanzeige Personalreferent/in