Politik | 04.07.2016

Informationsveranstaltung „Güterzuglärm an Rhein und Mosel – was bringt die Zukunft?“

Droht Rhein- und Moseltal der Lärmtod?

Koblenz bereitet Antibahnlärm-Demo am 3. September vor

Bürgerinitiativensprecher Willi Pusch (4.v.r.) sowie die Gastgeber Landrat Dr. Saftig (2.v.r) und der Koblenzer Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig inmitten politisch Verantwortlicher der Mittelrheinregion und des Rheingaus. WE

Koblenz. Eine Informationsveranstaltung mit dem Thema „Güterzuglärm an Rhein und Mosel – was bringt die Zukunft?“ fand in der vergangenen Woche in der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz statt. Die Einladung dazu hatten das Aktionsbündnis zahlreicher Bürgerinitiativen, die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und die Stadt Koblenz ausgesprochen und erschienen waren Abgeordnete, Landräte, Bürgermeister und interessierte Bürger der betroffenen Region sowie Vertreter der Zweckverbände Rheingau und Welterbe Oberes Mittelrheintal. In Vorbereitung der am 3. September in Koblenz geplanten Antibahnlärm-Demonstration informierten Willi Pusch und Wolfgang Schneider als Sprecher des Bürgerinitiativen-Aktionsbündnisses über die zu erwartende Entwicklung der Täler im Zusammenhang mit geplanten Veränderungen im Güterfrachtverkehr und den gesetzlichen Rahmenbedingungen. „Was auf die Täler zukommt, wenn die Pläne der Bahnunternehmen so umgesetzt werden, muss alle Anwohner auf die Barrikaden treiben“ so die Sprecher Pusch und Schneider „dann sind unsere Täler als Lebensräume zerstört.“

„Bahnlärm mindert die Lebensqualität und macht die Menschen krank“

Landrat Dr. Saftig machte als Gastgeber in seinen Grußworten deutlich, dass der Bahnlärm im Mittelrhein- und Moseltal die Menschen krank mache, deren Lebensqualität mindere, den Fortzug der jüngeren Generation begünstige, Immobilienwerte vernichte und von der Schädigung des Tourismus die gesamte Volkswirtschaft betroffen ist. „Lärm ist heutzutage allgegenwärtig undwird in seiner gesundheitsschädigenden Wirkung maßlos unterschätzt“, so der Landrat „was wir brauchen sind schnelle effektive und dauerhafte Maßnahmen und Lösungen. Die Technik ist da, man muss sie aber auch nutzen.“ In die gleiche Kerbe schlug der Koblenzer Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig. Die Demonstration am 3. September begrüßte der Oberbürgermeister, dankte für die Initiative und versicherte die uneingeschränkte Solidarität der Stadt Koblenz. Als Oberbürgermeister sei dieses Engagement eine Frage des vitalen Interesses für das Oberzentrum. Auf die Grußworte der Gastgeber folgte ein kurzes Statement der hessischen Landtagsabgeordneten und Staatssekretärin a.D. Petra Müller-Klepper. Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtages waren nicht zugegen.

Wolfgang Schneider ist einer der beiden Sprecher der „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.“ sowie gleichzeitig des gegründeten Aktionsbündnisses zahlreicher Bürgerinitiativen von Rhein und Mosel. Herr Schneider benannte die Zielsetzung der Vorbereitungsveranstaltung und demonstrierte den Anwesenden anhand konkreter Beispiele die reale Lautstärke des Bahngüterverkehrs an verschiedenen Messpunkten und zu verschiedenen Tageszeiten.

Als Sprecher der von ihm mitgegründeten Mittelrheininitiative sowie des Aktionsbündnisses vieler Initiativen und Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Schienenlärm informierte Willi Pusch über die aktuelle und künftige Problematik des Bahnlärms mit einer Power-Point-Präsentation. „Wir sind nicht gegen die Bahn“, so der Vortragende gleich eingangs und bezeichnete sie sogar als eine gigantische Kulturleistung. Die Güterbahn sei wichtig, müsse aber leiser werden und raus aus den Tälern.

Forderung: Neubau einer rechtsrheinischen Güterverkehrsstrecke

Deshalb wiederholte Herr Pusch die Forderung zum Neubau einer rechtsrheinischen Güterverkehrsstrecke zwischen Troisdorf und Mainz-Bischofsheim, die das Rheintal neben kurzfristigen Maßnahmen zusätzlich von Güterzügen entlasten würde. Anhand aktueller Ereignisse ging Herr Pusch auf die Risiken von Gefahrguttransporten ein, die einen nicht unerheblichen Anteil des Güterverkehrs ausmachen. Kürzlich entgleiste nach einem Unwetter ein Regionalzug nahe Bacharach durch Geröll und verletzte dabei zehn Menschen. Erst wenige Tage zuvor war der Abschnitt zwischen Niederheimbach und Bingen betroffen und vor rund einem Monat entgleiste ein Regionalzug zwischen Hatzenport und Moselkern nach einem Erdrutsch an der Mosel.

Der Anstieg des Güterverkehrs im Rhein- und Moseltal aufgrund der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels war ebenso Teil des Vortrags wie die weiterhin fehlenden gesetzlichen Vorschriften zur Begrenzung des Güterverkehrslärms der Bahn, ohne die auch weiterhin Klagen keine Aussicht auf Erfolg haben.

In der abschließend von Rolf Papen moderierten Fragerunde warnte Weißenthurms Bürgermeister Georg Hollmann davor, beim Warten auf die Alternativtrasse die kleinen jetzt direkt helfenden Maßnahmen zu vernachlässigen, und er verwies auf ein konkret anstehendes Bauvorhaben, bei dem ausdauernd darüber gestritten werde, wie vorhandene Finanzmittel aufzuteilen seinen.

„Die Zahl der Züge wird immer mehr, da müssen wir was machen“, hatte Bundeskanzlerin Merkel anlässlich des Bundestagswahlkampfes 2013 in Koblenz Mitgliedern der Bürgerinitiative versprochen – passiert ist bis jetzt nichts. Dies obwohl technisch so vieles möglich wäre – wenn, ja wenn der Bund dafür Geld bereitstellen würde. WEC

Bürgerinitiativensprecher Willi Pusch (4.v.r.) sowie die Gastgeber Landrat Dr. Saftig (2.v.r) und der Koblenzer Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig inmitten politisch Verantwortlicher der Mittelrheinregion und des Rheingaus. Foto: WE

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Kleinanzeigen
Kirmes in Polch
Suchen Auslieferungsfahrer
Schulhausmeister
Lava Grill Buffet
Brunchanzeige
Löhndorfer Kirmes
Stellenanzeige Auszubildung zum/zur Umwelttechnologen/in
Empfohlene Artikel
Der marode Zustand der L 83 ist in Kempenich Dauerthema.  Foto: Jochen Seifert
336

Der Artikel zeigt deutlich das Dilemma mit der Sanierung von Landes- und Kreisstraßen im Kreis Ahrweiler. Dem LBM ist der Zustand der L 83 von der K 18 bis nach Kempenich bekannt – das freut mich. Offensichtlich nicht bekannt ist der miserable und verkehrsgefährdende tatsächliche Zustand, denn dann hätte man die Straßen längst saniert. Der benannte Abschnitt der L 83 stand schon im Investitionsplan Landesstraßen der Landesregierung von 2019 – 2023 mit insgesamt 1,934 Millionen Euro.

Weiterlesen

Die CDU Rheinbreitbach freut sich auf viele Gäste beim Burgfest am 26. April.  Foto: Heinz-Werner Lamberz
24

Rheinbreitbach. Der CDU-Ortsverband Rheinbreitbach lädt ein zum Burgfest am Sonntag, 26.04.2026 ab 15:00 Uhr in und um die Obere Burg, Schulstraße 7a in Rheinbreitbach. Angeboten werden leckere, von Mitgliedern gebackene Kuchen, selbstverständlich auch Kaffee, Tee sowie andere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Natürlich besteht Gelegenheit zu Gesprächen untereinander sowie mit Abgeordneten und Kommunalpolitikern.

Weiterlesen

Flutschäden im Juli 2021.  Foto: ROB
1057

Als Bürger dieses Landkreises fühle ich mich nicht gut beraten und auch nicht sonderlich beschützt, wenn man beim lesen des Artikels, in dem der Leiter der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz im Kreis Ahrweiler Stellung bezieht. Man könnte den Eindruck erhalten, dass die PR-Maßnahme der Verwaltung auf jeden Fall eines bewirken soll – und zwar zu Beschwichtigen. In dem Artikel war besonders und in erstaunlicher Weise zu erfahren, was alles nicht geht oder länger dauern wird.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Restaurator Klaus Tenschert mit den zurückgekehrten Kunstwerken:  Foto: Stadtverwaltung / Franziska Düngen
14

Restaurator Klaus Tenschert hat der Kunst neues Leben eingehaucht

Flutgeschädigte Skulpturen kehren an die Ahr zurück

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kurz vor Ostern war im städtischen Museumsdepot in der Niederhutstraße in Ahrweiler die Freude sehr groß, als sich Restaurator Klaus Tenschert aus Hirschaid (bei Bamberg) ankündigte, um der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler vier restaurierte Skulpturen zurückzugeben. Fast zwei Jahre lang haben sie sich in seinen fachkundigen Händen befunden, bevor sie in neuem Glanz die Rückreise an die Ahr antreten konnten.

Weiterlesen

Die Westumer Wehr in der 1930er Jahren.  Foto: privat
8

Westum. Die Freiwillige Feuerwehr Westum blickt in diesem Jahr auf ein ganz besonderes Jubiläum: ihr 100-jähriges Bestehen. Anlässlich dieser bedeutenden Feierlichkeiten möchten wir gemeinsam mit der Bevölkerung auf die bewegte Geschichte unserer Feuerwehr zurückschauen. Nun wendet sich die Wehr an die Öffentlichkeit:

Weiterlesen

Die derzeitige Brunnenkönigin Sophie I. mit ihrer Nachfolgerin Elisa I.
28

Warum wird in Bad Breisig einen Brunnenkönigin gewählt und wie kam es dazu?

Die Geschichte Brunnenkönigin der Quellenstadt Bad Breisig

Bad Breisig. Seit vielen Jahren wählt Bad Breisig eine Brunnenkönigin zum Brunnenfest. Dieser Brauch ist seit 1979 bereits zur Tradition geworden und findet jährlich zu Christi Himmelfahrt statt. Bereits 23 Brunnenköniginnen wurden in der Quellenstadt bis heute gekrönt. Den ersten Höhepunkt dieses Festes bildet ihre feierliche Ankunft, in einer festlich dekorierten Kutsche, im Kurpark.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag Imageanzeige
Kirmes Polch 2026
Kirmes Polch 2026
neue Heizung?
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Floristik Meyer
Blumen Meyer Neueröffnung
Anzeige Uhren Vintage
Kirmes in Löhndorf
Kirmes in Löhndorf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim