Beschäftigte der Koblenzer Brauerei bangen um ihre Arbeitsplätze
Eigentum verpflichtet?!
Koblenz. Jahrelange Misswirtschaft und fehlende Investitionen haben die Insolvenz der Traditionsbrauerei an der Königsbach verursacht. Durch den Einstieg des Immobilieninvestors Christian Seitz war das Schicksal der Brauerei besiegelt.
Durch die Übernahme der Grundstücke und Gebäude des Areals an der Königsbach im Jahr 2018 durch den Immobilieninvestor aus dem Allgäu war für viele Kenner der Branche und des Zustands der Koblenzer Brauerei das weitere Schicksal der Traditionsbrauerei offenkundig. Die über Jahre ausbleibenden Investitionen in die bestehenden Gebäude und Anlagen taten ihr Übriges.
Bereits seit 2019 hatte der zuständige Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Volker Daiss immer wieder darauf gedrängt, dass sich Betriebsrat und Geschäftsführung über eine offenkundig anstehende Betriebsänderung verständigen. Direkt nach der Übernahme durch Herrn Seitz hatte die Gewerkschaft diesen Prozess im Zusammenhang mit einem damals abgeschlossenen Härtefalltarifvertrag auch unterstützt. Dabei wurde u.a. eine Absenkung des Weihnachtsgeldes vereinbart, um damals schon dringend notwendige Investitionen realisieren zu können. „Durch den Einstieg eines zahlungskräftigen Investors gab es für die Brauerei und seine Beschäftigten wieder Hoffnung auf eine längerfristige Perspektive des Brauereistandortes.“ So der Gewerkschafter Daiss. Weitere Zugeständnisse zu Lasten der Beschäftigten in den kommenden Jahren gab es laut Daiss allerdings nicht. „Wer mit uns eine Absenkung der branchenüblichen Arbeitsbedingungen vereinbaren möchte, muss mit offenen Karten spielen und sich an bereits getroffene Vereinbarungen halten“ so Daiss weiter. Zu dieser Offenheit war der Geschäftsführer Jörn Metzler offenkundig nicht bereit. Die Einsparungen bei den Personalkosten in den nächsten Jahren wurden deshalb allein dadurch erreicht, dass beispielsweise das Weihnachtsgeld einfach nicht oder nicht vollständig gezahlt worden ist. „Leider haben die Kolleginnen und Kollegen durch die Drohungen mit Betriebsschließung ihre Rechtsansprüche nicht durchgesetzt“, bedauert Daiss. Bei der letzten Betriebsversammlung machte Daiss deutlich, dass die Beschäftigten dadurch der Brauerei jeweils über 10.000 Euro geschenkt haben. Der Dank dafür ist jetzt wahrscheinlich nicht nur der Verlust des Arbeitsplatzes, sondern aufgrund der Insolvenz, eine deutlich verkürzte Kündigungsfrist und eine gesetzlich begrenzente Abfindung, deren tatsächliche Auszahlung mehr als unwahrscheinlich ist. Wir erwarten deshalb von einem millionenschweren Eigentümer, dass sich Herr Seitz für den Fortbestand der Brauerei an der Königsbach engagiert und potenziellen Investoren entgegenkommt. Die Mindestforderung an ihn lautet jedoch, dass die Kolleginnen und Kollegen zumindest ihren Verzicht ersetzt bekommen.“ Für die anstehenden Verhandlungen erwartet Daiss weiter, dass für einen vermutlich nicht zu verhindernden Sozialplan ausreichend Mittel bereitgestellt werden damit der langjährige Einsatz und die Treue zur Brauerei angemessen kompensiert werden kann.
Pressemitteilung der
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Mittelrhein
