Politik | 13.08.2019

Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig besuchte Synagoge Niederzissen

Ein Lernort für Geschichte, Toleranz und Demokratie

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig inmitten der örtlichen Teilnehmer ihres Besuches im jüdischen Museum der ehemaligen Synagoge Niederzissen. Foto: Kultur- und Heimatverein

Niederzissen. Die für die Bildung zuständige rheinland-pfälzische Ministerin Dr. Stefanie Hubig besuchte jetzt die ehem. Synagoge Niederzissen. Während des rund zweistündigen Besuchs machte die Ministerin deutlich, dass dieses Haus ein für die Erinnerungsarbeit, Aufklärung und ehrenamtliches Engagement beispielhaftes Objekt sei, um Schülern den Zugang zur Geschichte, Demokratie und bürgerschaftlichen Einsatz zu vermitteln.

Ein weiterer wichtiger Grund für sie war das persönliche Kennenlernen der Akteure vor Ort in Niederzissen. Dazu zählen die beiden Autorinnen des Buches „Ein langer Weg – Die Geschichte der jüdischen Familien der Synagogengemeinde Niederzissen im Brohltal“, Brunhilde Stürmer und Brigitte Decker, sowie auf Anregung des Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins (KuHV) Richard Keuler, auch Anne Wagner, die mit ihrer vom KuHV als Buch herausgegebenen Masterarbeit „Jüdisches Leben in Niederzissen“ 2017 an der Uni Koblenz ebenfalls einen weiteren wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte am Beispiel Niederzissen geleistet hat. Wie Richard Keuler betonte, freue er sich über den Gedankenaustausch mit der Ministerin, die nicht nur für die Schulbildung, sondern als Staatsministerin auch Repräsentantin der Landesregierung ist, die die Gedenkarbeit, die Pflege von Gedenkstätten und die Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt hat. Das ist auch Teil unserer Arbeit hier vor Ort und deshalb ist der Kultur- und Heimatverein Niederzissen Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz, ergänzte Keuler weiter. Bürgermeister Johannes Bell und Ortsbürgermeister Rolf Hans wiesen unisono darauf hin, dass die Einschätzung der Ministerin zum bürgerschaftlichen Engagement richtig und die ehem.

Synagoge ein Musterbeispiel für ehrenamtlichen Einsatz sei. Durch diesen kontinuierlichen Einsatz mit den guten Ergebnissen der bis heute geleisteten Arbeit seien auch die letzten negativen Stimmen im Ort verstummt. Den Einsatz engagierter Mitglieder des KuHV, besonders während er Bauzeit im Innen- und auch im Außenbereich, bestätigte dessen zweiter Vorsitzender Dieter Lukas ausdrücklich. Einen besonderen Aspekt hinterfragte Frau Dr. Hubig bezüglich der Reaktionen im Ort vor dem Ankauf der damaligen Schmiede durch die Gemeinde. Dies konnte der Vorsitzende des Fördervereins Norbert Wagner als damaliger Initiator eines erfolgreichen Bürgerbegehrens beantworten. Die Initiative sammelte nach der Ablehnung des Ankaufs durch den Gemeinderat innerhalb kurzer Zeit genügend Unterschriften, um, mit zusätzlicher Unterstützung durch ein Schreiben aus der Mainzer Staatskanzlei, das negative Votum zu kippen, sodass der Gemeinderat am 9. November 2009, genau 71 Jahre nach der Schändung, den Ankauf beschloss. Richard Keuler, damals Ortsbürgermeister, war sich mit der Ministerin einig, dass dies ebenfalls ein Beispiel für gelebte Demokratie gewesen sei. Das und vieles mehr können junge Menschen erfahren, wenn sie die ehem. Synagoge besuchen. Inhalte der Arbeit vor Ort sind nicht nur das Lernen aus der Geschichte, das friedliche Miteinander einst und heute, sondern auch die Versöhnung, was die inzwischen zahlreichen Besuche der Nachfahren ehemaliger Niederzissener Juden beweisen. Sie finden ihre Wurzeln und eine Heimat, die den Vorfahren genommen worden ist, wie es Harvey Berger, der Enkel des letzten Vorstehers der jüdischen Gemeinde, Karl Berger, bei einem seiner Besuche formulierte. Besonders beeindruckt war die Ministerin über die Dachbodenfunde, einer Genisa, die als eine der größten in Deutschland gilt, sowie deren Aufarbeitung und Darstellung in der Dauerausstellung des jüdischen Museums im Nebenraum. Sie zeigt an Hand der Funde, wie jüdischen Leben in Niederzissen im Alltag, im Rahmen der religiösen Feste im Jahresverlauf und im Holocaust war, aber auch und ganz wesentlich was jüdisches Leben ist. In diesem Sinne bietet sich die ehem. Synagoge in Niederzissen besonders für Schüler an, einmal im Leben eine solche Erinnerungsstätte besucht zu haben, um, wie Ministerin Dr. Hubig es erneut formulierte, ihnen einen Zugang zur Geschichte und zur Demokratie zu vermitteln.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig inmitten der örtlichen Teilnehmer ihres Besuches im jüdischen Museum der ehemaligen Synagoge Niederzissen. Foto: Kultur- und Heimatverein

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Peter Heinrichs : Ein sehr ausführlicher Bericht über eine so wunderbare Sache. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter Anna Fraser.
  • K. Schmidt: Wer diese Örtlichkeiten kennt, weiß, dass sich die Verkehrssicherheit nicht durch andere Geschwindigkeitsregelungen verbessern würde, sondern praktisch einzig durch anderes Verhalten der "Elterntaxis"....
  • Boomerang : Wenn man sich so intensiv um verarmte Kinder oder alte Menschen kümmern würde....
Rund ums Haus
Imageanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Schichtführer Dosenanlage
Dauerauftrag Imageanzeige
Stellenanzeige Stellv. Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt
Titel
Rund ums Haus Daueranzeige
Currywurstfestival & verkaufsoffener Sonntag
Vorsätze 2026
Empfohlene Artikel

Bendorf. In einem Gespräch der rheinland-pfälzischen Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Daniela Schmitt, mit den Bendorfer Stadträten Herbert Speyerer und Günther Bomm wurden zentrale verkehrliche Fragestellungen der Stadt Bendorf erörtert. Im Fokus stand dabei unter anderem der Sachstand beim Ausbau der Koblenz-Olper-Straße im Ortsteil Sayn.

Weiterlesen

Bendorf. Die FWG-Fraktion im Bendorfer Stadtrat hat ihre Fraktionsspitze neu besetzt. Zum Vorsitzenden wurde Jörg Freisberg gewählt, sein Stellvertreter ist Ulrich Hoppen. Gemeinsam werden sie die Arbeit der Fraktion koordinieren, politische Positionen vertreten und die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen sowie den städtischen Gremien gestalten.

Weiterlesen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der CDU-Stadtverband Bad Neuenahr-Ahrweiler hat in seiner Mitgliederversammlung Pascal Rowald mit sehr großer Zustimmung zum Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 22. März 2026 gewählt. Das klare Wahlergebnis steht für die große Geschlossenheit innerhalb des CDU-Stadtverbandes und verleiht Pascal Rowald deutlichen Rückenwind für den anstehenden Wahlkampf. Der CDU-Stadtverband...

Weiterlesen

Weitere Artikel

(djd). Viele Menschen sparen Jahrzehnte für ihre Altersvorsorge und stehen dann vor der Frage, was mit dem angesparten Geld geschehen soll. Gerade bei der Verwendung des angesparten Vermögens können Fehler gemacht werden. Eine professionelle finanzielle Planung der Ruhestandsphase ist daher ganz entscheidend für die Absicherung im Alter.

Weiterlesen

Es gibt einen offiziellen Europameister aus der Region!

Historischer Erfolg für den Kreis Ahrweiler

Kreis Ahrweiler. Der Kreis Ahrweiler darf sich über einen sporthistorischen Erfolg freuen: Es gibt einen offiziellen IBJJF-Europameister aus der Region. Vasyl P. sicherte sich 2026 in Lissabon den begehrten Titel des BJJ European Champion bei der International Brazilian Jiu-Jitsu Federation (IBJJF), dem weltweit größten und renommiertesten Verband dieser Kampfsportart. Er gewann alle Kämpfe frühzeitig durch Submission und kämpfte sich überlegen auf Platz 1.

Weiterlesen

Bendorf. Die Herrenmannschaft des Basketballvereins hatte keinen guten Start ins neue Jahr 2026. Nach einer durchwachsenen Leistung verlor das Team zu Hause gegen die Basketballer aus Lahnstein mit 47:69 Punkten. Dies war bereits die zweite Niederlage in Folge. Am 01.02.2026 steht das nächste Heimspiel gegen Linz an, in dem ein Sieg nötig ist, um die erfolgreiche erste Saisonhälfte nicht zu gefährden.

Weiterlesen

Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Mitgliederwerbung
Betriebselektriker
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag
Dauerauftrag Imageanzeige
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Januar 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0003#
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Currywurst&verkaufsoffener Sonntag
Physiotherapeut/in (m/w/d)
Umbau Vulkan Brauerei
Media-Auftrag 2025/26
Schwerdonnestag Koblenz
Umbau Vulkan Brauerei
Imageanzeige